Lokales

Viel Geld fließt für das Wasser

Gemeinde saniert Hang zwischen Mühlkanal und Lindach – Lindach wird durchgängig gemacht

Entlang des Mühlkanals sieht der Maßnahmenplan den Ausbau eines Weg vor
Entlang des Mühlkanals sieht der Maßnahmenplan den Ausbau eines Weg vor

Der Mühlkanal neben der Lindach ist ein idyllisches Stück Neidlingen. Er wird bis heute genutzt. Nach altem Wasserrecht steht die Nutzung dem Besitzer der Widerholtmühle zu. Doch derzeit hat die Idylle Urlaub, der Kanal ist trocken gelegt, das Wasser verläuft im Rohr. Grund ist eine Hangrutschung.

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Neidlingen. Die Besitzer der Wide­r­holtmühle, die noch immer mit Wasserkraft ihr Getreide mahlen, haben Glück. Denn das historische Nutzungsrecht für den Kanal ist nicht mit der Verpflichtung verbunden, den Kanal bei Schäden zu reparieren. Das würde die privaten Möglichkeiten schnell sprengen. Die Gemeinde will die Reparatur mit einer Aufwertung der Lindach verbinden und erwartet Gesamtkosten von gut 100 000 Euro.

Man könnte es ein typisches Kammerlander-Projekt nennen, das der nach 16 Jahren abgewählte bisherige Bürgermeister Rolf Kammerlander in seiner letzten Gemeinderatssitzung präsentierte. Man nehme eine verpflichtende Aufgabe der Gemeinde, die man alleine bezahlen müsste, und ergänze sie so mit etwas Freiwilligem, dass dafür voraussichtlich Zuschüsse fließen. Vorbild ist der Seebach, dort lag die Förderung am Ende bei rund der Hälfte der Gesamtkosten.

Der Schaden ist schon einige Monate alt. Nach starkem Regen geriet im Juni 2013 der durchweichte Hang zwischen Mühlkanal und Lindach ins Rutschen. Die östliche Betonwand des Mühlkanals ist gebrochen und abgesackt, der beschauliche Fußweg seitdem gesperrt. Von der Uferbefestigung am unteren Ende der Böschung ist nicht mehr sehr viel übrig. Um ein weiteres Durchweichen zu verhindern, wurde der Mühlkanal in ein Rohr verlegt. Die genaue Ursache der Hangrutschung ist unbekannt, damit ist die Gemeinde für die Reparatur zuständig.

Was ist zu tun? Mit dieser Frage hat sich im Auftrag der Gemeinde der Ingenieur Roland Rendler beschäftigt. „Mein Herz schlägt für die Krainer Wand“, sagte er im Gemeinderat. Bei dieser werden Längshölzer mit einem Durchmesser von 40 Zentimetern eingebaut. Im Abstand von etwa zwei Metern reichen Hölzer tief in den Hintergrund, die Hohlräume werden mit wasserdurchlässigem Boden aufgefüllt. Die bis zu zwei Meter hohe Wand, so Rendler, sei eine „ganz stabile, dauerhafte Lösung“.

Alternativ wäre, zu ähnlichen Kosten, eine begrünte Trockenmauer möglich. Sie würde aus Steinen aufgebaut und ebenfalls mit Strauchweiden bepflanzt. Über diese beiden Varianten wurde noch nicht entschieden. Ausgeschlossen werden jedoch Gabionen. „Irgendwann sind die Drähte durchgerostet“, sagte Rendler. Außerdem würde es für Gabionen keine Fördermittel geben.

Letztere sollen auch für die Anhebung der Sohle der Lindach fließen. Sie soll als „raue Rampe“ durchgängig gestaltet werden. Noch ist das freiwillig. „Aber die Auflage, solche Gewässer durchgängig zu machen, wird kommen“, sagte Kammerlander.

Die Gemeinde will sich nun beeilen. Denn beim nächsten starken Regen könnte der Schaden, trotz der Trockenlegung des Kanals, nochmals größer werden. „Das sollte bis Mitte des Jahres gemacht werden, die Bepflanzung soll noch Zeit haben zu wachsen“, sagte Rendler. Die Arbeiten müssen unten an der Lindach beginnen, erst ganz zum Schluss können die Baumaschinen den Kanal erreichen. Dann kann dieser mit 1,20 Meter breiten Betonfertigteilen saniert werden. Die bis zu drei Meter langen U-Profile können mit dichten Fugen verlegt werden.

Die Gesamtkosten werden auf jeweils rund 20 000 Euro für den Mühlkanal und die Aufwertung der Lindach und auf 50 000 Euro für die Reparatur der Böschung geschätzt. Mit Nebenkosten kommen so gut 100 000 Euro zusammen. Der Gemeinderat stimmte dem Projekt einstimmig zu. Voraussichtlich wird es schon in der Sitzung vom 17. März erneut beraten.