Lokales

Vier neue Köpfe an Verwaltungsspitze

Im Weilheimer Rathaus ist der Generationswechsel auf der „Regierungsbank“ vollzogen

Im Jahr eins nach der Einweihung des neuen Weilheimer Rathauses weht ein frischer Wind in den Amtsstuben der Limburgstadt. Neben Bürgermeister Johannes Züfle haben heuer Stadtkämmerer Sascha Schneider, Hauptamtsleiter Marcel Launer und Stadtbaumeister Jens Hofmann auf Amtsleitersesseln Platz genommen.

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Anke Kirsammer

Weilheim. Mit dem Eintritt in den Ruhestand von Weilheims langjährigem Hauptamtsleiter Holger Nußbaumer zum Monatsende hat der letzte „Staffelläufer“ der Führungsmannschaft um Altbürgermeister Hermann Bauer den Stab an einen jüngeren Nachfolger übergeben.

Bereits seit 1. April sitzt Johannes Züfle auf dem Chefsessel. Moderat die Veränderungen, die der 29-Jährige seitdem vorgenommen hat. Das gilt für das Amtszimmer im historischen Rathaus: Nach wie vor wird der Raum vom schweren Eichenholzschreibtisch dominiert, auf dem bereits Vorvorgänger Georg Kandenwein Akten wälzte und Dokumente unterzeichnete. Modernisiert wurde das Büro bislang lediglich durch etwas leichtere Stühle, die sich um den Besprechungstisch gruppieren. Auch an der Aufgabenverteilung in der Verwaltung hat der „Neue“ in den ersten Monaten wenig gerüttelt. „Wir möchten erst mal sehen, wer wir sind und wo wir hin wollen und uns dann gut aufstellen“, erklärt Züfle die zurückhaltende Vorgehensweise. Geplant ist eine Organisationsentwicklung mit einem externen Berater. Ziel des Prozesses sind unter anderem präzise Leistungs- und Stellenbeschreibungen für alle 35 Mitarbeiter im Rathaus. „Auch die zweite Reihe muss wissen, wer wofür zuständig ist.“

Ebenfalls auf einen Partner von außen setzt Züfle bei dem großen Thema „Zukunftswerkstatt 2020“. Ein Anliegen ist dem Rathauschef, die Bürger mitzunehmen. „Wir wollen rausfinden, wie sie Weilheim sehen und was ihnen wichtig ist.“ Daraus könnten Projektgruppen entstehen. In den ersten Monaten seiner Amtszeit hat Züfle bereits themenbezogene Bürgerbeteiligungen veranstaltet: So je einen Infoabend zum Ausbau der Ortsdurchfahrt Hepsisau und zur Energiegenossenschaft, die am 25. November offiziell gegründet werden soll. „Was wir noch brauchen, sind Weilheimer, die ihr Know-how und ihre Ideen in Sachen alternativer Energien einbringen“, betont Züfle.

Investitionen werde die Stadt in naher Zukunft angesichts knapper Kassen und aufgrund des Projekts Lindach-Sporthalle mit Augenmaß tätigen müssen. „Richtig ist, in den Bereichen Bildung, Betreuung und Sport nicht zu kürzen“, so die Haltung des begeisterten Skiläufers. Geplant sind im Frühjahr die Erweiterung und der Umbau des Kindergartens Lerchenstraße. Dort sollen eine Kinderkrippe sowie eine Ganztagsgruppe eingerichtet werden. Auch das Thema Ganztagsschule brennt Züfle weiter auf den Nägeln. Damit habe sich auch der Gemeinderat im Rahmen einer Klausursitzung zum Thema Werkrealschule bereits auseinandergesetzt.

Bessere Zeiten hätte sich auch Stadtkämmerer Sascha Schneider für die Aufstellung seines ersten Weilheimer Haushalts gewünscht. Fixe Ausgaben und wegbrechende Einnahmen lassen den 30-Jährigen von einer „nicht gerade rosigen Haushaltssituation“ sprechen. „Wir hoffen auf die November-Steuerschätzung“, sagt der „Herr der Zahlen“, der sechs Jahre als stellvertretender Kämmerer der 5 600 Seelen-Gemeinde Dusslingen gearbeitet und in Weilheim Stadtkämmerer Reiner Philipp „beerbt“ hat. Mit der Betonung auf „Wir“ verweist Schneider auf die enge Zusammenarbeit mit Züfle. An seiner neuen Stelle hat der Metzinger es nicht nur mit der doppelten Einwohnerzahl wie in der Vorgängergemeinde zu tun, sondern muss auch mit einem rund doppelt so hohen Haushaltsvolumen jonglieren. „Die Zahlen schrecken mich nicht“, versichert der Kämmerer lachend. Aufwendiger sei das Planwerk in Weilheim freilich durch mehr Haushaltsstellen aufgrund der reicheren Infrastruktur. Hinzukommt die Zuständigkeit der Stadtkämmerei auch für die Haushalte von Ohmden, Holzmaden und, abgesehen von der Planung, auch für Neidlingen. Was Schneider in den nächsten Jahren beschäftigen wird, ist die Umstellung der Haushaltsführung von der Kameralistik zur Doppik. Ein aufwendiges Unterfangen, denn neben einer neuen Haushaltsstruktur muss dafür der gesamte städtische Besitz von Gebäuden über Straßen und Feldwege bewertet werden. Dass sich da nicht nur während der Haushaltsaufstellung im Herbst Überstunden häufen, liegt auf der Hand.

Die 41-Stunden-Woche steht bei Hauptamtsleiter Marcel Launer ebenfalls nur auf dem Papier. „Wenn man so eine Stelle antritt, weiß man das vorher“, sagt der Vater von zwei Söhnen. Die Familie wohnt noch im rund 80 Kilometer entfernten Eutingen im Gäu. Elf Jahre lang war Launer Hauptamtsleiter in der 5 500 Einwohner zählenden Gemeinde. Im Nebenamt stand er einem kleineren Ortsteil vor. „Ich bin ein Fan von Kleinkunst“, bekennt Launer, der in früheren Jahren als stellvertretender Hauptamtsleiter in Weil im Schönbuch auch Vorsitzender des dortigen Kulturrings war und jetzt in diesem Bereich jede Menge Entfaltungsmöglichkeiten hat: In Weilheim ist die Organisation kultureller Veranstaltungen zum Beispiel in der Kapuzinerbühne oder der Limburghalle beim Hauptamt angesiedelt. Bei seiner zentralen Aufgabe, die innere Organisation und den Dienstbetrieb zu regeln, schwört Launer auf die japanische Lebens- und Arbeitsphilosophie Kaizen. „Sie hilft, Abläufe von Ballast zu befreien und zu beschleunigen.“ Ob im Bürgeramt die Angebote und Öffnungszeiten passen, sind ebenfalls Fragen, mit denen sich der 41-Jährige beschäftigen wird. „Als Personalamtsleiter möchte ich einen kooperativen Stil pflegen“, kündigt Launer an, dem erste Begegnungen zeigen, dass die Chemie im Rathaus stimmt. „Das junge Team hier hat mich gereizt“, verrät er. „Da lässt sich einfach noch mehr bewegen, als wenn nur ein einzelner Mitarbeiter dazukommt.“

Wie kann die vorhandene Infrastruktur dauerhaft gesichert werden, wie lassen sich innerstädtische Potenziale aktivieren und wo sehen Bürger Defizite – so lauten zentrale Themen, mit denen sich Stadtbaumeister Jens Hofmann in naher Zukunft befassen möchte. Der Stadtplaner und Vermessungs- und Geoinformatiker hat bereits im Frühjahr Stadtbaumeister Roland Rendler abgelöst, dessen Handschrift zahlreiche Grünanlagen, Plätze und Kreisverkehre der Stadt tragen. Hofmann sieht den Schwerpunkt seiner Arbeit in der städtebaulichen Entwicklung Weilheims. „Grundsätzliche Gedanken müssen wir uns hier auch im Hinblick auf die demografische Entwicklung machen“, so der 32-Jährige. Nicht zuletzt sieht er sich als Dienstleister und Koordinator zwischen der Politik und den Wünschen der Bürger.

Für den Posten hatte sich Hofmann unter anderem durch vorhergehende Jobs als Stadtplaner in Neu-Ulm und als Projektsteuerer bei einem Bauträger empfohlen. Die Entwicklung Weilheims konnte der Stadtbaumeister stets aus nächster Nähe mitverfolgen. Der gebürtige Owener wohnt mit seiner Frau in Hochwang.