Lokales

Volksfeststimmung im "Karree am Schweinemarkt"

Im "Karree am Schweinemarkt" ist was los, und zwar nicht nur in baulicher Hinsicht. Am kommenden Wochenende steigt dort ein großes Straßenfest. Es stellt den Auftakt dar zu einer Reihe von Events, die die Kunden die Nachteile der Großbaustelle vergessen lassen sollen.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Ab 14 Uhr erfüllt am Freitag, 6. Mai, Musik von zwei Bühnen in der Max-Eyth-Straße und in der Schuhstraße die Luft, am Samstag, 7. Mai, von 11 bis 16 Uhr. Die Big Band des Ludwig-Uhland-Gymnasium hat ebenso ihr Kommen zugesagt wie die Jazz Band der Musikschule. Etliche Straßenmusiker und kleine Gruppen sowie "Sina und Charly" sind mit von der Partie. Eine Lesebühne befindet sich bei der Buchhandlung Schieferle in der Wellingstraße vor dem Bauzaun. Hier werden am Samstagnachmittag die neuen Namen für die städtischen Sympathieträger Igel und Maulwurf von Bürgermeister Günter Riemer preisgegeben. Rund geht es allerdings schon am Samstagvormittag: Von 11 bis 12 Uhr gibt Fußballfan und SPD-Stadtrat Andreas Kenner fußballerische Schmankerln zum Besten. Von 13 bis 14 Uhr liest der in Kirchheim geborene Wirtschaftsprofessor Rolf Walter aus seinem autobiografischen Bändchen "Herr Professor, Sie sind ein Lausbub".

Literarisches gibt es aber auch schon am Freitag, wenn Bestseller-Autorin Petra Durst-Benning von 16 bis 18 Uhr bei Antiquitäten-Durst in der Max-Eyth-Straße zur Autogrammstunde lädt. Wissbegierige können sich zweimal am Freitag von Stadtführerin Ruth Mößner kenntnisreich und kostenlos durchs Karree führen lassen. Treffpunkt ist jeweils um 14.30 Uhr und um 17 Uhr vor Signora in der Max-Eyth-Straße.

Doch auch über diese Einzelveranstaltungen hinaus legen sich die Geschäftsleute mächtig ins Zeug, um die Herzen der großen und vor allem kleinen Kunden zu entzücken. Kinderschminken, Waffelbacken, Mohrenkopfwerfen, etliche Preisrätsel und Rate- sowie Schätzspiele werden angeboten. Bastelaktionen für den Muttertag steigen, Infostände gehören ebenso zum Angebot wie Seh- und Hörtests. Da Essen und Trinken bekanntlich Leib und Seele zusammenhält, werden mannigfache Düfte die Straßen durchziehen und den Passanten das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Von türkischen und indischen Spezialitäten bis zum deftigen Spanferkelbraten reicht die Palette der lukullischen Verführungen.

"Wir stellen etwas auf die Beine", verspricht Walter Autenrieth, einer der Geschäftsleute im Karree, die alle an einem Strang ziehen: Über 40 Vertreter aus Einzelhandel und Gastronomie haben sich zu einer Initiative zusammengeschlossen, Ideen gesammelt und gemeinsam für den Sommer ein buntes Programm ausgetüftelt. "Es hat doch keinen Sinn zu jammern", sagt Margot Schieferle, eine Sprecherin der Initiative, zur Baustellenmisere. Das Gegenteil sollder Fall sein: Im Karree gibt's was zu feiern. "Wir haben uns gedacht: Lasst uns doch ein großes Fest am 6. und 7. Mai machen", lädt Margot Schieferle Jung und Alt ein, den kommenden Freitag und Samstag in Kirchheims Innenstadt zu verbringen. Da sich ein zweitägiges Programm nicht aus dem Ärmel schütteln lässt, haben sich die Geschäftsleute bereits etliche Male zusammengesetzt. Sue Strohmaier, die die Initiative ebenfalls vertritt, freut sich: "Unter uns hat sich eine echte Gemeinschaft gebildet." Von "Aufbruchstimmung" spricht Kirchheims Marketing-Fachfrau Gabriele Huttenlocher.

Ihren Ursprung hat die neue Gemeinschaft in einem Schockerlebnis: "Wir waren entsetzt, wie viel Umsatz uns in Zusammenhang mit der Baustelle plötzlich weggebrochen ist", fasst Margot Schieferle den Schrecken der Geschäftsleute vom Anfang des Jahres in Worte. Rundrufe ergaben, dass die Einbußen keineswegs andernorts in Kirchheim als Plus verbucht wurden. "Die Kunden von auswärts blieben einfach weg aus Kirchheim", sagt Walter Autenrieth. Hauptschuldiger ist für die Geschäftsleute die Parkplatzsituation. Seit die Tiefgarage am Schweinemarkt geschlossen wurde, müssen die Kunden Fußmärsche in Kauf nehmen. Vor allem aber waren sie über Ersatzparkplätze und geänderte Verkehrsführung nicht informiert. Hier schafft die Stadt nun mit klärenden Schildern Abhilfe.

Gabriele Huttenlocher weist darauf hin, dass derzeit auch unübliche Maßnahmen wie zum Beispiel die Werbebänder über den Straßen unbürokratisch zugelassen werden. Schließlich ist der Verwaltung am gleichen Ziel gelegen wie den Geschäftsleuten: "Wir wollen die Einkaufsvielfalt in Kirchheim, die die Stadt von anderen deutlich abhebt, für die Kunden erhalten", betont Walter Autenrieth. Von der Existenz der Läden hängt aber nicht nur das Flair im Altstadtkern ab, sondern auch eine erkleckliche Zahl von Arbeitsplätzen.

Gemeinsam wollen die Geschäftsleute den Sommer über allerhand Aktionen starten, um die Kundschaft zu begeistern, bis dann im kommenden Jahr der neue Schweinemarkt seiner Bestimmung übergeben werden kann. Regelmäßige Baustellenlesungen sind ebenso geplant wie weitere Feste und Wettbewerbe.

Dass den Geschäftsleuten bei allen Widrigkeiten der Humor keineswegs abhanden gekommen ist, beweisen einige der Aktionen. So haben sich beispielsweise die Anlieger der Wellingstraße lebensgroße Figuren ausgesägt, die am kommenden Freitag und Samstag von Kindern bemalt werden. Sie symbolisieren die ausbleibende Kundschaft.