Lokales

Vom Kochen bis zum Bogenschießen

Sieben Wochen lang hatten die Schüler der Projektklasse der Ziegelhütte am Randecker Maar an verschiedenen Projekten gearbeitet. Im Rahmen eines zweitägigen Festes wurden sie nun der Öffentlichkeit vorgestellt.

BISSINGEN Mit vereinter Muskelkraft von allen Schülern, Lehrern und Heimbetreuern war das blau-rote Zirkuszelt auf der Wiese vor der Ziegelhütte aufgebaut worden. Heimleiter Hendrik van Woudenberg konnte zahlreiche Gäste, Eltern, Verwandte und Ehemalige im Zelt begrüßen. Die Besucher, darunter auch ein Vertreter des Amtes für Schule und Bildung in Nürtingen, erwartete ein reichhaltiges Programm an zwei Tagen: Die Präsentationen der Projekte vom Kochen bis zum Bogenschießen waren umrahmt von Aufführungen der verschiedenen AGs wie Breakdance, Bauchtanz und Film und am Abend sorgten die Funactors, eine Improtheater-Gruppe, dafür, dass die Zuschauer Tränen lachten.

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Zum Auftakt des Festes erklang der "Hochzeitsmarsch" und Julian und Peter schritten als Paar verkleidet auf die Bühne. Die beiden 16-jährigen Schüler präsentierten ihr Küchenprojekt "Oh la la, kochen wie Gott in Frankreich" als vergnüglichen Sketch über eine Hochzeitsreise durch das Nachbarland. Dabei erfuhren die Anwesenden vieles über die französische Regionen und ihre Küche. Die beiden Schüler veranschaulichten ihr Thema professionell mit selbst gemachten Kräuterschautafeln, einer gezeichneten Frankreichkarte an Stellwänden und einer Computer-Diashow. Doch es wurde auch ganz praktisch: Julian knetete einen gelungenen Hefeteig mit den vorbereiteten Zutaten auf der Bühne und Peter gab das Rezept für ein Mousse au chocolat preis. Wie köstlich dies schmeckte, konnten dann die Gäste am Abend selbst probieren am französischen Buffet, kreiert vom Küchenprojekt.

Davor wurden die Anwesenden per Computerpräsentation jedoch nach Kenia entführt. Tibor berichtete von seinen Erlebnissen bei den Massai und Johanna vom Handel. Beide haben mit ihren Lehrern seit einem Jahr Kontakte nach Afrika, vertrieben kenianisches Kunsthandwerk auf heimischen Basaren und durften als krönenden Abschluss eine gesponserte Reise nach Ostafrika machen.

Ganz mit der Ziegelhütte verbunden hatten sich dagegen die Schüler aus dem Projekt "Stein und Wasser", die auf dem Gelände der Einrichtung eine Mauer und einen gepflasterten Vorplatz vor der Melkkammer gebaut und ein Teichbiotop angelegt haben, sowie die Projektschüler, die der Schreinerei der Ziegelhütte den letzten Schliff gegeben haben. Was im Jahr 2003 noch ein Kuhstall war, konnten die zahlreichen Zuhörer am Samstag als moderne, freundlich helle Werkstatt bewundern. Benjamin und Patrick zeigten an Modellen oder am Objekt, wie sie den Dielenboden verlegt, Fenster und Türen eingesetzt, Trennwände für Büro und Frühstücksraum aufgebaut und alles mit weißer Rauputzfarbe gestrichen haben. Fachmännisch konnten die beiden Schüler auch Fragen aus dem interessierten Publikum beantworten. Danach gab's großen Applaus. Die beiden Schreinerhelfer waren glücklich und strahlten. "Dies war nicht immer so", berichtete Projektleiter Günther Kammer, "es gab Höhen und Tiefen bei dem Innenausbau und nicht nur einmal wollten die Schüler das Projekt hinschmeißen". "Weiter zu machen, nicht aufzugeben, darauf kommt es an", ergänzte Andreas Buchbinder, "da nehmen die Schüler wirklich etwas ins Leben mit." Viel an innerer Kraft konnten auch Ronja und Katharina aus ihrem Pferdeprojekt gewinnen. "Allein die innere Haltung entscheidet, ob das Pferd einem gehorcht", berichtete Katharina aus ihrer Arbeit. Bei der Vorführung im Round-Pen konnte sie den Zuschauern ihren Zugewinn an Persönlichkeit demonstrieren. Die Schüler, aber auch die Projektleiter haben in den vergangenen Wochen viel gelernt. Alle waren geschafft, aber glücklich es war ein gelungenes Fest und ein Stück des Weges zum Hauptschulabschluss war gemeistert.

pm