Lokales

Vom Handsatz bis in die Computerzeit

Noch bis einschließlich Sonntag, 11. Februar, wird im Rahmen der Feierlichkeiten zum 175-jährigen Bestehen des Teckboten in einer Ausstellung im städtischen Museum im Kornhaus die Entwicklung im Zeitungswesen vorgestellt. Die Ausstellung erstreckt sich über zwei Stockwerke und bietet Gelegenheit, sich umfassend über die wechselvolle Geschichte der Kirchheimer Zeitung zu informieren von 1832 bis heute.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Ganz besonders intensiv genutzt wird diese Ausstellung natürlich von den über 600 Schülerinnen und Schülern, die sich am

@O:1801F710.EPSProjekt "Zeitung in der Schule" beteiligen und sich schon seit September mit viel Engagement und Einfallsreichtum mit dem Thema Tageszeitung auseinandersetzen. Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten einer Zeitung im Schulunterricht sind in der Ausstellung an einer eigenen "ZiSch"-Stellwand im ersten Obergeschoss dargestellt und auch an praktischen Beispielen demonstriert.

Schon in den einladenden Fenstern der Kornhauspassage werden interessierte Besucher beispielsweise von aus Zeitungen gefertigten bunten "Leseratten" willkommen geheißen und neugierig gemacht auf die Ausstellung. Im Erdgeschoss steht vor allem die Entwicklung auf dem Sektor des Zeitungs- und Buchdrucks im Mittelpunkt, während im ersten Obergeschoss ein Schwergewicht auf der Darstellung der Firmengeschichte und der allgemeinen Entwicklung im Zeitungswesen liegt.

Im ersten Obergeschoss stellen sich auch die aktuellsten Produkte vom GO Druck Media Verlag vor. Neben der noch Ende 2006 erschienenen neuen Kirchheimer Stadtgeschichte "Marktstadt, Amtsstadt, Mittelzentrum" und dem punktgenau zur Ausstellungseröffnung präsentierten Bildband "Einblicke und Ausblicke" steht auch ein großformatiger Bildschirm bereit. Am Beispiel des Veranstaltungsreigens "Kirchheim teckt anders" wird mit einem kurzen, völlig neu abgedrehten Film der große Bogen von der "Gutenbergecke" mit ihrer Setzkasten-Nostalgie bis hin in die Hightech-Ära gespannt.

Erklärt wird den Ausstellungsbesuchern mit der dort laufenden DVD, wie eine Zeitung entsteht, und aufgezeigt, wie mit modernster Technik heute im Druckhaus in der Bohnau gearbeitet wird und welche Produkte dort hergestellt werden können. Was unter "Zeitung in der Schule" zu verstehen ist, wird in der Ausstellung ebenfalls augenfällig demonstriert. Beispielhaft wird aufgezeigt, wie alle Vorgaben des Lehrplans allein mit dem Podukt "Zeitung" im Unterricht umgesetzt werden können.

Zunächst werden die Ausstellungsbesucher im Erdgeschoss aber in die Vergangenheit entführt und in der rund um das Porträt von Johannes Gutenberg aufgebauten nostalgischen "Satzabteilung" mit den Geheimnissen der "Schwarzen Kunst" vertraut gemacht. Nachdem die am Mittwoch geplante Führung einer Gruppe der Grundschule Neidlingen wegen des Wintereinbruchs und des dadurch unterbrochenen Busverkehrs abgesagt werden musste, feierten gestern 26 Schülerinnen und Schüler der Limburg-Grundschule Weilheim gemeinsam mit ihrer Lehrerin Karin Guhl-Sigel Premiere.

Mit Roland Boss und Karl Stolz standen ihnen langjährige Mitarbeiter des Teckboten zur Verfügung, deren Qualifikation schon durch ihre ausgestellten "Gautschbriefe" dokumentiert wird. Beide nahmen sich mit ihren Gruppen viel Zeit, um die Funktionsweise der alten Maschinen in der "Gutenbergecke" zu erläutern. Sie erklärten den wissbegierigen Schülern genau, was unter Handsatz zu verstehen ist und wie hart Schriftsetzer arbeiten mussten, als Computer noch keine Selbstverständlichkeit waren. In kleinen Schritten wurden die Schüler dann aus den Anfangszeiten der Arbeit mit beweglichen Lettern durch die Entwicklung immer komplexerer und immer schnellerer Technologien geführt.

Über den Maschinensatz, der Ottmar Mergenthalers Erfindergeist zu verdanken ist und dafür sorgte, dass die Geschwindigkeit des Druckens mehr als verdreifacht werden konnte, ging es bis in die per DVD eingespielte Neuzeit. Sehr konzentriert folgten die Schülerinnen und Schüler den Ausführungen der beiden Vertreter des Schriftsetzerberufs, der im Computerzeitalter von der Berufsbezeichnung "Mediengestalter" ersetzt wurde. Auch beim Film über die Zeitungsproduktion herrschte volle Konzentration, denn die Schülerinnen und Schüler wollten beim abschließend ausgeteilten Quiz möglichst viele Punkte sammeln. Was sie nicht dank der Führung sofort parat oder im Film aufgeschnappt hatten, konnten sie an den vielen Schautafeln ablesen, und so zogen sie auf der Suche nach den richtigen Antworten schnell noch einmal durch die beiden Stockwerke der Ausstellung.

Neben einem Zertifikat, das auf einer Druckmaschine aus der Zeit um 1880 erstellt ihre Teilnahme "an der Vorführung der alten Bleisatz- und Buchdrucktechnik" bestätigt und sicher einen Ehrenplatz in ihrem Klassenzimmer finden wird, wartete als Lohn für die gemeinsame Jagd nach der jeweils richtigen Antwort auf die gestellten Quizfragen auch noch eine kleinen Überraschung auf die Schüler der Limburg-Grundschule.

Geöffnet ist die Jubiläums-Ausstellung im städtischen Museum im Kirchheimer Kornhaus dienstags von 14 bis 17 Uhr, mittwochs, donnerstags und freitags von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr.