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Volksbanken stellen sich Trend zu Online-Konto

Die Volks- und Raiffeisenbanken im Landkreis sehen sich gut aufgestellt in der Konkurrenz zu den Großbanken und Sparkassen. Ein Geschäftsvolumen von knapp fünf Milliarden Euro, eine schlanke und trotzdem kundennahe Struktur, ein Plus von fünf Prozent beim Kreditgeschäft und elf Prozent bei den Online-Konten das sind für Ulrich Weiß, den Vorsitzenden der Bezirksvereinigung, Eckpunkte des Erfolgs.

HANS-JOACHIM HIRRLINGER

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KREIS ESSLINGEN Die Qualität des genossenschaftlichen Bankensektors sieht Weiß durch ein "A+-Rating" bestätigt, das die Ratingagentur Standard & Poor's den Mitgliedsbanken erteilt hat. "Die Deutsche Bank ist etwas besser bewertet, aber dann kommen gleich wir", freut sich Weiß über diese hervorragende Bewertung, die mit günstigen Refinanzierungsbedingungen verbunden ist.

"Die Genossenschaft ist eine sehr moderne Unternehmensform", betont Vorstandsmitglied Franz Nadelstumpf, Plochingen. Im Verbund mit den zentralen Instituten wie der DZ Bank "sind wir so aufgestellt, dass wir wirklich jeden Vertriebsweg anbieten". Nadelstumpf, dessen Volksbank Plochingen schon frühzeitig Online-Banking eingeführt hatte, sieht die elf Genossenschaftsbanken im Kreis Esslingen auch hier auf dem richtigen Weg: "Wir sind mit jeder Direktbank vergleichbar." Bei einem Zuwachs von fast elf Prozent im vergangenen Jahr führen bereits 75 000 Kunden ihre Konten online. "Das ist ein Weg, der uns viel Freude macht."

Besonders erfreulich sei der Kreditbereich gewachsen, erklärte Weiß gestern vor der Presse. Das überdurchschnittliche Plus von fünf Prozent auf 3,1 Milliarden Euro signalisiert eine wirtschaftliche Aufbruchstimmung wie seit vielen Jahren nicht mehr. Die Einlagen seien mit einem Plus von zwei Prozent auf knapp 3,9 Milliarden Euro "etwas schwächer gewachsen", weil ein großer Teil der Geldanlagen an die genossenschaftlichen Zentralinstitute fließe.

Die Stärke der Volks- und Raiffeisenbanken sieht Albrecht Bendl, Vorstandssprecher der Bernhauser Bank, in der Kenntnis der Kunden und des lokalen Marktes. Bendl bezeichnete die Volksbanken als vertrauten "Partner auf Augenhöhe, auf den die Kunden setzen können". Nadelstumpf betont andererseits: "Wir bringen unseren Kunden das notwendige Vertrauen entgegen." Dieses Vertrauen erschöpfe sich nicht in Rating-Kennzahlen, sondern beziehe auch gute Geschäftsideen und innovative Menschen mit ein.

Generell besinnen sich die elf Banken auf ihre Wurzeln. "Wir wollen die Mitgliedschaft wieder stärker als bisher in den Mittelpunkt stellen", sagt Ulrich Weiß, Chef der Volksbank Kirchheim-Nürtingen. 1200 Mitglieder kamen 2006 hinzu. Jeder vierte Kreisbewohner ist Anteilseigner einer Volksbank. Weiß versteht das auch als Sicherung gegen feindliche Übernahmen durch rein renditeorientierte Investoren. "So etwas ist bei uns nicht möglich."

Miteigentümer zu sein lohnt sich laut Weiß auch für die Mitglieder, die für 2006 wieder fünf bis sechs Prozent Dividende auf ihre Geschäftseinlagen erwarten dürften. Er beschreibt das Modell Genossenschaftsbank als Drehtür: "Als regionale Banken sorgen wir dafür, dass Sparkapital aus der Region in Investitionen in die Region fließt." Weiß sieht die genossenschaftliche Unternehmensform durch das im August 2006 novellierte Genossenschaftsgesetz "markant gestärkt". Es sei nun beispielsweise auf privat getragene Kindergärten oder regionale Energieversorger übertragbar.