Lokales

Vielseitiger Organist mit Schwung und Elan

Nach der Wahl des neuen Bezirkskantors Ralf Sach im Juli ist der Organist und Chorleiter der evangelischen Kirchengemeinde gestern durch Dekan Hartmut Ellinger mit einem Segensspruch in sein neues Amt eingeführt und der Gemeinde vorgestellt worden.

MARIA GLOTZBACH

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KIRCHHEIM Festlich wurde gestern der Gottesdienst in der Martinskirche durch ein Orgelvorspiel von Sach eröffnet. "Heute feiern wir einen besonderen Gottesdienst", freute sich Dekan Ellinger. "Er wird durch zwei besondere Anlässe geprägt sein: die Taufe von zwei Kindern und der Amtseinführung von unserem neuen Bezirkskantor". Dabei wurde Sach noch eine kleine Verschnaufpause gegönnt, da sein katholischer Kollege Thomas Specker für die musikalische Begleitung sorgte sowie der Kirchenchor der Martinskirche und der Bläserchor der CVJM. Nach Gebeten, Predigt und Gesang wurde schließlich Sach von Ellinger hervorgebeten, sodass die Gemeinde den Organisten nicht nur hören, sondern auch sehen konnte. Für Sach eine willkommene Gelegenheit, eine kurze Ansprache zu halten. Dabei nutzte er auch die Situation, seine Familie vorzustellen und sich speziell bei seiner Frau zu bedanken für ihre Unterstützung, denn "hinter jedem starken Mann steht auch eine starke Frau". Ferner bedankte er sich bei allen Mitwirkenden des Gottesdienstes und grüßte vom Altar seinen Kollegen Specker an der Orgel. "Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit mit meinem katholischen Kollegen", verkündete der neue Bezirkskantor, bevor er seinen Segen von Dekan Ellinger erhielt.

Nach dem Gottesdienst wurde die Gemeinde schließlich zu einem Stehempfang im Chor der Martinskirche eingeladen, um die Amtseinführung zu feiern mit musikalischen Einlagen der Bläser der Stadtkapelle und des Kirchenchors.

Und dies bot Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker ebenso Gelegenheit wie dem Schulleiter der Musikschule, Thomas Arnold, der Vorsitzenden des Freundeskreises Kirchenmusik an der Martinskirche Weitbrecht, dem Vorsitzenden der Bezirkssynode, Werner Klein, und dem Vorsitzenden der evangelischen Gesamtkirchengemeinde, Reichel, Sach zu begrüßen und ihm Geschenke zu überreichen, wie ein Präsentkorb mit schwäbischen Spezialitäten von der Brezel bis zu den Spätzle. Dabei hoben alle Redner die wichtige Position des Kantors in der Gemeinde hervor, sowie seine kulturellen Aufgaben und übertrugen ihm die Verantwortung der Vorbildfunktion. Die Redner boten dem neuen Bezirkskantor ihre Kooperation und Unterstützung an. Zudem unterstrich Matt-Heidecker: "Die Kirchenmusik ist ein Bestandteil der Liturgie und darf nicht nur nebenher erklingen." Arnold als selbstbezeichneter "Reing'schmeckter" beruhigte Sach: "Ich habe gute Erfahrungen gemacht mit der Zusammenarbeit und der Anschluss wurde mir leicht gemacht." Dabei freut sich die Gemeinde bereits auf "die temperament- und schwungvolle Art und den Elan", verkündete die Vorsitzende der evangelischen Gesamtkirchengemeinde.

Ralf Sach wurde 1972 in Marl/Westfalen geboren. Er stammt aus einer Bergmannsfamilie. Seinen Eltern zu Liebe entschloss er sich zu einer Bankkaufmannslehre, um etwas "Bodenständiges" zu erlernen. Jedoch war die Musik von Kindesbeinen an ein steter Bestandteil seines Lebens, erstens durch die elterlichen Aktivitäten in der Kirche und zweitens bestand seine Mutter darauf, dass alle ihre Kinder ein Instrument erlernen sollten. So erhielt er im Alter von sechs Jahren Klavierunterricht und zwei Jahre später erprobte er sich dann an der Trompete.

Während seiner Schulzeit und seiner Lehre widmete er sich schließlich der Orgel. Nach dem Zuspruch seines Hochschulprofessors "Du hast Talent!" entschloss sich Sach zu einem Studium der Kirchenmusik, Klavier, Cembalo und Komposition. Er erhielt sofort Zusagen von Leipzig und Trossingen, entschied sich aber für die klösterliche Idylle auf der Schwäbischen Alb und konnte somit erste Einsichten in das Schwabenländle gewinnen. Sach sammelte bereits Erfahrung als Kantor, so hatte er in der Pauluskirche in Schwenningen sowie in Wiesbaden das Amt des Kantors inne. In seiner Arbeit beschränkt er sich jedoch nicht nur auf die Kirchenmusik, er arbeitet ebenso mit dem "europa vocale tübingen", mit dem Bach-Chor Schwenningen, dem Süddeutschen Konzertchor und der Rhein-Main-Kammerphilharmonie zusammen.

Für sein neues Amt als Bezirkskantor hat sich Sach vorgenommen, weltliche Oratorien in die Kirche zurückzuführen, da diese ihren Ursprung in der geistlichen Musik hätten. Ferner möchte er jungen Menschen alte Kirchenmusik und der älteren Generation zeitgenössische Musik näher bringen. Dabei will Sach neben seinen Vorhaben die Traditionen der Gemeinde fort- und weiterführen. Sach freut sich und ist gespannt auf seine neue Aufgabe, aber "ich habe ein nicht geringes Erbe anzutreten in der Martinskirche mit meinem Vorgänger Samuel Kummer", erklärte Sach. Doch Ellinger beruhigte: "Wir haben keinen Kummer mit anderen Namen und Sach muss nicht in die Schuhe des ehemaligen Kantors steigen."