Lokales

Viel Vergnügen mit "frechen Fußballfreunden"

KIRCHHEIM Gute Kinder- und Jugendbücher zu schreiben ist die Grundvoraussetzung dafür, sich erfolgreich im gut gefüllten Haifischbecken im Kreis konkurrierender Kinder- und Jugendbuchautoren tummeln und vor allem auch behaupten zu können.

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WOLF DIETER TRUPPAT

Fast noch wichtiger für den Erfolg eines Kinder- und Jugendbuchautors ist freilich, sich und sein Produkt auch gut verkaufen und vor allem auch Lust aufs Lesen wecken zu können.

Ulli Schubert ist auf diesem Gebiet zweifellos ein Profi. Statt seine jugendliche Kundschaft mit allen möglichen Verführungskünsten und psychologischen Tricks zu ködern, greift er zu viel einfacheren, ehrlicheren und damit umso wirkungsvolleren Mitteln: Er spricht ihre Sprache und er nimmt sie ernst, ohne sich anzubiedern, er hat ein klar strukturiertes Präsentationskonzept und ist doch ungemein spontan, schlagfertig und flexibel. Alles wirkt so, als würde er tatsächlich nur improvisieren und sich ausschließlich von seiner guten Laune und den schließlich nicht selbstverständlich zu erwartenden Impulsen der Kinder leiten lassen.

Nach einer Lesung am Vortag in Berlin absolvierte Ulli Schubert am Vormittag in Schlierbach und Bissingen zwei eindrucksvolle Schulbesuche und war dann am Nachmittag in der Kircheimer Buchhandlung Margot Schieferle in der Wellingstraße zu Gast, wo er sein jugendliches Publikum genauso begeisterte, wie die zur Lesung gekommenen Erwachsenen.

1958 in Hamburg geboren, bringt das "Nordlicht" Ulli Schubert nicht unbedingt ideale Voraussetzungen mit, schwäbische Schulkinder gleich im Sturm zu erobern. Da er einst nicht nur aktiv Kind, sondern auch schon Lastwagenfahrer, Hafenarbeiter und Schlafwagenschaffner war, bevor er Erzieher wurde und mehrere Jahre in einem Jugendzentrum arbeitete, hatte Ulli Schubert schon viele Gelegenheiten, Menschen und ihre Verhaltensweisen im Allgemeinen und vor allem Kinder und Jugendliche in unterschiedlichsten Situationen zu erleben und kennen zu lernen. Als begeisterter Fan des 1. FC Sankt Pauli, der gerne ins Kino und zum Tanzen geht oder sich mit Freunden trifft, um Billard oder Darts zu spielen, hat der erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautor schon als Sportreporter für Zeitungen und für den Rundfunk gearbeitet und auch schon Kritiken über Kinder- und Jugendbücher verfasst.

Wie er selbst sich Kinder- und Jugendbücher vorstellt, hat Ulli Schubert inzwischen deutlich aufgezeigt. Auf fast 60 Titel hat er es schon gebracht und leidet dennoch darunter, wenn eines seiner Bücher nicht mehr neu aufgelegt wird.

Dass ihm seine eigenen Geschichten gefallen und er sie gerne und gut erzählt, sorgt für angenehmen und unangestrengten Frontalunterricht, der kurzweiliger und abwechslungsreicher nicht sein könnte. Sehr geschickt überprüft Ulli Schubert mit gezielten Fragen an sein Publikum dann auch immer wieder, ob er an den entscheidenden Stellen tatsächlich so weiter geschrieben hat, wie die Kinder sich das erhoffen.

"Scherben, Dreck und eine Chance" ist das Kapitel überschrieben, mit dem er seine Lesung beginnt und damit zugleich seine erfolgreiche Reihe über die "frechen Fußballfreunde" als Wunschlektüre empfehlen kann. Schließlich wollen jetzt ja vermutlich alle wissen, wie die Geschichte von Timo weitergeht . . .

Nachdem Timo eine teure Vase kaputt gemacht hat, für die er wohl die nächsten 20 Jahre sein Taschengeld ansparen muss, wird er von ein paar Jungs als idealer Vereins-Torwart entdeckt. Obwohl er völlig verdreckt nach Hause kommt, scheint seine herbei geträumte Fußballkarriere nicht wirklich durch den elterlichen Zorn gefährdet und sein finanzieller Ruin auch noch nicht endgültig besiegelt zu sein. Das Zauberwort "Versicherung" lässt schnell Hoffnungen aufkeimen, dass er von seinem schon lange angesparten Taschengeld statt eine Vase ersetzen zu müssen sich vielleicht doch das "tolle Fußball-Sammelalbum" leisten kann. Lesend, erzählend und immer wieder die begeistert mitgehenden Kinder einbeziehend, verstand es Ulli Schubert ausgezeichnet, sich und seine Fußballgeschichten gut zu verkaufen. Die vielen Fragen, die ihm die Kinder stellten, beantwortete er ebenfalls ehrlich und gewissenhaft. Dass er fast alle dieser Fragen auf seinen vielen Lesereisen immer wieder beantwortet hat, war ihm nicht anzumerken, unter www.ulli-schubert.de können aber die zehn am häufigsten an ihn gerichteten Fragen nachgelesen werden.

Am "gut gedeckten Tisch" mit all seinen Fußball-Büchern sitzend, verteilte Ulli Schubert am Ende der Lesung seine Autogrammkarten und vergaß nicht einmal, dafür zu sorgen, dass auch das Mädchen, das früher hatte gehen müssen, eine bekommt.