Lokales

"Volkssport" Bestellen

"Autos zu bestellen, ohne sie bezahlen zu können, ist im Moment fast ein Volkssport", sagt Alfred Hiller, Pressesprecher der Kraftfahrzeug-Innung Nürtingen. Das Kfz-Gewerbe denkt deshalb darüber nach, die klassische Anzahlung wieder einzuführen.

NÜRTINGEN Der Kunde ließ sich nicht lumpen. Audi A6, klar, wenn schon, dann was vom Feinsten, man gönnt sich ja sonst nichts. Dumm nur, dass der Mann den Offenbarungseid schon geleistet hat. Und dass er, als der bestellte Wagen zur Abholung bereit stand, mangels Moneten passen musste. "Das kommt", sagt Hans-Peter Mayer, Pressesprecher des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg, "immer öfter vor".

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Der Audi-Kunde ist ein Fall, der Mann aus dem Männerwohnheim in Stuttgart, der einen Golf orderte, ein zweiter. Bei dem hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt, weil mangels Masse sowieso nichts zu holen ist: Anzusehen ist den Leuten nicht, dass sie die 60 000 Euro für einen A6 nicht haben oder die 30 000 für einen Golf. Oder die 27 000 Euro für einen Mazda 6, sagt Hans-Peter Mayer. Oder, oder. . .

"Denn betroffen von dieser neuen Form des Autokaufs sind durch die Bank alle Händler", so Alfred Hiller. Aber nicht jeder mag so offen darüber, wie das Landesvorstandsmitglied Mayer: "In der Regel ziehen es die Kollegen vor, das stillschweigend abzuwickeln", meint Alfred Hiller. Die finanziellen Folgen hat das Autohaus zu tragen: "Wir sitzen dann auf den bestellten Autos und die sind dann meistens auch noch mit allem ausgestattet, was der Zubehörkatalog hergab." Unfreiwillige Schnäppchen für einen anderen Kunden.

Inzwischen ist der Blick der Autohändler deswegen schon mal zu den Kollegen aus den anderen Branchen gegangen: "Beim Kauf von individuell angefertigten Möbeln oder Küchen ist eine Anzahlung ja auch üblich", sagen Hans-Peter Mayer und Alfred Hiller.

Mayer sagt das in diesem Fall auch in seiner Funktion als Vorstandsmitglied des baden-württembergischen Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes. Über diesen ist das Thema inzwischen beim Zentralverband des Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) gelandet. Dass Autohändler immer öfter auf bestellten Fahrzeugen sitzen bleiben, ist längst kein Einzelfall mehr, bestätigt dessen Sprecher Helmut Blümer. Um das Problem besser beurteilen zu können, startet der ZDK jetzt eine Umfrage bei allen Marken.

"Zehn bis 15 Prozent" sind für Alfred Hiller eine Anzahlungsgröße, "die einem solventen Kunden eigentlich keine Probleme machen dürfte". Vor allem dann nicht, wenn er behauptet, das Fahrzeug bei Abnahme bar bezahlen zu können: "Bei Kunden, die ihr Auto finanzieren", so Alfred Hiller, "haben wir das Problem ja nicht. Deren Zahlungsfähigkeit wird von der Bank überprüft."

pm