Lokales

Viele Risiken

Auch die Landespolitik muss sich für die Zukunft der Ausbildung interessieren, steht für die SPD-Abgeordnete Carla Bregenzer fest. Mit der Landesvorsitzenden Ute Vogt lud sie Experten der beruflichen Bildung ins Garp-Bildungszentrum in Plochingen ein, um Anregungen und Defizite zu erfahren.

HANS-JOACHIM HIRRLINGER

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KREIS ESSLINGEN Die SPD hat sich ein 100 Millionen Euro dickes Sonderprogramm für zusätzliche Ausbildungsplätze ins Wahlkampfprogramm geschrieben, um den rund 30 000 Altbewerbern eine Lehrstelle zu verschaffen.

Was Vogt und Bregenzer erfuhren, sind eher Zustandsbeschreibungen und Defizite als Auswege: Der DGB beklagt, laut Wolfgang Jehle, die Bugwelle der Altbewerber und dass nur 28 Prozent der Betriebe auch ausbilden. 59 Prozent könnten das. Entlastung verspricht er sich von einer Ausbildungsabgabe, über die die berufliche Ausbildung bundesweit gefördert werden könnte. Selbst tarifliche Regelungen seien aber bisher weit gehend gescheitert.

Bernd Stockburger berichtet aus der Handwerkskammer Stuttgart: Unter der Decke der dualen Ausbildung rumort es. Aber die größten Defizite sieht er beim Sozialverhalten der Jugendlichen. Die oft mangelnde Ausbildungsbereitschaft der jungen Leute begründet er mit einer Bertelsmann-Studie: Viele haben Angst zu versagen. Er hoffe, dass Ganztagesschulen die sozialen Defizite auffangen können.

Hans Dörr, Rektor der Burgschule in Plochingen, weiß um diese Probleme in seinem Hauptschulbereich: Man kann Angebote machen, aber man kann die Schüler und ihre Eltern nicht zwingen. An den harten Kern von drei bis fünf Prozent der Problemschüler komme die Schule kaum heran. Wir könnten einen Schulpsychologen komplett beschäftigen. Dörr fordert von der Landespolitik, die Unterstützungssysteme in Form von Förder- und Stützunterricht zu stärken, statt sie zu schwächen. Dass Förderschüler kaum Aussicht auf Lehre und Beruf haben, macht Rektor Heribert Wolf aus Wendlingen deutlich.

Positives hören Ute Vogt und Carla Bregenzer auch: Volker Reichle beschäftigt 18 Menschen in seiner CNC-Graviertechnik in Bissingen. Unser Betrieb besteht fast nur aus Bundes- und Landessiegern. Das führt er nicht auf Schulnoten als Einstellungskriterium zurück, sondern unsere Lehrlinge müssen brennen, interessiert und engagiert sein. Und das fördert er auf den unterschiedlichsten Ebenen. Aber er beklagt eine desinteressierte Lehrerschaft.

Bernd Gutbrod (IHK) lobt den nationalen Ausbildungspakt und die hohe Erfolgsquote von 60 bis 75 Prozent für Lehrstellen nach Praktika. Ähnlich gute Erfahrungen machten Rektor Thomas Fischle an der Käthe-Kollwitz-Schule in Esslingen mit Praktika und Heinz Maisch (Garp) mit dem Berufsvorbereitungsjahr: Die Erfolgsquote, sagt Maisch, liege über 50 Prozent.