Lokales

Viel "theaterwirksamer Zündstoff"

Heute abend um 19.30 Uhr ist die Kirchheimer Stadthalle "Außer Kontrolle". Mit diesem Stück von Ray Cooney beschließt der vhs-Kulturring die Theatersaison 2004. Für das neue Jahr hat Kulturringleiter Gerhard Fink aber bereits wieder alles "unter Kontrolle". Das Programm mit Stücken aus allen Epochen der Neuzeit bezeichnet er als "Leckermäulchen-Spielplan".

ANDREAS VOLZ

Anzeige

KIRCHHEIM Ein Schwerpunkt des Kulturring-Theaters 2005 ist der Dreißigjährige Krieg. Mit Schillers "Wallenstein" hat die Württembergische Landesbühne zum 200. Todesjahr des Dichters einen "klassischen" Klassiker im Reisegepäck, wenn sie am 27. September in die Kirchheimer Stadthalle kommt. Und vier Wochen später am 25. Oktober bringt das Esslinger Ensemble dann den "modernen" Klassiker Bertolt Brecht und seine "Mutter Courage" mit. Der lange Krieg wird auf der Bühne also aus zwei Perspektiven beleuchtet, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Dennoch dürften sich Schillers Schilderung vom Schicksal eines der mächtigsten Kriegsherren und Brechts Blickwinkel, der die Geschicke der kleinen Leute ins Visier nimmt, ideal ergänzen.

Einen weiteren "Doppelpack" bringt der Kirchheimer Kulturring Ende Juli auf die Bühne, allerdings nicht in der Stadthalle. Gespielt wird auf der Marstallwiese. Der Kulturring-Beitrag zur Kirchheimer Open-Air-Veranstaltungsreihe besteht zum einen aus einer Dramatisierung von Victor Hugos "Glöckner von Notre Dame", für die am 26. Juli ebenfalls die WLB verantwortlich zeichnet. Außerhalb des Theater-Abonnements gastiert dann am Freitag, 29. Juli, das Herxheimer Chawwerusch-Ensemble auf der Freiluftbühne. Das Stück "Die Komödiantin" dreht sich um die Theaterprinzipalin Caroline Neuber und ihre Wandertheatertruppe aus dem 18. Jahrhundert.

"Theaterwirksamen Zündstoff" verspricht sich Gerhard Fink auch gleich zum Auftakt der neuen Saison, wenn das Landestheater Tübingen am 1. Februar Ben Jonsons "Volpone" aufführt. Die Komödie des Zeitgenossen von Shakespeare um die makabre Freude an der Gier der Erbschleicher sieht der Kulturring-Chef "auf einer Ebene mit den großen Stücken der Weltliteratur".

Die weiteren drei "Hochkaräter" der kommenden Spielzeit sind allesamt Werke des 20. Jahrhunderts. "Die Nacht des Leguan" bricht am 19. April in Kirchheim an. Die Atmosphäre der 50er-Jahre, die bei Tennessee Williams herrscht, bezeichnet Gerhard Fink als ausgesprochen "reizvoll" auch oder gerade weil sie aus heutiger Sicht bereits etwas fremd wirke. Ein Problem der Epoche sieht der "Kirchheimer Theaterprinzipal" vor allem darin, dass sie noch nicht alt genug ist, um bereits richtig anerkannte Klassiker hervorgebracht zu haben. So werde auch die "Nacht des Leguan", die das Tübinger Landestheater präsentiert, bislang eher selten gespielt.

Auf das erste von zwei Stücken, mit denen die Badische Landesbühne Bruchsal Station in Kirchheim macht, trifft diese Aussage dagegen überhaupt nicht zu. Dario Fos sozialkritische Farce "Bezahlt wird nicht" sei der "Renner" unter den Bühnenwerken des italienischen Nobelpreisträgers und eines der meistgespielten Werke weltweit, weiß Gerhard Fink zu berichten, dem die Vorfreude auf den 3. Mai bereits anzumerken ist: "Das Stück ist laut und aggressiv aber umwerfend komisch."

Wie am heutigen Dienstag beschließen die Bruchsaler auch am 29. November 2005 die Saison. Wer mit dem Autorennamen Colin Higgins nichts anfangen kann, dem hilft vielleicht der Titel "Harold und Maude" auf die Sprünge. Das Stück um die Beziehung eines 20-jährigen Außenseiters zu einer 79-jährigen Außenseiterin ist nicht nur auf der Bühne generationenübergreifend. Folgerichtig gehört es zusammen mit Dario Fo, Victor Hugo und einer Theaterfahrt nach Esslingen zum Gesamtpaket des Jugendabonnements 2005.

Die Konzertreihe des Kulturrings wird im neuen Programm als "stark sinfonische Saison" angekündigt, auch wenn am 14. Januar erst einmal ein Duo in die Stadthalle kommt: Zwei Meisterinterpreten, der junge Geiger Linus Roth und sein Klavierpartner Jochen Ferber, spielen unter anderem Werke Werke von Faure, Skrjabin, Paganini und Brahms.

Am 20. Februar eröffnet das Schwäbische Kammerorchester unter der Leitung von Matthias Baur den sinfonischen Reigen mit Mendelssohns "Schottischer". Außerdem steht Chopins e-Moll-Klavierkonzert auf dem Programm, dessen Solopart Lokalmatador Julian Gulden übernimmt. Am 5. März geht es Schlag auf Schlag weiter mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen unter Norichika Iimori und dem Pianisten Matthias Kirschnereit. Gespielt werden unter anderem Brahms' Klavierkonzert in d-Moll und Beethovens 5.

Symphonie.

Diverse "Tänze" führt Gudni A. Emilsson mit dem Tübinger Kammerorchester auf, denen im Abonnementkonzert am 17. April noch Mozarts Violonkonzert D-Dur KV 218 mit der Solistin Susanna Henkel folgt. "Sommerlich leicht" geht es Gerhard Fink zufolge am 3. Juli zu, wenn Adreana Kraschewski und Christoph Pohl, am Klavier begleitet von Tobias Krampen, unter dem Titel "Von Wien bis New York" Arien und Duette aus bekannten und weniger bekannten Opern singen.

Kammermusik bieten das Leipziger Bläserquintett am 18. September sowie die Pianistin Natalia Strelnikova, die am 9. Oktober unter anderem Prokofjews 3. Klaviersonate spielt. Für den Abschluss des Kulturring-Konzertprogramms 2005 sorgen am 19. November die Stadtkapelle Kirchheim, die Stuttgarter Choristen sowie die Vokalsolisten Isabelle Müller-Cant, Ibolya Verebics, Robert Morvai und Christoph Sökler. In der Martinskirche führen sie das Requiem von Frigyes Hidas auf für Gerhard Fink eine "eingängige, schöne Komposition, obwohl die Moderne nicht geleugnet wird".