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Viel Beifall nach der Abendmusik in der Marienkirche

BISSINGEN Nur noch wenige Plätze in der Marienkirche waren frei, als am Samstagabend nach dem festlichen Glockengeläut der Posaunenchor unter Leitung von Pfarrer Ulrich Müller das Allegro Assai, den

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HELMUT FEUCHTER

ersten Satz aus der Orgelsonate op. 61 Nr. 4, von Alexandre Guilmant (1837 1911) in einer Bearbeitung für zehnstimmigen Bläserchor, arrangiert von Landesposaunenwart Hans-Ulrich Nonnenmann, intonierte. Gleich bei diesem ersten Stück stellten die rund 30 Bläser/innnen unter Beweis, dass sie in der Lage sind, sich auf anspruchsvolle Bläserliteratur der Kategorie "schwer" einzustellen. Bei den Solostellen und Pianostellen hätte mutiger gespielt werden dürfen, doch viele schwierige Passagen meisterten die Musiker erstaunlich intonationssicher. Vor allem die Trompeten glänzten mit sicherem Einsatz und mit klarem Ton, auch in hohen Lagen.

Pfarrer Müller begrüßte unter dem Motto "Gott loben, das ist unser Amt" alle Freunde des Posaunenchors. Er bezeichnete es als Wunder Gottes, dass sich über 50 Jahre hinweg Bläserinnen und Bläser als Ehrenamtliche zu diesem göttlichen Lob haben motivieren lassen.

In Erinnerung an die erste Choralbegleitung vor 50 Jahren wurde das Lied "Großer Gott wir loben dich" angestimmt. Vor 50 Jahren wurde das Lied sicher nur in einem einfachen Satz begleitet. Jetzt aber erklang ein Werk von Helmut Lammel mit doppelchörigem Vorspiel, Liedsatz, Choralfuge als Zwischenspiel, Liedsatz mit drei Oberstimmen und Nachspiel. Majestätisch und ergreifend spielte der vielstimmige Bläserchor, und in der Choralfuge konnte sich ein Trompetenduett mit lockerem Schwung auszeichnen, das von der kleinen Besetzung in Tenor und Bass wirkungsvoll ergänzt wurde. Im Nachspiel wurde deutlich gemacht, dass man zu großartigem Lob findet, wenn man auch Tiefen durchlebt hat.

Nun war man gespannt auf die Auftragskomposition zum Jubiläum, die Festliche Bläsermesse, ebenfalls von Helmut Lammel. Er komponierte dieses große Werk speziell für die Besetzung des Bissinger Posaunenchors mit Trompeten, Hörnern und Tuben, Posaunen, Euphonium, Saxofon und Querflöte. An einigen Solostellen wurden Saxofon und Querflöte passend zur Geltung gebracht, und auch die Trompeten ließen als gedämpfte und ungedämpfte Instrumente herrliche Pianostellen hören. So wurde man mitgenommen von Lob und Dank, in den das "Nun danket alle Gott" als Thema hineingewoben war, über das Kyrie mit einem so genannten Gloria-Blues und das "Ehre sei Gott in der Höhe" im Swing-Stil mit Solo-Improvisationen, bis plötzlich ein nachdenkliches Lento zum Credo überleitete, in dem der Choral "Wir glauben Gott im höchsten Thron" majestätisch ausgestaltet wurde. Durch den Übergang in den Swing wurde auch an dieser Stelle deutlich, dass der Glaube an Gott auch aktuell gelebt und erlebt werden kann.

Nach einer Schriftlesung folgte das Lied "Sollt ich meinem Gott nicht singen", bei dem nach einem Vorspiel und Sätzen von Johannes Matthias Michel die Besucher stark zur Selbstständigkeit beim Singen herausgefordert wurden, da in unterschiedlichen rhythmischen Sätzen und mit a-rhythmischen Verzierungen begleitet wurde.

Das Praise-Medley von Hans-Joachim Eißler wurde mit Schlagzeug musiziert, doch hielt sich die Schlagzeugerin zu sehr zurück auch die christliche Gemeinde mag heutzutage die rhythmische Gestaltung von modernen Evangelistics. Hervorzuheben waren die gefühlvoll gestalteten Übergänge in neue Tempi und andere Rhythmen, denn verschiedene Melodien bekannter Lobpreislieder sind in diesem Medley hintereinandergelegt.

Von Michael Schütz wurde für den Ulmer Posaunentag 2004 das Lied "Gib uns Frieden jeden Tag" neu arrangiert. Diese Komposition ist ihm so gut gelungen, dass sie bei vielen Posaunenchören sehr bliebt ist, und so hat sie auch der Bissinger Posaunenchor zu Gehör gebracht und die Gemeinde sang fröhlich mit.

Ebenso beliebt folgte nach einem Gebet das Lied "Unser Vater" in einer Vertonung von Hans Joachim Eißler.

Pfarrer Müller lud ein zum Festgottesdienst am darauffolgenden Sonntag und wies auf ein Wochenende im Januar hin, an dem Harmonic Brass wieder in Bissingen zu Gast sein werde. Das Schlusslied "Bewahre uns Gott, behüte uns Gott" und nach dem Segen der Groovin March von Michael Schütz rundeten das Programm ab und die Musizierenden bekamen ihren verdienten Beifall und auch der anwesende Komponist Helmut Lammel wurde mit Blumen bedacht. Die Zugabe gebe es am Sonntag beim Festgottesdienst, verriet schmunzelnd der zufriedene Chorleiter Pfarrer Müller. Noch lange blieb die Kirche gefüllt beim anschließenden Stehimbiss. Die Möglichkeit zu Gesprächen wurde genützt, denn viele ehemalige Bläser sowie Bläser aus benachbarten Posaunenchören hatten sich Zeit genommen für dieses Jubiläum und freuten sich über den gelungenen Auftritt und über die Festschrift.