Lokales

Volle Bäume, kleine Früchte

Die Kirschenernte fällt in diesem Jahr gut aus – Größe des Obsts lässt zu wünschen übrig

Adlerkirsche, Schwarze Knorpel, Neidlinger Kurzstiel oder Weilheimer Riesenkirsche – zahlreiche leuchtend rote, süße Früchte hängen an den Kirschbäumen rund um Weilheim und im Lenninger Tal. Über Menge und Geschmack können die Obstbauern dieses Jahr nicht klagen. Einziges Manko: Die Kirschen sind zu klein geraten.

Klein, aber oho: Kirschen gibt es dieses Jahr viele. Sie schmecken zwar gut, sind aber etwas zu klein geraten.Fotos: Deniz Calag
Klein, aber oho: Kirschen gibt es dieses Jahr viele. Sie schmecken zwar gut, sind aber etwas zu klein geraten.Fotos: Deniz Calagan

Kreis Esslingen. „Die Kirschenernte ist in vollem Gange“, verkündet Heinz Gienger, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Hepsisau. Rund zwei Wochen früher als sonst habe die Erntezeit im Kirschmuttergarten in Hepsisau dieses Jahr begonnen. Ein Teil der knapp 200 Bäume in der vereinseigenen Anlage ist schon versteigert und abgeerntet worden. Am kommenden Samstag folgen weitere 80 Bäume.

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„Der Ertrag ist unheimlich gut“, sagt Heinz Gienger mit Blick auf die Menge. Ein perfektes Kirschenjahr ist es dennoch nicht: „Mangels Regen sind die Früchte etwas zu klein geraten“, so Gienger. Dafür können die sonnenverwöhnten Früchte geschmacklich punkten: „Die Fruchtqualität ist top“, betont Albrecht Schützinger, Kreisfachberater für Obstbau, und wirbt für die heimischen Kirschen: „Es lohnt sich wirklich, sie zu kaufen.“

Auch die anderen Kirschenanbieter rund um Weilheim und im Lenninger Tal, die ihr Obst an Straßenständen, im Hofladen oder am Baum verkaufen, loben Menge und Geschmack und beklagen die kleinen Früchte. „Wo nicht bewässert wird, da fehlt es hinten und vorne an der Größe“, hat Ursula Kerner aus Dettingen festgestellt. „Es ist wirklich fatal, wie wenig Niederschläge es gegeben hat“, sagt sie und weist auf das enorm trockene Frühjahr hin.

Über ein wenig Wasser von oben würde sich Ursula Kerner genauso freuen wie Ernst Hitzer, der in Neidlingen eine Brennerei betreibt und Tafelobst verkauft. „Für die Haupternte könnten wir noch gut etwas Regen brauchen“, sagt er mit Blick auf seine voll behangenen Bäume. „Dann könnten die Kirschen auch noch größer werden.“ Bei Ursula Kerner sind es vor allem die Sauerkirschen, die einen Schauer gut vertragen könnten: „Ein paar Nächte Regen, dann wäre es super“, sagt sie.

Dass den Bäumen dieses Jahr das Wasser fehlt, weiß auch Neidlingens Bauhofmitarbeiter Karl Burkhardt. Ob ein ordentlicher Guss jetzt noch wünschenswert wäre, da ist er sich allerdings nicht sicher. „Ich befürchte, dass der Regen wieder zur falschen Zeit kommt und die reifen Früchte am Baum platzen und faulen.“

So richtig losgegangen ist die Kirschensaison aus Sicht von Günther Schmid noch nicht. Die Nachfrage an seinem Kirschenstand in Owen hält sich derzeit in Grenzen – und das, obwohl die Bäume schon reichlich Behang haben: „Es ist sehr wenig los bei uns“, wundert er sich, warum so wenige Autos anhalten, um am traditionellen Owener „Kirschen-Strich“, einzukaufen.

Tatsächlich steht die Haupternte noch vor der Tür. Bislang sind vor allem die frühen und mittelfrühen Sorten reif. Zudem gibt es örtliche Unterschiede, wie Ernst Hitzer festgestellt hat. „Ich habe nicht nur Grundstücke in Neidlingen, sondern auch in Hepsisau – und dort ist genau die gleiche Sorte eine Woche früher dran.“

Über Ärger mit Schädlingen klagen die Obstbauern dagegen kaum. „Vor der Kirschfruchtfliege sind wir bis jetzt ziemlich verschont geblieben“, sagt Heinz Gienger. Die Kirschessigfliege habe ihren Weg offenbar glücklicherweise noch gar nicht unter die Limburg gefunden. „Da ist mir kein Fall bekannt“, so Gienger. „Im Kreis ist die Kirschessigfliege noch nicht so stark vertreten“, weiß Albrecht Schützinger. Um Karlsruhe und in der Rheinebene dagegen sei der Schädling schon auf dem Vormarsch. Ursula Kerner blickt besorgt auf die kommenden Jahre, in der sich Obstbauern mit dem schwer zu bekämpfenden Insekt auseinandersetzen müssen. Das Tierchen, das ursprünglich aus dem asiatischen Raum komme, sei hoch aggressiv, schlitze die Früchte auf und belege jede gleich mehrmals mit Eiern. Zur Gefahr wird sie übrigens nicht nur für Kirschen – „sie bedroht auch Trauben und Beeren“, sagt Ursula Kerner.

 

In Weilheim, Hepsisau und Neidlingen werden an den kommenden Wochenenden wieder Kirschen am Baum verkauft. Der nächste Termin in Weilheim ist am heutigen Freitag um 18 Uhr an der Kirschenanlage oberhalb des Schafstalls. Am morgigen Samstag ab 9 Uhr können Interessierte für Bäume in der Kirschenanlage in Hepsisau an der Ochsenwanger Steige bieten. In Neidlingen werden am Samstag, 28. Juni, ab 8 Uhr Bäume in der Kirschenanlage des Obst- und Gartenbauvereins versteigert.

Kirschenverkauf , Strassenverkauf .
Kirschenverkauf , Strassenverkauf .