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Vom Hoflieferanten für Lampions zum europäischen Marktführer für Partyartikel

KIRCHHEIM Als Carl Riethmüller 1855 den Grundstein für einen lang anhaltenden Geschäftserfolg legt, sind in Württemberg selbst Eisenbahnen noch selten. Der gelernte Buchbinder und eifrige Tüftler betreibt eine Manufaktur für Buchdruckarbeiten und Papierwaren. Sein Interesse gilt aber auch den schönen Seiten des Lebens und wie man sie noch schöner macht. Sprich: Wie Feste durch die passende Dekoration noch stimmungsvoller werden. "Vater des Lampions" nennt man ihn bald wegen seiner Aufsehen erregenden und kunstvoll gefertigten Papierlaternen. Der Hof des Königs von Württemberg, der im Schloss zu Kirchheim Sommerfeste feiert, wird aufmerksam. So wird Carl Riethmüller (Foto) Hoflieferant für Lampions und ähnliche Papierdekorationen.

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2005 blickt das traditionsreiche Familienunternehmen C. Riethmüller GmbH aus Kirchheim auf 150 Jahre Unternehmensgeschichte zurück, jetzt zwar nicht mehr als Hoflieferant, wohl aber als europäischer Marktführer bei Partyartikeln, der im Logo selbstbewusst den Zusatz "The Party Company" führt. Praktisch findet heute kaum eine Party ohne Riethmüller-Produkte statt. Und aus der Zentrale in Kirchheim wird eine Unternehmensgruppe gesteuert, die in wachsendem Maß auf wichtigen internationalen Märkten aktiv ist. Inzwischen gehören fünf Tochterunternehmen und Produktionsstandorte in Europa und Asien zur Gruppe, die weltweit derzeit rund 500 Mitarbeiter beschäftigt. Entscheidend für den Unternehmenserfolg waren stets nicht nur das sichere Gespür für die angesagten Partytrends, sondern auch das eigene Entwicklungs-, Produktions- und Logistik-Know-how sowie die engagierten und hoch motivierten Mitarbeiter.

Mit der Kraft des Wassers1888 wurde der Standort in der Alleenstraße bezogen, genau gegenüber dem Schloss eine für einen Hoflieferanten strategisch günstige Lage. Bis in die 70er-Jahre hinein wurde das so genannte Werk I immer wieder aus- und umgebaut. Auf dem 1979 erworbenen, rund 40 000 Quadratmeter großen Gelände in der Dettinger Straße entstand 1990 schließlich ein modernes Logistikzentrum. Rund zehn Jahre später erfolgte am heutigen Hauptsitz auch die Einweihung des neuen Verwaltungsgebäudes sowie der neuen Produktions- und Konfektionierhallen. Ein Kuriosum am Rande: Einen großen Teil des Produktionsstroms bezieht das Unternehmen nach wie vor aus einer eigenen Wasserkraftanlage diese umweltfreundliche Art der Energiegewinnung nutzt das Unternehmen bereits seit 1898, damals diente sie auch zur Versorgung der Bürger von Kirchheim.

Mit Ballons an die SpitzeNoch unter der Führung von Dr. Heinz Riethmüller, der bereits 1952 in das Unternehmen eintrat und exakt 50 Jahre das Unternehmen führte, begann 1995 die Phase der verstärkten Internationalisierung. Eine erste Tochtergesellschaft entstand in Polen, um dort Karnevalsartikel zu fertigen. "Um auch langfristig unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, haben wir frühzeitig begonnen, internationale Produktionsstandorte schrittweise auszubauen beziehungsweise Produkte von internationalen Partnern, hauptsächlich aus dem asiatischen Raum, zu beziehen", erläutert Edgar Riethmüller, der 2000 als Vertreter der fünften Generation die Führung der Unternehmensgruppe übernahm. Ab Ende März 2005 werden auch die Luftschlangen zugekauft. Davon betroffen sind 15 Arbeitsplätze in Kirchheim.

Mit der Übernahme des Ballonherstellers Everts und dessen Produktionsstandorten in Datteln (Westfalen) sowie Melacca (Malaysia) baute Riethmüller 1997 sein Produktsortiment zielgerichtet aus. Mit einer jährlichen Produktion von rund 1,5 Milliarden Luftballons gehört Riethmüller weltweit zu den drei größten Ballonherstellern. Um Einkauf und Beschaffung in Asien zu bündeln, wurde 2000 die "Party & Balloon Company" mit Sitz in Hongkong gegründet. Die Geschäftsführung übernahm Michael Riethmüller. Internationale Handelskonzerne und Großkunden werden von Hongkong direkt beliefert.

Die Internationalisierung der Riethmüller-Gruppe spiegelt sich nicht nur in den Standorten wider, sondern auch in den Messebeteiligungen. 1950, vor genau 55 Jahren, nahm Riethmüller zum ersten Mal an der Spielwarenmesse in Nürnberg teil. Heute ist das Unternehmen rund um den Erdball regelmäßig auf den wichtigsten Messeschauplätzen vertreten, von Paris nach Hongkong, von Dubai über Birmingham nach Chicago. Für den deutschen Markt gewinnt die Paperworld, die heute in Frankfurt startet, eine immer größere Bedeutung. Es ist die international führende Messe für Schreib- und Papierwaren. Zukünftig sollen verstärkt die Verbraucher auch über den Papier- und Schreibwarenhandel erreicht werden. Dort sind Partyartikel bislang nur selten erhältlich. Der 200 Quadratmeter große Messestand für Frankfurt, der auch in Nürnberg eingesetzt wird, wurde modernisiert und komplett neu gestaltet.

Riethmüller präsentiert auf der Paperworld unter anderem den "ersten Partytower Deutschlands", einen hochwertigen Warenträger für den Fachhandel. Selbst auf kleinster Fläche können Fachhändler ihren Kunden damit eine große Vielfalt an Partyartikel bieten er enthält alles, was zu einem gelungenen Kindergeburtstag gehört, von Tellern, Bechern, Servietten, Trinkhalmen bis zu Luftballons, Geburtstagskerzen und zahlreichen weiteren Dekoartikeln. Zu den neuen Produkthighlights gehören insbesondere Partyartikel mit Lizenzmotiven von Playmobil. Diese werden weltweit erstmalig und exklusiv in diesem Produktbereich umgesetzt.

Ein weiterer Erfolgsgarant: Rechtzeitig zum Start des aktuellen Winnie the Puuh-Films am 31. März sorgen Motive mit dem neuen Familienmitglied namens "Heffalump" für leuchtende Kinderaugen. Der beliebte Disney-Bär Winnie the Puuh und seine Freunde, gehören regelmäßig zu den meistverkauften Lizenzmotiven bei Partyartikeln. Daneben steigt Riethmüller erstmals mit einem neuen und modernen Serviettensortiment in den Bereich "Der gedeckte Tisch" ein.

25 000 LampionsUnd Lampions? Sie sind auch anderthalb Jahrhunderte nach ihrer Erfindung durch Carl Riethmüller immer noch ein gefragter Artikel und fester Bestandteil des Produktprogramms: So stattet das Unternehmen zum Beispiel seit 25 Jahren das Stuttgarter Lichterfest auf dem Killesberg aus: 2004 kamen dort rund 25 000 Lampions der "Party Company" zum Einsatz.

pm