Lokales

VfL: Trainer neu, Saisonziel alt

Die Ansprüche in Kirchheim sind längst nicht mehr so hoch wie einst in den "goldenen" achtziger und neunziger Jahren, als die Oberligazugehörigkeit des VfL fast schon eine Selbstverständlichkeit in der Region war. Beim Definieren sportlicher Ziele steht deshalb nach drei Jahren Verbandsliga-Fußball und mehreren personellen Umbrüchen Bescheidenheit an oberster Stelle.



Rentschler, Verfechter eines attraktiven Fußballs ("den spielt man dann, wenn beispielsweise die Übergänge von der Defensive in die Offensive optimal und schnell gelingen") warnt vor allzu großen Erwartungen. "Wir werden es in diesem Jahr in der Verbandsliga mit einer Zwei-Klassengesellschaft zu tun haben", vermutet er, "um den Titel dürften Laupheim, Großaspach, Dorfmerkingen, Schwieberdingen und Metzingen spielen, der Rest kämpft gegen den Abstieg." Das eigene Team zählt also in des Trainers Prophezeiung nicht zur Upperclass. Trotzdem: Ein gesicherter Mittelfeldplatz soll es schon sein.


Rentschler stärkte vor dem Rundenauftakt erst einmal das Selbstbewusstsein seines Teams. "Ich bin mit der Qualität des Kaders zufrieden", sagte er. In der Vorbereitungszeit ("da sind Höhen und Tiefen normal") enttäuschte der VfL allerdings gegen den Bezirksligisten TSV Notzingen (0:0).


Das Gerüst des VfL-Verbandsliga-Teams in der Saison 2004/2005 sollen erfahrene Spieler wie Archontis Siopdis (26), Stefan Ziegler (25/bis Dezember studienbedingt in den USA) und Rückkehrer Mario Grimm (24) bilden. Der Rest des Teams? Bis auf wenige Ausnahmen eine "U21"-Mannschaft. Akteure wie Coskun Isci, Fabio Morisco und Christopher Eisenhardt (alle 20) sind in diesem Talentschuppen dank einjähriger Verbandsliga-Erfahrung fast schon so etwas wie alte Hasen. Die Neuzugänge sind zumeist sogar noch jünger als das zuletzt genannte Trio und in der Mehrzahl eher unbekannt in der hiesigen Region. Wann Torsten Raspe (35), dessen Zusage für den VfL vorliegt, eingreifen wird, ist offen: Zuletzt hemmten einige bürokratische Hindernisse den Einsatz des ehemaligen Zweitligaspieles der Stuttgarter Kickers. Fazit: Der VfL ist keinem so gravierenden Umbruch unterworfen, wie noch ein Jahr zuvor.


Von den Abgängen wiegen nur die von Thomas Scheuring (SSV Reutlingen) und Thorsten Schöllkopf (Normannia Gmünd) wirklich schwer beide haben bezeichnenderweise bei ihrem jeweiligen (Oberliga-)Club sofort einen Stammplatz erobert. Die anderen VfL-Abwanderer schlossen sich unterklassigen Vereinen an.


Nur 16 Kilometer von Kirchheim entfernt ist eine Euphorie ausgebrochen, wie es sie seit über zwanzig Jahren nicht mehr gegeben hat: Mit dem Verbandsliga-Aufstieg des FC Frickenhausen endet für die Nürtinger Ecke eine fast endlos erscheinende fußballerische Saure-Gurken-Zeit. In einer Region, die zu besten Zeiten einen Drittligisten (FV 09 Nürtingen) und etliche Viertligisten (TB Neckarhausen, TSV Neckartailfingen, TSV Oberensingen, TSV Wendlingen, TV Unterboihingen) hatte, ist der Überraschungsaufstieg des FCF eine Wohltat. Frickenhausens Trainer Klaus Fischer, der wie sein Kirchheimer Kollege Rentschler auch schon für den FC Pforzheim die Kickstiefel schnürte, hat den Klassenerhalt auf dem Wunschzettel angesichts fehlender Verstärkungen verbieten sich höhere Ziele von selbst. "Wir verschulden uns nicht wegen des Aufstiegs", ist von den FCF-Bossen zu hören.

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