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Vom heiligen Martin, von Gänsebraten und von Laternenumzügen

DETTINGEN Allerorten wird in diesen Tagen das Martinsfest gefeiert. Mit Martinsritten, Martinsfeuern oder Laternenumzügen wird des

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ANJA WEISSINGER

Heiligen gedacht. In Scharen strömen Kinder mit ihren Eltern zu Laternenumzügen und Martinsritten. So auch in Dettingen: Dick eingemummt in Wintermantel und Schal, trotzten die Kleinen mit ihren bunten Lichtern der Kälte und machten sich auf den Weg in die Sankt Nikolaus Kirche. Im gut gefüllten Saal ertönten dann die berühmten Martins- und Laternenlieder.

Mit einer kindgerechten Geschichte von der Kerze und der Streichholzschachtel wurde den Kindern der Martinsgedanke nahe gebracht. Der beeindruckenste Teil des Abends folgte dann: Angeführt von einer "heiligen Martina" hoch zu Ross schlängelte sich der Lichterzug durch Dettingen. Musikalisch unterstützt wurde er von der Jugendkapelle des Musikvereins Dettingen, die dem kalten Blech und den zahlreichen Kehlen noch das eine oder andere Lied entlockte. Auf dem Vorplatz der Kirche bot sich das eigentliche Spektakel: Mit Bettler, Feuer und Pferd wurde die wohl berühmteste aller Geschichten, die sich um den römischen Legionär ranken nachgespielt: Die Mantelteilung.

Die Legende besagt, Martin sei in einer bitter kalten Nacht vor den Toren der Stadt Amiens auf einen spärlich bekleideten Bettler gestoßen. Martin selbst trug aber außer seinem Soldatenmantel und seinen Waffen nichts, was er dem Frierenden hätte geben können. So zog er kurzerhand sein Schwert, schnitt seinen Umhang entzwei und überließ dem Armen einen Teil davon. In der darauffolgenden Nacht erschien ihm dann Jesus Christus, mit demselben halben Mantelteil bekleidet, den er zuvor dem Bettler überlassen hatte. Daraufhin ließ sich der römische Soldat taufen und wurde zum Christ.

Martin war im Grunde mehr Mönch als Soldat und wollte auch später als Bischof gottgefällig, und als glaubwürdiger Christ leben. Zweifellos ist er einer der populärsten Heiligen der heutigen Zeit. Doch woher kommt der Kult um seine Person und vor allem die Bräuche in der Martinszeit?

Ob in der Bäckerei aus Hefeteig, oder als Braten die Gans ist in der Martinizeit allgegenwärtig. Der Ursprung dieses Martinssymbols ist nicht vollständig geklärt. Eine Quelle besagt, Gänse hätten den Heiligen bei einer Predigt gestört. Eine andere meint, das schnatternde Gänsevieh hätte ihn verraten, als er sich aus Furcht vor der bevorstehenden Ernennung zum Bischof versteckte.

Die Laternen sind Relikte aus der Zeit als noch überall große Martinsfeuer entzündet wurden. Den Feuern, als Symbol für Martins Erbarmen, ist vielerorts ein Lichterzug gefolgt.

Ein "heidnischer" Ursprung ist sowohl den Martinsfeuern als auch dem Gänsebraten zuzuordnen: In früheren Zeiten wurde mit der Gans symbolisch auch der Sommer geschlachtet, und mit dem Verzehr der Gans, so glaubten die Menschen, würde auch die Fruchtbarkeit des Sommers auf sie übertragen. Der Ursprung des Feuers wird außerdem noch in alten germanischen Wintersonnwendfeiern vermutet.

Vordergründig wird mit dem Gedenken an Martins Taten jedoch die Aufforderung zum Teilen, zur Solidarität und auch zur Nächstenliebe laut.

Die Martinsritte in Maria Königin in Kirchheim, in Dettingen und in Peter und Paul in Ötlingen sind zwar schon vorbei, doch all diejenigen, die des heiligen Martin noch gedenken, oder einfach nur ihre Laternen ausführen wollen haben dazu noch Gelegenheit: Am heutigen Samstag veranstaltet die Katholische Gemeinde in Sankt Lukas einen Martinsritt. Start ist um 17 Uhr an der Volksbank in Jesingen.