Lokales

Viel ist geschehen in der "Wohlfühlgemeinde"

Die Bürgerversammlung in Bissingen hat mit einem reichhaltigen Programm guten Zuspruch in der Bevölkerung erhalten. Über 120 Interessierte ließen sich über das kommunale Geschehen informieren und zukünftige Entwicklungen aufzeigen. Neben der Würdigung sportlicher Leistungen und kommunaler Aktionen kam auch die Diskussion über Gemeindethemen nicht zu kurz.

RAINER STEPHAN

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BISSINGEN Nach der schwungvollen musikalischen Eröffnung durch den Musikverein Bissingen erläuterte Vizebürgermeister Siegfried Nägele in seiner Begrüßungsrede Sinn und Zweck der Bürgerversammlung. Als sinnstiftend zitierte er Seneca: "Eine Gemeinschaft ähnelt einem Gewölbe, in dem die Steine einander am Fallen hindern."

Bei den Sportlerehrungen beglückwünschte Bürgermeister Wolfgang Kümmerle die erste Damenmannschaft der TT-Abteilung sowie die erste Herrenmannschaft und die Herren 50 vom Tennis zur Meisterschaft. Arndt Ott vom TC Göppingen sowie Sara Reichel und Patrick Weigele von der Leichtathletik wurden für ihre Meistertitel geehrt. Eine Ehrung wurde auch den Faustball-Senioren Heinz Wilke und Heinz Schröpfer zuteil. Bei den Schützen wurden die 1. Luftgewehrmannschaft sowie Markus Feuchter und Stefan Kneile gewürdigt.

In einem Interview mit dem Mountainbiker und Neu-Bissinger Stefan Sahm erfragte der Bürgermeister Hintergründe zu dessen sportlicher Betätigung. Der Radprofi, der jährlich rund 25 000 km allein an Trainingsstrecke absolviert, gab umfassend Auskunft und lobte die idealen Trainingsbedingungen am Albtrauf.

Dass der Blumenschmuckwettbewerb erfreulicherweise noch einen hohen Stellenwert besitzt, zeigte die Verleihung des Ehrenpreises durch den Schultes an die Familien Braun und Schumann aus der Bergstraße in Ochsenwang.

Eine Urkunde des Landes im Rahmen des Wettbewerbs kommunaler Bürgeraktionen durfte der Hausclub Bissingen für den Bau des Beachvolleyballfeldes entgegennehmen. Gleiches widerfuhr der Solargruppe der Lokalen Agenda 21 für ihr erfolgreiches Engagement. Uli Berger von der Projektgruppe "Öko-Check" wies hierbei auf die Steigerung von 60 Solaranlagen im Jahr 2001 auf über 120 im Jahr 2004 in Bissingen hin.

In seinem Rückblick ging der Bürgermeister schwerpunktmäßig auf den Rathausneubau mit einem Kostenvolumen von 2,81 Millionen Euro ein. Stolz verwies er darauf, dass der geplante Kostenrahmen eingehalten wurde. Viele Bürger würden ihm und dem Gemeinderat bestätigen, dass kein Protzbau, sondern ein zweckmäßiges Gebäude errichtet worden sei. Anhand von Dias ließ er alle wichtigen Vorhaben wie die Sanierung der Kläranlage in Ochsenwang, den Gewerbepark, die Skateranlage, den "Denkstein" des Künstlers Winfried Tränkner und vieles mehr Revue passieren.

Eine Portion Skepsis beschlich Wolfgang Kümmerle, als er über die Zukunft des Bissinger Sees sprach. Da dieses Bissinger Kleinod im Focus der EU-Badegewässerrichtlinie stehe, dürfe man gespannt darauf sein, wie zukünftig das Gesundheitsamt agieren werde. Neben Verkehrsprojekten wie der Radwegverbindung nach Weilheim, der Bushaltestelle Vordere Straße und dem Kreisverkehr bei den 3 Linden stellte er die Bemühungen der Gemeinde um die Ausweisung der Kleingartenanlage und der Kleintierzuchtanlage dar. Nachdem der Landkreis erfreulicherweise sein Einverständnis hierzu gegeben habe, stelle sich nun die Region Stuttgart als Bremser dar.

Beim Tagesordnungspunkt Fragen und Diskussion wollte der erste Fragesteller Auskunft über die zukünftige Verwendung des alten Fachwerk-Rathauses haben. Den Ausführungen über die schwierige Suche nach einem neuen Nutzer für das Liebhaberobjekt ließ Kümmerle die Aufforderung an die Versammlung folgen: "Wenn Sie jemand kennen, schicken Sie ihn zu mir."

Eine weitere Wortmeldung befasste sich mit der Frage, welche Ideen seitens des Gemeinderats vorhanden sind, um der drohenden Gefahr der Schuldenaufnahme zur Finanzierung des Haushalts vorzubeugen. Bürgermeister Kümmerle brachte hierzu den Erlös aus Grundstücksverkäufen ins Gespräch, stellte jedoch klar, dass es "das Ei des Kolumbus" für die Lösung des Problems nicht gebe. Grundstücksverkäufe hätten als Allheilmittel irgendwann ein Ende. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass sich die meisten Neubürger binnen kurzer Zeit in Bissingen heimisch fühlen würden und somit "Bissingen eine Wohlfühlgemeinde ist."

Als generell erfreulich und guten Standortfaktor wertete er die Zugehörigkeit der Gemeinde zum Programm "Ländlicher Raum", das die finanzielle Förderung von Investitionen durch das Land ermögliche.Weitere Fragen und Anregungen drehten sich um die Wegweisung am Rathaus, das Schenken von Obstbäumen zur Hochzeit und die negativen Entwicklungen bei der Kelterhocketse.

Neben der schlechten Entwicklung der Gemeindefinanzen durch äußere Einflüsse zeigte sich der Schultes auch besorgt über die demographische Entwicklung. So sei im Jahr 2003 bei 33 Sterbefällen und 34 Geburten der Geburtenüberschuss auf einem historischen Tief angelangt. Er schloss seine Ausführungen mit dem Wunsch, Bissingen möge sich seinen besonderen Charme erhalten.