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Vollblut-Politikerin Erdrich-Sommer freut sich auf Wahlkampf

Während derzeit in ganz Deutschland die Zeichen auf Bundestagswahl stehen, hatten die Grünen im Landkreis Esslingen bei ihrer Mitgliederversammlung die Landtagswahl 2006 im Blick: Nahezu einstimmig nominierte die Basis Marianne Erdrich-Sommer als Landtagskandidatin für den Wahlkreis Kirchheim. Andreas Schwarz geht als Zweitkandidat ins Rennen.

BIANCA LÜTZ

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PLOCHINGEN "In politisch so spannenden Zeiten scheint die Landtagswahl nicht nur weit weg, sondern auch unwichtig", spielte Marianne Erdrich-Sommer darauf an, dass die Vorbereitungen für die Wahl des baden-württembergischen Landesparlaments am 26. März 2006 in der Aufregung um die vorgezogene Bundestagswahl beinahe unterzugehen drohen.

Dem setzte die 53-Jährige bei der Nominierungsversammlung des Kreisverbands Esslingen von Bündnis 90/Die Grünen im Umweltzentrum Plochingen dann eine umso engagiertere, kämpferische Rede entgegen und stellte gleich zu Beginn klar: "Ich halte die Landtagswahl für sehr wichtig." Die Basis der Grünen im Wahlkreis Kirchheim so weit sie vertreten war honorierte Marianne Erdrich-Sommers Engagement und nominierte die Wendlingerin mit 16 von 17 Stimmen zur Landtagskandidatin. Wahlberechtigt sind im Wahlkreis Kirchheim 80 Mitglieder.

Im Wahlkampf will Marianne Erdrich-Sommer, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Esslinger Kreistag und im Gemeinderat in Wendlingen, ihren Schwerpunkt vor allem auf die Themen Finanzen und Bildung setzen. Gehe es ums Thema Finanzpolitik, "da kribbelt es mich richtig im Bauch, da will ich mitgestalten", schildert die Wendlingerin, die von 1996 bis 2001 finanzpolitische Sprecherin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Landtag war, ihre Leidenschaft für das Geldwesen.

"Von einer Rückführung der Verschuldung kann unter der schwarzen Politik überhaupt keine Rede sein", kritisierte Erdrich-Sommer in ihrer Rede den derzeitigen Schuldenstand des Landeshaushalts von rund 40 Milliarden Euro. Dass das Land in Projekte wie Messe, Flughafen und wie sie in Anspielung auf die Diskussion um die Unterstützung für den Hockenheimring anmerkte selbst Rennstrecken investiere, verschlimmere die ohnehin schon katastrophale Finanzsituation im Land. Scharfe Kritik übte die Landtagskandidatin angesichts knapper Kassen auch an der 13. Monatspension für Beamte: "Das ist eine Ungerechtigkeit gegenüber Rentnern, aber auch gegenüber der jungen Generation."

"Es ist ein Graus, wie das Land mit seinen Kommunen umgeht", ging Erdrich-Sommer auf die Verteilung der Finanzen zwischen Land und Kommunen ein und griff als Beispiel die reduzierte Förderung des Landes für die S-Bahn auf. "Das Land muss partnerschaftlicher mit den Kommunen umgehen", forderte sie. Den kommunalen Finanzausgleich bezeichnete die Kreis- und Gemeinderätin als marode. "Es wird Zeit, dass die Reform des Finanzausgleichsgesetzes endlich auf den Tisch kommt", drängte sie und wies darauf hin, dass sie in ihrer Zeit als finanzpolitische Sprecherin im Landtag einen Reformvorschlag vorgelegt habe. Dieser müsse nun weiter vorangetrieben werden.

Am Herzen liegt der Wendlingerin, die Studiendirektorin an der gewerblichen Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Nürtingen ist, zudem das Thema Bildung. "Wir brauchen kleinere Klassen und mehr gut geschultes Personal", stellte sie fest. Angesichts der rückläufigen Schülerzahlen der nächsten Jahre heiße es nun: Rahmenbedingungen setzen für bessere Schulen. "Unser Ziel ist es, die CDU in die richtige Richtung zu treiben", sagte Erdrich-Sommer.

Die Frage, ob sie sich vorstellen könne, zusammen mit der Union zu regieren, beantwortete Marianne Erdrich-Sommer positiv: "Jede Partei sollte den Willen zur Macht haben", sagte sie: "Es ist immer besser, in der Regierung zu sein als in der Opposition." Den derzeitigen Koalitionspartner der Landes-CDU hält die Grüne für zu schwach: "Die FDP hat in keinem wichtigen Punkt ein Zeichen gesetzt", blickte Erdrich-Sommer auf die vergangene Regierungsperiode zurück und schloss: "Sie gehört nicht in die Regierung."

Als Zweitkandidat im Wahlkreis Kirchheim geht Andreas Schwarz für die Grünen ins Rennen. Der 25-Jährige, der sich als "Allrounder der Kommunalpolitik" bezeichnet, sitzt seit sechs Jahren im Kirchheimer Gemeinderat und seit einen dreiviertel Jahr im Kreistag. In diesen Gremien bekleidet er jeweils das Amt des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Für Andreas Schwarz als Ersatzkandidaten stimmten 16 von 17 Mitglieder bei einer Enthaltung.

"Ich glaube, dass der Wahlkampf mit Andreas Schwarz so richtig Spaß machen kann", blickt Marianne Erdrich-Sommer der Zusammenarbeit mit dem Kirchheimer im bevorstehenden Landtags-Wahlkampf positiv entgegen. Dass sie auch nach fast fünf Jahren Landtags-Pause noch richtig Lust auf ein Mandat im Landes-Parlament hat, verheimlicht die 53-Jährige nicht: "Politik ist das Spannendste, was es gibt."

Gewählt wurde an dem Abend im Plochinger Umweltzentrum auch der Landtags-Kandidat für den Wahlkreis Esslingen. Um das Amt beworben hatten sich Stefan Faiß und Wolfgang Latendorf. Mit 19 von 31 Stimmen setzte sich Wolfgang Latendorf durch. Als Zweitkandidatin nominierte die Basis Carmen Tittel.