Lokales

"Viele Brummi-Lenker legen sich einfach schlafen"

"Der nächste Winter kommt bestimmt", das ist sicher. Nicht sicher ist allerdings der Termin. Doch die Polizei und die Winterdienste sind gerüstet, die "Sandkastenspiele" beendet, erzählt der Leiter des Autobahnpolizeireviers Mühlhausen, Wilhelm Holl, in einem Gespräch mit der Presse. Schließlich handelt es sich bei dem Autobahnabschnitt zwischen Wendlingen und der bayerischen Landesgrenze um den schwierigsten Abschnitt in ganz Baden-Württemberg.

RUDOLF STÄBLER

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MÜHLHAUSEN Rechtzeitig vor den ersten Schneeflocken in den Landkreisen Esslingen und Göppingen und damit auf der wichtigsten "West-Ost-Achse, der Autobahn A8, haben sich wie jedes Jahr Polizei und Winterdienste zur traditionellen Winter-Dienstbesprechung zusammengesetzt. Was die Autobahn betrifft, sind nach Aussage des Ersten Polizeihauptkommissars Wilhelm Holl von seinen Beamten rund 65 Kilometer Straße von Wendlingen bis Ulm-Ost durch drei Landkreise mit einer teils sehr schweren Streckenführung zu berücksichtigen. Gemeint sind dabei der erste Anstieg am Aichelberg, der Albaufstieg und eine enge und kurvenreiche Gefällstrecke in der Gegenrichtung dem Drackensteiner Hang sowie die Albhochfläche auf mehr als 700 Metern über Meereshöhe. Gestützt auf die Erfahrungen des letzten langen Winters wurden wieder Schwerpunkte gesetzt und Absprachen zur Vermeidung von Staus oder gar Blockaden getroffen.

Für Wilhelm Holl, seit elf Jahren schon in Mühlhausen tätig, eigentlich fast schon Routine. Doch er weiß, dass der nächste Winter wieder neue Überraschungen bringen kann und sieht auch Probleme mit der derzeitigen großen und engen Baustelle auf Gemarkung Gruibingen. "Ein absoluter Engpass, wenn da einer liegen bleibt, ist das absolute Chaos vorprogrammiert." Pro Stunde Stau, so rechnet der Beamte vor, ergibt sich ein bei einer Richtungsfahrbahn von zwei Spuren ein Rückstau von rund acht Kilometern und pro Kilometer Stau geht man von 200 Autoeinheiten aus. Holl denkt dabei auch an den wirtschaftlichen Schaden und hat auch hier die entsprechenden Zahlen zur Hand. Zusätzliche Kosten, sogenannte Zeitkostensätze, so wurde errechnet, ergeben pro Personenwagen 5,62 Euro, bei einem Lkw steigt das auf 21,47, bei einem Sattelzug oder Lkw mit Hänger steht man bereits bei 30,68 und bei einem Bus summiert sich das auf die stolze Summe von 63,91 Euro.

Keine Angst hat man in Mühlhausen vor dem Winter, verkennt aber dabei nicht, dass sich Staus im Sommer durch ein besseres Agieren der Polizei schneller auflösen lassen als im Winter. So empfiehlt Holl immer, im Stau eine Lücke zum Vordermann zu lassen. Ein Anfahren werde bei zu dichtem Auffahren sehr schwierig, meist sogar unmöglich. "Ein querstehender Lastwagen macht uns alles zu." Kein Wunder, wenn man weiß, dass sich auf diesem Autobahnabschnitt täglich 68 000 "Einheiten" bewegen und davon sind lediglich 15 000 Personenwagen. Diese Zahlen werden durch Induktionsstreifen in der Fahrbahn ermittelt. Und Holl weiß zu berichten, dass jegliche Zunahme der Verkehrsdichte auch die Unfallwahrscheinlichkeit deutlich erhöht.

Primäre Aufgabe der Polizei sei, so der erfahrene Beamte, den Verkehr flüssig zu halten. So hat man in Mühlhausen die Möglichkeit, direkt in der Verkehrsablauf einzugreifen. Da wird in kritischen Situationen durch die sogenannten Verkehrsbeeinflussungsmaßnahmen an den Schilderbrücken schon mal schnell ein Überholverbot für Lastwagen eingegeben. Damit würden unnötige Überholvorgänge der Fahrer ausgeschaltet. Überhaupt hat er so seine Probleme mit den Brummi-Fahrern. "Die fahren so lange bis es nicht mehr geht, bei Schneeglätte oder Eis, da hält nicht ein Einziger schon vorher." Und aus seiner langjährigen Erfahrung kann der Revierleiter auch aus dem Nähkästchen plaudern: "Wenn dann gar nichts mehr geht, bleiben die einfach auf einer Fahrbahn stehen und legen sich in ihre Kojen zum Schlafen. Meine Kollegen müssen dann von Lastwagen zu Lastwagen, um die Fahrer zu wecken." Dass in einer solchen Situation nichts mehr geht ist klar.

Obwohl man durch verschiedene Besprechungen die Problematik in den Griff bekommen will, hat selbst Wilhelm Holl noch so seine Bedenken. Zwar werden die Durchgangsfahrbahnen von den Winterdienstlern möglichst schnell geräumt, aber bei einem größeren Stau hat die Polizei kaum Ausleitungsmöglichkeiten. Der Verkehr bewegt sich nicht mehr und das ausgestreute Salz bleibt nahezu ohne Wirkung. Und dann wollte er nochmals etwas "Dampf" ablassen. Die privaten Staumelder sind ihm ein Dorn im Auge, "die Radiosender übernehmen das meist ungeprüft."

"Wenn in einer Stunde das Problem nicht gelöst ist, dann wird es kritisch". Und den Räumfahrzeugen wird nach der Erfahrung der Polizisten kaum einmal Platz gemacht. " Erst wenn wir mit Blaulicht eingreifen, funktioniert das." So ist die Autobahnpolizei bei entsprechender Wettersituation auch ständig nachts unterwegs, um die Autobahnmeisterei zu informieren.