Lokales

Viele Firmen stellen keine über 50-Jährigen ein

Mit einer erfreulichen Mitteilung konnte Heidrun Schulz, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Göppinger Arbeitsagentur das Gespräch mit dem Kirchheimer Bundestagsabgeordneten Michael Hennrich (CDU) eröffnen: Die positive Entwicklung der Arbeitslosenzahlen setzt sich auch im August weiter fort. So betrug die Arbeitslosenquote im Bezirk Göppingen im letzten Monat 5,5 Prozent und damit 0,6 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr.

NÜRTINGEN Michael Hennrich zeigte sich ebenso wie Heidrun Schulz und der Leiter der Nürtinger Arbeitsagentur Harald Oßwald erfreut über die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Trotzdem sei die Situation insgesamt natürlich keineswegs befriedigend. 22 000 Arbeitslose seien weiterhin eine große Herausforderung und es müsse gelingen, diesen Menschen wieder eine Arbeitsperspektive zu verschaffen.

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Schulz bewertete die Einrichtung eines Agenturbüros auf dem Flughafengelände rundweg positiv. Die am Flughafen ansässigen Unternehmen nutzen die kurzen Wege zu diesem Büro intensiv. Da Stellenbesetzungen auch mit überregionalen Arbeitskräften möglich sind, profitieren sowohl die Arbeitslosen im näheren Umfeld als auch in den angrenzenden Regionen. Mit der neuen Landesmesse erhalte das Agenturbüro dann noch eine zusätzliche Attraktivität, insbesondere bei Arbeitsplätzen im Dienstleistungssektor.

Bei seinem zweiten Besuch in einer Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit Göppingen in diesem Jahr konnte sich Hennrich ein Bild von der Neuorganisation in den Arbeitsagenturen machen. Durch die kundenorientiertere Gestaltung und optimierten Abläufe profitieren Arbeitnehmer von kürzeren Wartezeiten und einer schnellen Bearbeitung ihrer Anliegen. Arbeitgebern stehen speziell für alle Belange rund um Stellenbesetzungen eingesetzte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung.

Auf die Frage von Michael Hennrich, ob die Politik Förderinstrumente, die den Arbeitsagenturen zur Verfügung stehen, noch zu eng fasst, plädierte Heidrun Schulz für eine Ergebnisbindung. Die am Arbeitsmarkt frei einsetzbaren Mittel könnten als Gesamtbudget zur Verfügung stehen, das jede Agentur vor Ort so einsetzt, dass vorher vereinbarte Integrationsziele erreicht werden. Hennrich schloss sich dieser Haltung an: "Nicht überall herrschen dieselben Bedingungen, und was im ländlichen Raum richtig sein kann, ist in einer industriell geprägten Region wie der unseren vielleicht bereits eine Fehlinvestition."

Harald Oßwald von der Nürtinger Agentur lobte die bereits heute schon geltende Praxis: "Die Nürnberger Leitung lässt uns Spielräume für eigene Programme." Oßwald sieht auch die Gefahr, dass der Mitnahmeeffekt bei einem zu freien Mitteleinsatz größer werde. Entscheidend sei, dass die Fördermittel zielgerichtet eingesetzt werden, um beispielsweise Langzeitarbeitslose oder ältere Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Ein weiteres Thema der Ge-sprächspartner war die aktuelle Situation auf dem Ausbildungsmarkt. Nach dem Anfang September begonnenen Ausbildungsjahr und der sich abzeichnenden schwierigen Situation am Ausbildungsmarkt müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um jungen Menschen den Weg in eine Berufsausbildung zu erschließen. Durch die stetig ansteigenden Anforderungen im Berufsleben werde es zunehmend schwierig für Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Der Bundestagsabgeordnete kündigte für Herbst eine Initiative der Bundesregierung zur verstärkten Förderung von älteren Arbeitslosen an. Hennrich: "Heute schon beschäftigt jedes zweite Unternehmen keinen Arbeitnehmer mehr, der älter als 50 Jahre alt ist. Hier brauchen wir spezielle Anreize und Förderprogramme, um diesem unguten Zustand abzuhelfen."

In diesem Zusammenhang sei derzeit von einem Kombilohn-Modell für Ältere ebenso die Rede wie spezielle Eingliederungszuschüsse für Arbeitgeber, die ältere Arbeitslose einstellen sowie Fördermaßnahmen zur beruflichen Weiterbildung. Dabei müsse klar sein, dass staatliche Hilfen ohne die Bereitschaft der Tarifpartner und der betroffenen Arbeitnehmer, selbst in die Weiterbildung zu investieren, nur unzureichend blieben.

pm