Lokales

Vier "Wikingerpferde " halten eine Polizistin auf Trab

DETTINGEN Kaum dass Sabine Schneck mit dem Auto vorgefahren ist, kommt Bewegung in die Herde: Thokki, Elding, Galsi und Styrmir galoppieren die Koppel hinab, geradewegs auf ihre Besitzerin zu. "Vom Charakter her sind sie wie Hunde", freut sich Sabine Schneck über das

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BIANCA LÜTZ

freundliche Wesen ihrer Islandpferde und klopft einem nach dem anderen die kräftigen dunkelbraunen und fuchsfarbenen Hälse. Die Leidenschaft der Kirchheimer Polizistin für die robusten, kleinen Pferde begann vor 18 Jahren. "Mit einem habe ich damals angefangen, jetzt sind es vier", schmunzelt die 43-Jährige.

Islandpferde sind echte Naturburschen: "Die brauchen keinen Stall", sagt Schneck im Gegenteil: In einer engen Box würden die freiheitsliebenden Pferde verkümmern. Statt dessen logiert Sabine Schnecks kleine Herde derzeit auf einer riesigen Wiese in Dettingen. Den Winter über leben die Pferde in einem Offenstall mit Auslauf in Jesingen und legen sich gerne auch mal bei minus zehn Grad in den Schnee. "Im Vergleich zu anderen Pferden sind Isländer relativ pflegeleicht", weiß Sabine Schneck. Aufgrund der großzügigen Weidehaltung müssen die Tiere nicht jeden Tag geritten werden und zufüttern muss die Polizistin nur wenig. Lediglich mit frischem Wasser, einem Salzleckstein, dem morgendlichen Müsli und Leckerbissen wie beispielsweise getrocknetem Brot versorgt sie die vier Nordlichter regelmäßig.

Eine Menge IdealismusNichtsdestotrotz eine ganze Herde Islandpferde bringt jede Menge Arbeit mit sich: "Sowas macht man nicht aus einer Laune heraus, da braucht man schon eine Menge Idealismus", betont Sabine Schneck. Zwei Mal täglich sieht sie nach ihren Pferden, an ihren freien Tagen reitet sie, steckt die Elektrozäune der Koppeln um, schleppt kanisterweise Wasser auf die Weide und überzeugt sich morgens wie abends davon, dass es den Vierbeinern rundum gut geht und das an 365 Tagen im Jahr.

Dass sie so viel Zeit für die Pferde opfert und seit Jahren sogar darauf verzichetet, in den Urlaub zu fahren, sorgt bei manchen Kollegen und Bekannten für Kopfschütteln, wie Sabine Schneck sehr wohl weiß. Aber: "Jeder hat seinen Vogel", kommentiert sie lachend. Eine Entbehrung bedeutet das aufwendige Hobby für sie nicht, im Gegenteil: "Für mich sind die Tiere ein unheimlicher Ausgleich zum Job. Andere gehen ins Fitnessstudio oder steigen aufs Rad, ich gehe zu meinen Pferden." Die Arbeitstage der Polizistin bringen häufig extreme Belastungen mit sich: Häusliche Gewalt, Nachbarschaftsstreitigkeiten, schwere oder gar tödliche Unfälle und Diebstähle sind an der Tagesordnung.

Wenn Sabine Schneck dann am Ende einer Schicht zu Thokki, Elding, Galsi und Styrmir fährt, kann sie die Belastungen des Tages abschütteln: "Der Umgang mit den Pferden und die Bewegung in der Natur bedeuten für mich einfach Entspannung", sagt sie. Und ab und zu gönnt sie sich auch einen Urlaub mit Pferd: "Seit etwa zehn Jahren gehe ich regelmäßig auf Wanderritte. Das sind ohnehin die schönsten Urlaube." Die Pferdenärrin schnappt sich dann eine Landkarte, stellt die Route für eine etwa 200 Kilometer lange Wochentour in den Schwarzwald, den Odenwald, ins Donautal oder zum Bodensee zusammen und reitet jeden Tag etwa 30 bis 40 Kilometer mit absolutem Minimalgepäck. "Ich verbringe 24 Stunden am Tag mit dem Pferd und schlafe zum Teil auch im Heu", schildert sie die Ritte. "Danach bin ich dann so richtig entspannt."

Gerade für solche Erlebnisse eignen sich Islandpferde ganz besonders gut. Sie sind ausdauernd und können trotz ihres relativ geringen Stockmaßes von 1,30 bis 1,45 Metern Erwachsene samt Gepäck problemlos kilometerweit tragen.

Fünf-Gang-PferdeDazu kommt, dass die sogenannten "Wikingerpferde" meist nicht nur die drei Grundgangarten beherrschen, sondern sogar vier oder fünf. "Tölt ist für den Reiter ganz sanft", schwärmt Sabine Schneck von dem weitgehend erschütterungsfreien Viertakt, für den die Isländer so berühmt sind, und der übrigens auch für Bandscheibengeschädigte besonders angenehm ist. Eine weitere Spezialgangart, die viele Isländer beherrschen, ist der Pass. Bei diesem Zweitakt bewegen sich die Beine der Pferde nicht diagonal wie im Trab, sondern lateral wie beispielsweise bei einem Kamel.

Vor allem mit dem heute 29-jährigen, immer noch topfitten Thokki machte sich Sabine Schneck des Öfteren auf zu Wanderritten. Der Vater Thokkis landete einst bei einem 6000-Meilen-Ritt auf dem Treppchen. Nach fünf Jahren bekam das Erstlingspferd dann Gesellschaft von Elding, bis heute die einzige Stute in Sabine Schnecks Herde. "Elding bedeutet Blitz", klärt die Reiterin auf. Dass die Pferde keine Allerweltsnamen tragen, liegt am Zuchtverband: "Islandpferde müssen isländische Namen haben", klärt Schneck auf.

Außer Thokki und Elding gehören noch Galsi und Styrmir zur Herde mit fünf und vier Jahren noch richtige Jungspunde. Galsi "Der Ausgelassene" wird gerade zugeritten. Styrmir "der Ausreißer" ist der Sohn von Elding und aus Sabine Schnecks eigener Nachzucht. "Er ist aber ein richtiger Wildfang", sagt sie. Damit schlägt er ein wenig aus der Reihe. Denn was Sabine Schneck an ihren Islandpferden vor allem liebt, sind deren Gelassenheit und Zuverlässigkeit auch in brenzligen Situtionen. "Sie sind absolut cool im Umgang."

Echte VerbundenheitIn den vergangenen Jahren sind die gutmütigen Tiere für Sabine Schneck zu richtigen Gefährten geworden. "Es gibt da eine echte Verbundenheit zwischen uns", sagt die Polizistin. So sieht nicht nur die Halterin auf den ersten Blick, wie es ihren Tieren geht, auch die Pferde wissen, wie es um ihre Besitzerin steht: "Wenn ich gut gelaunt bin, kommen sie sofort angelaufen und suchen meine Nähe. Bin ich schlecht drauf, halten sie instinktiv ein bisschen Abstand."

INFOZwischen Menschen und ihren Haustieren besteht oftmals eine ganz besondere Beziehung. In der Serie "Mensch & Tier" stellt der Teckbote Leute aus der Region zusammen mit ihren tierischen Lieblingen vor und beleuchtet deren Verhältnis zueinander