Lokales

VfL setzt auf „Sporthalle danach“

Zukunftswerkstatt hat Raumprogramm für Sportvereinszentrum an der Lindach erarbeitet

„Hier steht das Gebäude, dort kommt der Biergarten hin, von da kann man ins Stadion schauen . . .“ begeistert erläutert VfL-Geschäftsführerin Doris Imrich die Vision eines Sportvereinszentrums, während sie mit dem Bleistift Skizzen entstehen lässt. Auf dem Papier sind die Ideen der „Zukunftswerkstatt“ bereits konkret. Jetzt geht‘s an die Realisierung und damit auch die Frage der Finanzierung.

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Irene Strifler

Kirchheim. Schon seit einigen Jahren beschäftigt die Idee Verwaltung, Sportverantwortliche und Gemeinderäte: Große Teile des Areals zwischen Jesinger Straße und Lindach, vom Freibad bis zum Tennishäusle, sollen zum Sportpark für jedermann werden. Das „Herz“ des Parks stellt ein Sportvereinszentrum dar unter der Regie des VfL Kirchheim als des größten Sportvereins.

Eine zwanzigköpfige „Zukunftswerkstatt“ aus den Reihen des VfL hat gemeinsam mit Vertretern des Württembergischen Landessportbundes Brainstorming betrieben. „Jetzt ist klar, welche Räume wir unbedingt brauchen“, fasst Doris Imrich zusammen: Drei bis vier Kursräume verschiedener Größe, in denen auch die bewährten Reha-Angebote laufen können, ein Studio mit entsprechender Geräteausstattung, ein Empfangsbereich mit Bar und vielleicht kleinem Bistro, ein Biergarten als Treffpunkt für die ganze Familie mit Kleinspielfeldern, ein Sanitärbereich und sogar eine Sauna, um dem Wellnessbedürfnis moderner Zeitgenossen gerecht zu werden.

Mit seiner Planung erfindet der VfL das Rad nicht neu. Eine Reihe von Vereinen in vergleichbaren Städten der Region wirken bereits mit Sportvereinszentren dem Mitgliederschwund erfolgreich entgegen. „Wir müssen flexibel auf die Bedürfnisse derjenigen reagieren, die mit dem aktiven Sport aufhören“, nennt Imrich ein wichtiges Anliegen. Das gut funktionierende abteilungsspezifische Sportangebot in den verschiedenen Hallen soll dabei unangetastet bleiben. Imrich bezeichnet das geplante Sportvereinszentrum als „Sporthalle danach“. Im Klartext: Wer beispielsweise nicht mehr regelmäßig Handball spielt, kann hier entspannen oder sich an Geräten vergnügen – individuell, aber bei Bedarf mit kompetenter Anleitung.

Angebote für Gesundheitsbewusste offerieren zunehmend auch Krankenhäuser, die mancherorts ihre Reha-Einrichtungen zu Fitness-Tempeln aufrüsten. Auch die Kreiskliniken liebäugeln mit einem Vitalcenter nach Ruiter Muster für Kirchheim (der Teckbote berichtete).

Ein Nebeneinander von Vereinssportzentrum an der Lindach und Vitalcenter am Krankenhaus betrachtet jedoch manch einer mit Skepsis. Nach Einschätzung von Doris Imrich wäre dies allenfalls denkbar, wenn sich das Krankenhaus auf die Rehabilitation frisch Operierter beschränken würde. Zwar hat die Machbarkeitsstudie des WLSB dem an der Lindach geplanten Sportpark einen üppigen Einzugsbereich von 80 000 Menschen bescheinigt. Dennoch weiß Imrich, dass jeder einzelne Kunde wichtig ist, um die Kosten für den geplanten Bau des Zentrums in Höhe von mehreren Millionen Euro wieder einzuspielen. Etwa 15 Jahren sind dafür veranschlagt. – Voraussetzung ist, dass mehrere Tausend Menschen den Fitnessbereich nutzen.

Dieser steht natürlich nicht nur VfL-Mitgliedern offen. Vielmehr soll ein „Kirchheimer Sportpass“ kreiert werden. Jeder erhält ihn, der in einem Kirchheimer Sportverein aktiv ist. Gegen einen Aufpreis steht ihm dann auch der Gerätepark im Sportvereinszentrum offen. „Man kann sich den ganzen Tag in dem Areal aufhalten“, schwärmt die VfL-Macherin von der Lage an der Lindach mit Blick auf die Teck und den Albtrauf.

Imrich ist vom Erfolg des Projekts überzeugt und will den VfL und die anderen Sportvereine auf diese Weise fit für die Zukunft machen. Im Herbst soll das Raumprogramm in konkrete Pläne mit Kostenberechnungen münden. „2011 können wir anfangen zu bauen“, meint die zupackende VfL-Geschäftsführerin und man spürt, dass sie am liebsten schon auf der Stelle in den Bagger steigen würde. Sie setzt auf WLSB-Zuschüsse in Höhe von 10 bis 20 Prozent und hofft auf Unterstützung durch die Stadt. Ihr überzeugendstes Argument: „Eine starke Vereinslandschaft prägt das Stadtbild positiv.“

Das sieht Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker genauso. „Der VfL ist schon sehr weit mit seiner Planung“, freut sie sich und räumt ein, dass es sich angesichts der Investitionen „um eine große Nummer“ für den Verein handle. Städtische Zuschüsse seien – abgesehen vom Platz – kein Thema. Die Stadt sieht Matt-Heidecker aber beim Sportpark in der Pflicht, der am Zentrum entstehen soll. Selbst eine klamme Haushaltslage könne schließlich nicht bedeuten, dass jegliches Handeln eingestellt werde. Die Sportentwicklungsplanung sei nie als Wunschzettel für Sportstätten gehandhabt worden, sondern diene der gezielten bedarfsorientierten Weiterentwicklung Kirchheims als Sportstadt.

Als Oberbürgermeisterin muss Matt-Heidecker aber natürlich auch darauf aus sein, das Krankenhaus in jeder Hinsicht zu unterstützen und so langfristig lebensfähig zu erhalten. Sie will daher an einem runden Tisch Krankenhausleitung und Stadtverantwortliche ins Gespräch bringen.