Lokales

Viel Zoff in öffentlichen Bussen und drum herum

Raue Sitten in den öffentlichen Bussen und Eltern, die sich finanziell ungerecht behandelt fühlen, beschäftigen die Rohräckerschule auf dem Esslinger Zollberg. Beide Punkte hängen mit dem Sparkurs des Landkreises zusammen.

ROLAND KURZ

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ESSLINGEN Weil der Landkreis jetzt von allen Grundschülern für die Busfahrten Eigenanteile von 23 oder 29 Euro verlangt, sind auch Sonderschüler betroffen. Körperbehinderte und geistig behinderte Kinder sind ausgenommen. Für ihre Förderschüler auf dem Zollberg ist die Stadt Esslingen als Schulträger eingesprungen. Bleibt noch die Schule für Sprachbehinderte. 169 Schüler hat Rektor Martin Schutz unter seinen Fittichen. Sehr schwer behinderte Schüler zahlen auch jetzt nichts. Nur für 67 Sprachheilschüler werden Eigenanteile verlangt.

Deren Eltern fühlen sich ungerecht behandelt, zum Teil auch finanziell überfordert. "Die Eltern sehen das als Zwangsgeld", sagt Rektor Schutz. Die Kinder seien auf Grund eines Gutachtens auf die Sonderschule geschickt worden. Zum Busgeld kommen die Kosten für das Mittagessen noch dazu. Für die Eltern, vorwiegend Migranten und häufig mit drei, vier, fünf Kindern gesegnet, summieren sich diese Ausgaben, weiß Rektor Schutz.

Bei einem Gespräch zwischen Kreisverwaltung und Rektoren ließ Kreisdezernent Kurt Fauser nicht alles so stehen. Die Ganztagesschule sei schließlich auch ein Angebot für die Eltern. Der Kreis könne doch nicht als Verkehrsträger Anteile kassieren und sie als Schulträger wieder erstatten, wehrte sich Fauser, dem Beispiel der Stadt Esslingen zu folgen.

Wolfgang Eiberger, Rektor der Förderschule, erhob Einspruch: Als die Sprachheilschule 1975 gegründet worden sei, habe man zugesagt, die Schüler kostenlos im gleichen Bus zu befördern. Innerhalb von 30 Jahren habe sich manche Richtlinie geändert, konterte Fauser. Eine spezielle Problemgruppe sieht Eiberger bei den Kindern, die von der Stadtmitte oder von der Weststadt auf den Zollberg hoch laufen sollten, weil die Wohnung weniger als drei Kilometer von der Schule entfernt liegt. Das sei nicht zumutbar. Manche Eltern müssten deshalb für bis zu fünf Kinder Eigenanteile bezahlen. Das mache einige hundert Euro im Jahr aus. Diese Kosten seien durch Sozialleistungen für Kinder abgedeckt, sagte Fauser.

Die Rektoren versuchten, den Bürokratieaufwand den Einnahmen gegenüber zu stellen. Mit 20 000 Euro könne man den Ärger vermeiden. Reiner Neckernuss, im Landratsamt für ÖPNV zuständig, rechnete anders: Für 45 000 Euro Einnahmen lohnen sich 10 000 Euro Aufwand. Nachdem der Landkreis möglichst viele Schüler von den teuren Auftragsfahrten zu den öffentlichen Bussen gelenkt hat, verschärfte sich ein Konflikt. Schüler, die sowieso verhaltensauffällig sind, legen am Ende der Ganztagesschule so richtig los, berichtete Rektor Wolfgang Eiberger.

Busfahrer müssten anhalten, weil es hinten zu wild zugeht. Laufend kämen Schüler zu ihm, weil ihnen ein Loch in den Kittel gebrannt oder ein Zahn wacklig geschlagen wurde, berichtet Martin Schutz. Eltern sähen das alles zusammen, meint er. Und Eiberger ergänzte: "Ich bin seit 29 Jahren hier. So eine Dynamik habe ich noch nie gehabt. Der ÖPNV ist für viele Schüler schlichtweg eine Überforderung."