Lokales

Viel Optimismus bei der Premiere für die gute Stube

Das Neckar Forum hat eine Premiere nach Maß erlebt. Von Optimismus war bei der Premiere für das 41 Millionen Euro teure Bauwerks viel die Rede. Ministerpräsident Günther Oettinger und die übrigen Redner erwarten von dem Kongresszentrum wichtige Impulse für die ganze Stadt.

HERMANN DORN

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ESSLINGEN Die Journalistin Sonja Schrecklein, die durch den Festakt führte, spürt Aufbruchstimmung in ihrer Heimatstadt. "Es tut sich etwas", meinte sie mit Blick auf das Kongresszentrum, das auf dem Gelände der früheren Stadthalle entstanden ist. Als Schülerin hat sie auf der Bühne des Vorgängerbaus gestanden. Jetzt freut sie sich, dass die Stadt endlich eine Stube besitzt, die heutigen Ansprüchen gerecht wird. Für die Moderatorin ein Grund, stolz zu sein.

1250 Besucher lockte die Veranstaltung in die gute Stube, wo sie sich einen ersten Eindruck verschaffen konnten. Das Urteil der Redner, mit dem sie ihre Einschätzung vergleichen durften, fiel eindeutig aus. Sie lobten das Bauwerk, sprachen von einem großen Wurf und unterstrichen die Chancen. Liederkranz, Oratorienchor sowie weitere Musiker lockerten das Programm auf und boten die Möglichkeit, sich von den akustischen Qualitäten des Saals zu überzeugen. Auch die Kirchen reihten sich in die Schar der Gratulanten ein. Dieter Kaufmann und Paul Hildebrand, die Dekane der evangelischen und katholischen Kirchen, segneten das Bauwerk.

"Mut und Vision der Esslinger" beeindrucken Günther Oettinger. Der Ministerpräsident bescheinigte, dass die Stadt mit dem Kongresszentrum ihre Hausaufgaben erledigt hat. Die Rechnung hält er für solide. Hoffnungen auf eine gute Auslastung, die von Dauer ist, stuft er als realistisch ein. Interesse zeigt Oettinger für die Partnerschaft mit einem privaten Investor. "Dieses Modell werden wir fördern", kündigte er an.

Oberbürgermeister Jürgen Zieger sieht in dem Kultur- und Kongresshaus mehr als eine Stadthalle. "Endlich kann die Stadt ihre Stärken als touristisches Ziel entfalten." Die Neubauten wertet er städtebaulich als neuen Höhepunkt. Zieger glaubt an eine "riesige Chance für die zweitgrößte Stadt der Region, sich zeitgemäß zu positionieren". Zu den Gewinnern zählt er Wirtschaft, Handel, Dienstleister, Städtetourismus, Vereine und Kultur.

Sehr angetan zeigte sich Heinz Eininger. Der Landrat bestätigte den Esslingern, dass sie mit dem Kongresszentrum das Profil ihrer Stadt stärken. Von Luxus könne keine Rede sein. Die Stadt und der Kreis bräuchten einen solchen Ort, um sich im Wettbewerb der Standorte behaupten zu können.

Mit Friedrich Schiller hielt es Theodor M. Strauch, der Geschäftsführer der Firma Public Consult. Der Bauherr, der mit der Stadt einen Mietvertrag über 30 Jahre abgeschlossen hat, fand beim Dichterkönig für den Abbruch der alten Stadthalle und die Neubauten passende Anleihen. "Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen", zitierte er. Das neue Leben in der Oststadt fügt sich laut Investor mit "frischem und farbenfrohem Gestus optimistisch in die Tradition ein" und führt die hohe Baukultur zugleich fort.

Die Komplimente für eine wegweisende Lösung galten vor allem den Architekten Dieter Raichle und Bernd Lederle. Die Adressaten reagierten mit Bescheidenheit. Lederle behauptete, "die Topografie und das Stadtgefüge haben uns den Entwurf diktiert", während Raichle den Blick auf die Baukosten lenkte. Sie würden "im unteren Bereich für Hallen- und Hotelbauten" liegen. Wenn Gisela Arnold-Schäfer die Stimmung richtig einschätzt, dürften sich weite Teile der Bevölkerung von der Begeisterung schnell anstecken lassen. Die Vorsitzende der Bürgerausschüsse versprach, "die Esslingerinnen und Esslinger werden nicht mit Beifall sparen für die wohlgelungene Komposition."