Lokales

Vom Bäumepflanzen und der Pflege bis hin zum Holzmadener Apfelsaft

Mit der Erhaltung der typischen Landschaftsformen um Holzmaden und Unterstützung bei der Bewirtschaftung befasste sich der Gemeinderat in jüngster Sitzung. Dieses Thema kam auf, als sich das Gremium im Dezember des vergangene Jahres über die Nachmeldung von Vogelschutzgebieten durch das Land Baden-Württemberg befasste. Damals wurde mehrheitlich dem Antrag von Ratsmitglied Michael Thiehoff zugestimmt, sich mit diesem Thema zu befassen.

RUDOLF STÄBLER

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HOLZMADEN In der Zwischenzeit hat ein Gespräch zwischen Bürgermeister Jürgen Riehle und dem Antragsteller stattgefunden. Aus dessen Sicht sollten folgende Themen angeschnitten werden: Streuobstförderung, Holzmadener Apfelsaft, Obstbaumschnittkurse und eine Tauschbörse für Grundstücke. Bei einer Sitzung im Mai dieses Jahres hat der Gemeinderat dann beschlossen, im Mitteilungsblatt einen Aufruf zu starten, um den Bedarf in der Bevölkerung festzustellen, beim Gemeindetag nach eventuellen Modellgebieten in anderen Gemeinden zu fragen, um dann das Ergebnis erneut zu beraten.

Bürgermeister Riehle sprach in diesem Zusammenhang dann von einem eher schwachen Interesse der Bevölkerung. Lediglich fünf Personen antworteten auf diese Befragung. Viel "Erleuchtung" kam auch nicht vom Gemeindetag. "Ideelle Projekte, wie sie in der Anfrage der Gemeinde gemeint sind, sind dem Gemeindetag Baden-Württemberg nicht bekannt.

Bürgermeister Riehle machte keinen Hehl daraus, dass er die gesamte Angelegenheit nicht für notwendig halte. So habe die Gemeinde in den vergangenen Jahren bis zu den Sparbeschlüssen die Neupflanzung von Obst-Hochstämmen gefördert. Zudem wurde jedem Brautpaar ein Gutschein für einen Obstbaum überlassen diese Gutscheine wurden oftmals für den Kauf von Büschen für den Ziergarten verwendet, ist dem Schultes bekannt. Im Bereich des Kindergartens und der Schule seien ebenfalls Obstbäume gesetzt worden und zudem würden mit dem Rektor und dem Obst- und Gartenbauverein seit Jahren Projekte beraten.

Der Wegfall der Streuobstförderung habe nach Kenntnis der Verwaltung nicht dazu geführt, dass keine Ersatzbäume bei Abgängen gepflanzt wurden. In diesem Zusammenhang müsse auch erwähnt werden, dass Grundstückseigentümer mit Bäumen zum Teil wirschaftlich erheblich schlechter gestellt seien bei möglichen Entwicklungen der Flächen. Beispielsweise sei das angrenzende Gebiet westlich des Baugebiets Hintere Halde im Vogelschutzgebiet drin. Die Obstbäume auf den Grundstücken führten dazu, dass sich dort geschützte Vögel aufhalten, was einerseits für die Vögel und die Natur schön sei anderseits den Grundstückseigentümern einen erheblichen materiellen Nachteil bringe und auch die Gemeinde in ihrer Planung einenge. Als weiteres Argument führte er an, dass der Obstbau heute auch eine andere Bedeutung habe wie früher. Wurde in den Nachkriegsjahren noch ein stattlicher Betrag aus dem Obst erwirtschaftet, sowohl vom Most- als auch vom Tafelobst, so haben heute die Obstbauern bei einem anderen Konsumverhalten keine große wirtschaftliche Perspektive mehr. Die Kunden weichen einerseits auf Kaufangebote der großen Lebensmittelgeschäfte aus, andererseits haben sich die Trinkgewohnheiten ebenfalls geändert. Vor Jahren wurde insbesondere im ländlichen Raum noch viel Obst zu Apfelsaft und Most verarbeitet heute greifen die Konsumenten auf günstigere Angebote der Lebensmittelketten zurück, weiß der Bürgermeister.

Auch zur Pflege und Unterhaltung des Feld- und Waldwegenetzes bezog Riehle Stellung. Hierbei werde der Kompromiss zwischen idealer Anfahrt und wirtschaftlicher Lösung gesucht. In jüngster Zeit habe man einiges getan und auch in den Vorjahren seien viele Wege befestigt und sehr gut ausgebaut worden. Die Gemeinde sei aber weder von den Maschinen her, noch personell so ausgestattet, dass diese Arbeiten selbst verrichtet werden können. Die Anschaffung von Maschinen und Erhöhung des Personals stehe in keinem Verhältnis zu einzelnen, gezielten Vergaben.

Für die Attraktivitätssteigerung in Holzmaden wurden in den letzten Wochen erhebliche Aufwendungen von Studenten der Fachhochschule Nürtingen unternommen, um verschiedene Lehrpfade vorzustellen. Eventuell, so der Bürgermeister, werden Studenten diese Arbeit fortsetzen, gegebenenfalls in einer Diplomarbeit.

Eine mögliche Tauschbörse für Geräte der Gedanke aus der Nachkriegszeit der Genossenschaften funktioniere heute nicht mehr. Der Aufruf im Mitteilungsblatt zeige dies. So wurde lediglich eine Teleskop-Astschere zum Ausleihen angeboten. Ähnliches gelte für die Grundstücke. Die Grundstückseigentümer mit guten Grundstücken wollten diese nicht abgeben, während schlechte, nasse und ortsferne Grundstücke nicht veräußerbar seien.

Aus den wenigen eingegangenen Anregungen der Grundstückseigentümer ergibt sich nach Meinung der Verwaltung kein weiterer Handlungsbedarf, zumal in Holzmaden der Obst- und Gartenbauverein, der Vogelschutz- und Naturverein, der Imkerverein und der BUND regelmäßig informieren und für jedermann Kurse und Beratungen anbiete. Gedanken und Ideen würden gerne von allen Vereinen aufgenommen und auch umgesetzt. Die durch die Umfrage eingegangenen Anregungen wurden laut Bürgermeister bereits an den Obst- und Gartenbauverein und an den Imkerverein weitergegeben. Ansprechpartner seien die Vorstände und auch die Ausschussmitglieder. Riehle: "Eine weitere Organisation zu den funktionierenden Strukturen der Vereine bedarf es nicht. Zudem sollte in die Planung der Schule nicht eingegriffen werden."

Gemeinderat Michael Thiehoff zeigte sich damit nicht einverstanden und formulierte einen Antrag, der dann auch mehrheitlich angenommen wurde: Im Mitteilungsblatt wird eine Landschaftsbörse eingerichtet. Einwohner der Gemeinde können dort Gesuche und Angebote in den Bereichen Grundstücksnutzung, Maschinen und Geräte, Dienstleistungen, Feldfruchtnutzung kostenlos aufgeben. Die Gemeinde erkundigt sich bei regionalen Obstverarbeitern nach der Möglichkeit, Holzmadener Apfelsaft pressen zu lassen und zu vermarkten. Zur Förderung des heimatkundlichen und ökologischen Gedankens pflanzt jede Eingangsschulklasse im Herbst eine lokale Streuobstwiesensorte auf einer gemeindeeigenen Streuobstwiese. Die weitere Pflege erfolgt durch die Grundschule mit Unterstützung örtlicher Vereine. Der Gemeinderat legt ein Feldwegkonzept fest. Nach Erhebung der vorhandenen Feldwege wird über die Unterhaltung, Verbindung des vorhandenen Bestandes und zukünftige Ausbauerfordernisse entschieden.