Lokales

"Viel Arbeit, aber auch viel mehr Höhen als Tiefen"

Kirchheim ist um eine "Institution" ärmer. Bereits Anfang Juni war Hauptamtsleiter Leo Klöhn gesundheitsbedingt aus dem Dienst der Stadt ausgeschieden. Am Ende der jüngsten Gemeinderatssitzung haben ihn Rat und Verwaltung nun auch offiziell und in würdigem Rahmen verabschiedet.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM 38 Jahre lang war Leo Klöhn bei der Stadt Kirchheim beschäftigt, fast 30 davon in leitender Funktion, führte Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker in ihrer Laudatio auf den scheidenden "Steuermann" aus und fügte bedauernd hinzu: "Leider war Ihnen aufgrund gesundheitlicher Umstände ein weiterer aktiver Dienst nicht mehr möglich."

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Der Geehrte selbst sprach später davon, dass sein Berufsleben "kreuzbedingt" nun definitiv zu Ende sei. "Was mir aber gar nicht reinläuft, ist der Zeitpunkt meines Ausscheidens", betonte er. Vor Kurzem sei er sich noch sicher gewesen, die Oberbürgermeisterin beruflich in ihre zweite Amtszeit hinein begleiten zu können. Insgesamt habe es eines langen Prozesses bedurft, "die Situation anzunehmen und die Lebensplanung neu auszurichten".

Nach dem Abschluss der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Stuttgart hatte Leo Klöhn 1973 die Leitung der Geschäftsstelle des damaligen Kirchheimer Oberbürgermeisters Franz Kröning übernommen, wusste Angelika Matt-Heidecker über den beruflichen Werdegang ihres Hauptamtsleiters zu berichten, der den Chefsessel in der Schaltzentrale des Rathauses bereits 1977 eingenommen hatte. Zu diesem Zeitpunkt war er auch persönlicher Referent des neuen Oberbürgermeisters Werner Hauser, für den er zwei Jahre später auch die "Vertretung bei der Wahrnehmung der Aufgaben des Dienstvorgesetzten" für die städtischen Bediensteten übernahm.

Nachdem auf Werner Hauser zunächst Peter Jakob und anschließend Angelika Matt-Heidecker gefolgt waren, hat Leo Klöhn insgesamt mit vier Oberbürgermeistern zusammengearbeitet, "die seine Qualitäten zu schätzen und zu nutzen gewusst haben", wie die amtierende Rathauschefin feststellte. Sie alle hätten ihn als kompetenten und verlässlichen Ansprechpartner geschätzt. Die Hauptverwaltung habe er einmal als "Amt der Inneren Dienste" bezeichnet, gelte es doch grundsätzlich, den inneren Verlauf der Verwaltung zu organisieren und sicherzustellen. Leo Klöhn habe im Lauf seiner langen Dienstzeit die Kirchheimer Stadtverwaltung "von einer reinen Ordnungsverwaltung zu einer Dienstleistungsverwaltung" umgestaltet.

Entscheidungen des Gemeinderats habe der langjährige Hauptamtsleiter pflichtbewusst umgesetzt. Angelika Matt-Heidecker erinnerte vor allem an den Beschluss, 400 000 Euro an Personalausgaben einzusparen, und an die damit verbundene "Wiederbesetzungssperre, die nicht immer einfach umzusetzen war und die umgesetzt wurde in der Kenntnis, dass es zu einer Mehrbelastung der Mitarbeiter führen würde". Auch für die einzelnen Stadträte sei Leo Klöhn stets ein wichtiger Ansprechpartner gewesen, und zu seinen Aufgaben habe außerdem die Pflege der Partner- und Patenschaften gehört: mit Rambouillet, Kalocsa, Freiwaldau-Gräfenberg und Bulkes sowie mit der U 16, mit der er "mehrfach untergetaucht" ist.

Zu den herausragenden Eigenschaften des Mannes, der sein ganzes Berufsleben hindurch der Stadt Kirchheim die Treue gehalten und Höhen und Tiefen miterlebt habe, zählte die Oberbürgermeisterin dessen Fähigkeit, "sofort das Wesentliche zu erkennen und auf den Punkt zu bringen". Reife, Erfahrung und Ausgewogenheit hätten das Urteil des langjährigen ehrenamtlichen Richters am Stuttgarter Arbeitsgericht stets geprägt.

Nach eigener Aussage Leo Klöhns war es folgende "östliche Weisheit", der er das Streben nach Ausgewogenheit im beruflichen Alltag verdankte: "Jede Minute, die du dich ärgerst, kostet dich 60 Sekunden deines Lebens." Nachdem er eine "positive Bilanz" ziehen konnte, bei der unter dem Strich "viel Arbeit, aber auch viel mehr Höhen als Tiefen" standen, bedankte sich Leo Klöhn bei seinen engsten Mitarbeitern ebenso wie beim Kirchheimer Gemeinderat für die gute Zusammenarbeit und das Vertrauen.

Dann blickte Leo Klöhn aber nicht mehr zurück, sondern nur noch in die Zukunft: "Das Vertrauen können Sie in vollem Umfang und nahtlos an meinen Nachfolger Steffen Weigel übertragen", warb er beim Gemeinderat um die Fortsetzung der guten Zusammenarbeit. Auch an die gesamte Stadtverwaltung hatte der scheidende Hauptamtsverwalter noch eine letzte "Dienstanweisung" zu richten: "Särken Sie das Wir-Gefühl." Ein Teamgeist wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft sei notwendig, um unnötiges Nachkarten zu verhindern und stattdessen für Einigkeit zu sorgen, damit jeder einzelne Mitarbeiter alle Entscheidungen nach außen mittragen könne. Das eigene Vorbild Leo Klöhns wird dabei sicher manches Mal fehlen.