Lokales

Viel mehr als zwei Garagen

Die Bereitschaft Weilheim des DRK nimmt ihr neues „Rettungszentrum light“ in Betrieb

Endlich in den eigenen vier Wänden, freut sich mancher Hausherr – auch wenn ihm dafür jahrelang finanziell das Wasser bis zum Hals steht. Das wollte die Weilheimer Bereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bei ihrem „Rettungszentrum light“ auf keinen Fall. Mit viel Fleiß ist es ihr gelungen.

Gestern hat die Weilheimer DRK-Bereitschaft ihr Rettungszentrum in der Malistraße offiziell in Beschlag genommen.Foto: Peter Die
Gestern hat die Weilheimer DRK-Bereitschaft ihr Rettungszentrum in der Malistraße offiziell in Beschlag genommen.Foto: Peter Dietrich

Weilheim. Die erste Schätzungen für den neuen Anbau und den Ausbau des Dachgeschosses lagen bei 140 000 Euro. Das wären für die DRK-Bereitschaft viele Jahreshaushalte gewesen, somit unbezahlbar. Dass die Ausgaben schließlich nur bei 85 000 Euro liegen, hat mehrere Gründe. Zum einen haben mehr als 50 Rotkreuzler kräftig angepackt und zusätzlich zu ihren normalen Diensten ehrenamtlich auf dem Bau geschafft. Rekordhalter Joachim Schober brachte es auf 206 ehrenamtliche Arbeitsstunden, ihm folgen Rainer Hitzer mit 121,5 und Manuel Schweiss mit 107,5 Stunden. Insgesamt kamen mehr als 2000 Arbeitsstunden zusammen.

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Nur wenige Arbeiten wurden von externen Handwerkern erledigt. Dazu zählt aus Haftungs- und Sicherheitsgründen das neue Flachdach, das das bisherige Satteldach ersetzt. Außerdem haben viele lokale Handwerker mit Sach- und Materialspenden geholfen, ob es nun um eine Küche für den neuen Gemeinschaftsraum oder um einen großen Tisch mit Eckbank ging. Firmen und viele Einzelspender trugen 60 000 Euro zusammen – so bleibt derzeit nur noch eine Deckungslücke von 25 000 Euro.

Die Gemeinden des Verwaltungsraums Weilheim steuerten 8 000 Euro bei. Das DRK, lobte Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle, bringe jede Menge Know-how, Organisationsgeschick und Zusammenhalt ein. Hinter dem Verein stehe die „unschlagbar gute Grundidee“, Menschen zu helfen. So sei die Zustimmung des Gemeinderats leicht gefallen. Züfle erinnerte an die Vielfalt der DRK-Einsätze, nannte unter anderem die Helfer vor Ort, die schnelle Einsatztruppe, Blutspenden, Bereitschaft bei Veranstaltungen und zuletzt die Gulaschkanone beim Markungsputz.

Der Vertrag für das Projekt wurde im Oktober 2011 unterzeichnet. Mit der Fertigstellung hat das DRK in der Malistraße erstmals einen zentralen Standort für seine Fahrzeuge. Die früheren Garagen bei der Firma Wepamat wurden abgerissen, deshalb war eine Alternative nötig.

Die vom DRK genutzten städtischen Garagen in der Häringer Straße sorgten immer wieder für Kommunikationsprobleme. Wohin bei einem Einsatz? Sind die anderen schon abgefahren? Nun ist alles an einem Ort versammelt, sogar DRK- und Feuerwehrfahrzeuge stehen nebeneinander. Indem sie das Dach über den Feuerwehrautos mitsanierte, hat sich die DRK-Bereitschaft bei der Stadt ihre künftige Miete verdient.

Wo jetzt die Garagen sind, gab es bereits zuvor DRK-Räume. Sie wurden durch den Ausbau des Dachgeschosses im Hauptgebäude – dort gab es früher eine Wohnung – mehr als ersetzt. Der neue Gemeinschaftsraum mit Küche ist für kleine Gruppen viel angenehmer als der Schulungsraum einen Stock tiefer. Erstmals bekamen die Jugendrotkreuzler einen eigenen Raum mit gemütlichem Sofa. Die Bereitschaftsleitung bekam ein Büro, erstmals gibt es einen Desinfektionsraum mit eigener Waschmaschine und Gefrierschrank: In ihm ruht das Eis für Sportveranstaltungen.

„Damit wird das Gemeinschaftsleben wesentlich einfacher und harmonischer“, freute sich Andreas Schober, Bereitschaftsleiter und Architekt, über die neuen Räume. Künftig könnten sich die Helfer zentral treffen – egal, welcher Einsatz ausgelöst werde – und je nach Lage die erforderlichen Fahrzeuge verwenden. Somit würden die Einsätze schneller und effizienter.

Kleine Restarbeiten sind am Anbau noch zu erledigen, etwa der Belag auf dem Dach. Ist alles fertig, kann das DRK sich aber keinesfalls entspannt zurücklehnen. Das Helfer-vor-Ort-Fahrzeug hat inzwischen 1 800 Einsätze hinter sich, und bald droht Ersatzteilmangel. Das Führungsfahrzeug erreicht in zwei Jahren das Oldtimeralter. Welches von beiden wohl zuerst ersetzt werden müsse, fragt sich Schober besorgt.

Und er fragt sich, ob er die Einladungen nach Dänemark und Österreich annehmen soll. Waren doch beim siebten internationalen Erste-Hilfe-Wettbewerb quer durch Weilheim am Samstag Gruppen aus Dänemark und Österreich dabei, und es gab einige Gegeneinladungen. Den Sieg trugen die Rotkreuzler aus Mistelbach bei Wien davon. Die Polen hatten Pech und konnten wegen eines defekten Fahrzeugs nicht nach Weilheim kommen. So entgingen ihnen unter anderem ein gestellter Unfall mit einem Radfahrer und eine erschreckend gut geschminkte Fingeramputation beim Metzger.