Lokales

"Viele leiden unter der Stigmatisierung"

Als "fehlgeleitet" bezeichnet die Liga der freien Wohlfahrtspflege im Landkreis Esslingen die aktuelle Debatte zu Hartz IV.

KREIS ESSLINGEN "Es wird der Eindruck erweckt, als ob die gestiegenen Kosten durch einen massenhaften Anstieg des Missbrauchs entstanden sind. Dafür gibt es aber keinerlei gesicherte Erkenntnisse", betont Michael Buck, Vorsitzender der Liga im Kreis Esslingen.

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Das Fallmanagement sei nach wie vor ungenügend. Zudem nähmen heute viele Geringverdiener ihre gesetzlich verbrieften Ansprüche auf ergänzendes Arbeitslosengeld II wahr. "Dies aber als Missbrauch zu bezeichnen, ist unlauter", so Buck. Früher hätten Geringverdiener oftmals aus Scham auf ergänzende Sozialhilfe verzichtet oder diese aus Unkenntnis nicht beantragt.

In die Beratungsstellen der Liga der freien Wohlfahrtspflege im Landkreis Esslingen kommen viele langzeitarbeitslose Menschen, deren größter Wunsch es ist, einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen. Die meisten suchen seit Jahren eine Arbeit und haben kaum die Mittel, um wenigstens einigermaßen über die Runden zu kommen. Viele leiden massiv unter der Stigmatisierung, der sie als "Hartz-IV-Empfänger" ausgesetzt sind.

Schon jetzt gebe es die Möglichkeit, empfindliche Sanktionen für Arbeitslose zu verhängen, die eine zumutbare Arbeit ablehnen. Die Vorstellung, man könne die Langzeitarbeitslosigkeit durch eine weitere Verschärfung der Sanktionen bekämpfen, ist aus Sicht der Liga irrig. Wichtiger sei, die Förderung, Beratung und existenzielle Absicherung zu verbessern.

Die Liga der freien Wohlfahrtspflege im Landkreis Esslingen appelliert an alle verantwortlichen Menschen, der Stigmatisierung Langzeitarbeitsloser und ihrer Familien entgegenzutreten und für eine Sozialordnung einzutreten, die allen Menschen, unabhängig davon, was sie zu leisten im Stande sind, ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. "1,7 Millionen Kinder in Deutschland, die auf Sozialhilfeniveau leben müssen, leiden unter der derzeitigen Debatte besonders."

Zentrales Problem ist und bleibt die hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland. Speziell im Bereich der "einfachen Tätigkeiten" werden immer mehr Arbeitsplätze ins Ausland verlagert. Deshalb plädiert die Liga der freien Wohlfahrtspflege im Landkreis Esslingen für eine aktivere Beschäftigungspolitik durch Politik und Wirtschaft, inbesondere für diese einfachen Tätigkeiten.

pm