Lokales

Viele musikalische Glanzpunkte gesetzt

Besondere Ideen und Kreativität aus dem zurückliegenden Arbeitsjahr präsentierte der Musikverein Neidlingen bei seiner Winterunterhaltung auf eindrückliche Weise. Begeistert aufgenommen haben Gäste und Freunde der Blasmusik ebenso die Qualität des Klangkörpers wie auch das ausgewählte Programm.

NEIDLINGEN Alljährlich vertieft die musikalische Winterunterhaltung als eine der ersten größeren Veranstaltungen im noch jungen Jahr in der Reußensteinhalle das besondere Flair, die wohltuende Atmosphäre und die natürlich gewährte Gastfreundschaft zu einem Genuss für alle. Draußen winterliche Temperaturen, drinnen immer wieder neu gestaltete frühlingshafte Dekoration mit deutlichem Schwerpunkt grün-weiß und damit bewusst die Farben im Gemeindewappen von Neidlingen, eine Hinführung zu den zu erwartenden musikalischen Glanzpunkten.

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Mit "The Champions" von Brian Connery gelang der 15-köpfigen Jugendgruppe ein flotter Auftakt, gefolgt vom "School Supplies Rock" von Viktor Lopez, der durch seine auffallend unterschiedlichen Rhythmen den Jugendlichen sehr viel und gekonntes Taktgefühl abverlangte. Beim "Driving Test" von Luigi di Ghisallo stellte Till Adam als Jung-Schlagzeuger solistisch überzeugend sein Können vor. Es quillt die Musizierfreude aus allen Instrumenten der Gruppe und Thomas Kuch, nachhaltig unterstützt von Ehefrau Karolin, ist als Ausbilder und Leiter der Jugendkapelle seit Jahren ein zielstrebiger und ergebnisorientierter Partner. Sehr erfreut ist der Musikverein darüber, dass von der Jugend zur Stammkapelle Übertretende Nachwuchssorgen entbehrlich machen. Anhaltender Applaus förderte eine gern gewährte Zugabe, die Thomas Kuch mit seinem neu geschenkten Dirigentenstab seiner jungen Mannschaft dirigieren durfte.

Vorsitzende Claudia Bayer konnte neben Publikum aus nah und fern eine Reihe von Ehrengästen namentlich begrüßen. Sie verhehlte nicht, dass die Winterunterhaltung einen Höhepunkt der Blasmusik darstelle und die Freude an der Musik einem breiten Publikum mitzuteilen ein wichtiges Vereinsanliegen sei.

Das nahezu eineinhalbstündige musikalische Unterhaltungsprogramm der 40 aktiven Musiker in der Stammkapelle hat mit dem "Drina-Marsch" von Stanislav Binicki fulminant begonnen und die Qualität des Klangkörpers unterstrichen. Dirigent Frank Zuber, Deizisau, war es gelungen, seine Musiker ausdrucksstark spielen zu lassen und auch in den heißesten Phasen jegliche Distanz zwischen Zuhörern und Musikern zu vermeiden. Wiederum gelang es Nicole Wagner trefflich, jedes Musikstück individuell und farbbetont dem Publikum anzukünden.

Eine Reise ins Nachbarland Polen gelang Alfred Bösendorfer mit der vielseitigen und ausdrucksstarken "Mazury Rhapsody". Andächtiges, fast Choralhaftes, bestimmt eine Polonaise, ändert sich zum Tanz, zum Galopp, zur eleganten Mazurka, um danach wieder zur Polonaise zurückzufinden. Ein "Hoch dem Schöngesang" widmet der gleiche Komponist der "Viva Belcanto", bei der fünf bekannte Weisen aus Italien zum Mitsummen animierten und vor allem den Klarinetten einen fühl- und hörbaren höchsten Einsatz abverlangten. Mit der Konzertpolka "Prager Gassen" von Jaroslav Zeman unterstrichen Dirigent und Musiker einmal mehr ihre Liebe zum Polka-Spiel. Dass gerade dieses Stück eine Reihe von technischen wie rhythmischen Schwierigkeiten beinhaltet, meisterte die Kapelle bravourös.

Den jeweiligen Komponisten gaben die Musiker die nötige Verve, so auch beim sich anschließenden "Matrimony" von Gilbert O'Sullivan, bei dem Thomas Kuch, Matthias Pill und Andreas Velten mit ihren Posaunen den Solopart übernommen haben und sich die solistische Erfahrung der drei Musiker gekonnt mit orchestralem Hintergrund verband. Ohrwurmkrabbeln ließ sich in den Gehörgängen bei der Jazzreise "Wild Cat Blues" von Th. Waller/C.Williams feststellen. Bei diesem Solostück bewies Bianca Schmidbauer ihren virtuosen Umgang mit der Klarinette.

Mit der Filmmusik zu "Findet Nemo", dem Stück "Beyond the Sea" von Robbie Williams führte Frank Zuber sein Ensemble in aufgewühlte Gewässer und kokettierte dabei mit dem größten Korallenriff der Erde vor der Ostküste Australiens. Immer wieder drückte das Publikum durch Mitklatschen zu den Kompositionen seine Verbundenheit aus und entspannt nahm man die humoristische Einlage von Markus Gabler und Gerd Hepperle als musikalisches "Schleifpapier-Ballett" auf, wie auch das Hochzeitsständchen für Musiker Matthias Pill und seine Angetraute Kathrin, bei dem Sabine Hepperle und Frank Zuber solistische Akzente setzten. Lang anhaltender Applaus hat bekanntlich Folgen, und so konnten die Spieler ohne Zugaben, bei denen Fritz Hitzer und Hans-Dieter Schumann als Gesangssolisten agierten, nicht abtreten.

Gibt es einen schöneren Rahmen für Ehrungen? Georg Frank aus Notzingen, Präsidiumsmitglied des Blasmusikverbands Esslingen, würdigte die aktive Tätigkeit zur Förderung der Musik und überreichte die Ehrennadel in Gold für 30-jähriges Musizieren an Michael Kuch, Rainer Ruoß, Roland Ruoß und Jürgen Spengler, die anschließend als vom Musikverein frisch ernannte Ehrenmitglieder die Bühne verließen. Die silberne Ehrennadel erhielten Andreas Wolf für 20 Jahre und Matthias Pill die bronzene für 10 Jahre Musikertätigkeit. Dankesworte der Vorsitzenden Claudia Bayer an jeden der Geehrten mündeten in der These "Musik spricht für sich allein".

Dirigent Frank Zuber bedankte sich für die an ihn gerichteten Worte zu seinem erfolgreichen Wirken und gab unter Beifall den Dank an "seine" Musiker weiter, aber sehr deutlich auch an ein äußerst diszipliniertes Auditorium.

Losverkauf, Bewirtung unter der vereinspartnerschaftlichen Regie des Turnvereins, gehören längst zum Programm wie ein Theaterstück. In der Inszenierung von Karl Rittmann führte die Gruppe heuer das schwäbische Mundartstück "D' Karriere-Emma" von Hans Blötscher auf. Birgit Schare, Markus Gabler, Karolin Kuch, Karl Rittmann und Gerd Hepperle sorgten letztendlich für ein "Ehe-Happy-End.

rr