Lokales

Vom Erfolg der kleinen Schritte

Nachdem Silke Maier-Witt vor zweieinhalb Jahren schon einmal in Kirchheim über ihre Arbeit im Kosovo referiert hatte, zog sie jetzt im alten Gemeindehaus in der Alleenstraße erneut Bilanz über ihre Tätigkeit für eine friedliche Entwicklung des Zusammenlebens in der krisengeschüttelten Balkanregion.

HEINZ BÖHLER

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KIRCHHEIM Am 17. März dieses Jahres war es in Prizren, wo Silke Maier-Witt ihr Domizil hat, wieder zu Unruhen gekommen, während derer die vor Ort im Einsatz befindlichen Truppen der Bundeswehr keine allzu rühmliche Rolle gespielt haben. 700 Häuser, darunter eine christlich-orthodoxe Kirche und ein serbisches Priesterseminar, wurden zum Teil schwerst beschädigt und es kamen bei schweren Zusammenstößen zwischen Serben und Albanern 19 Menschen gewaltsam zu Tode. Dabei genoss die 160 000-Einwohnerstadt in früheren Tagen den Ruf der Offenheit und Toleranz. Drei Sprachen, albanisch, serbokroatisch und türkisch existierten in einem friedlichen Nebeneinander. Selbst eine Roma-Minderheit lebte relativ unbehelligt in Prizren.

Seit 1999 steht das Kosovo unter der Regierung einer zivilen Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen, die von UN-Friedenstruppen unterstützt wird. "Das hat uns stark desillusioniert", wertet Silke Maier-Witt die Ereignisse des 17. März. "Wir glaubten, beim Wiederaufbau einer Zivilgesellschaft in der Region schon ein wenig vorangekommen zu sein". Doch heute trauen sich, wusste sie zu berichten, selbst albanische Frauen auf ihrem Weg aus den Dörfern in die Stadt nicht ohne ihre Begleitung durch Ortschaften, die von ihren eigenen Leuten kontrolliert werden, geschweige denn durch solche, die von Serben bewohnt werden. Umgekehrt gilt dasselbe für Angehörige der serbischen Bevölkerung, die durch von Albanern bewohnte Gebiete müssen.

Die Gewaltbereitschaft sei in den Monaten seit dem März wieder gestiegen und drohe, kleine Anfangserfolge in der Jugendarbeit und dem Aufbau ziviler Selbsthilfeorganisationen wieder zunichte zu machen. Finanzielle Unterstützungsprogramme konzentrierten sich, kritisierte die in der Friedensarbeit tätige Diplompsychologin, auf Rückkehrprogramme, die es serbischen Familien ermöglichen sollen, wieder in ihrer Heimat Fuß zu fassen. Dies habe zur folge, dass die heimische Landwirtschaft keine Unterstützung durch staatliche Stellen erfahre und die Arbeitslosigkeit nicht verringert werden könne.

Fünfzig Prozent aller Kosovaren unter 20 Jahren seien ohne Arbeit und, so lange über einen künftigen Status des Kosovo keine Einigung erzielt werden könne, werde sich dies auch kaum ändern können. Dazu kämen tägliche Schwierigkeiten, wie Stromausfälle über mehrere Stunden und Probleme mit der Wasserversorgung.

Doch aufgeben kommt für Silke Maier-Witt nicht in Frage denn: "Nichts zu tun, hieße nur, dem Bösen Vorschub zu leisten." Und so lebt sie, wie so viele, vom Erfolg der kleinen Schritte. So habe man einer jungen Roma, die unbedingt Informatik studieren wollte und wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit an der Universität von Prizren nicht angenommen worden sei, zu Hilfe kommen können: "Jetzt hat sie einen Studienplatz."

Der Vortrag im Gemeindehaus wurde von der Kirchheimer Gruppe der Deutschen Friedensgesellschaft/Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG/VK) in Zusammenarbeit mit verschiedenen anderen Gruppen aus Kirchheim und Umgebung veranstaltet.