Lokales

Vom Riesengebirge an die Schwäbische Alb

Begonnen hatte alles mit einer Idee von Karel Leksa vom Regierungspräsidium in Tübingen. Nach der Grenzöffnung Anfang der 90er-Jahre wollte der gebürtige Tscheche Forststudenten und Auszubildenden der Forstwirtschaft aus seiner Heimat die Gelegenheit geben, für einige Wochen Auslandserfahrung zu sammeln.

SYLVIA GIERLICHS

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BEUREN Seit rund zehn Jahren kommen seither junge Männer und manchmal auch Frauen aus den Orten Trutnov und Pisek im Riesengebirge nach Beuren, um im dortigen Forst mit anzupacken.

Entlang des bei Erholungssuchenden so beliebten Philosophenwegs beispielsweise wurden "Fenster" geschaffen, die es den Spaziergängern ermöglichen, die Aussicht in das schöne Tal zu genießen. Da diese Fenster einigermaßen betreuungsintensiv sind, ist Revierleiter Richard Höhn dankbar für jede helfende Hand, die ihm fachkundig zur Verfügung steht. Ein weiteres Einsatzgebiet der tschechischen Gäste liegt bei der Innentraufpflege, bei der dafür gesorgt wird, dass der Waldbesucher nicht das Gefühl hat, von wucherndem Bewuchs erdrückt zu werden. Zudem erhalten dadurch seltenere Pflanzen bessere Entwicklungsmöglichkeiten. Auf Grund von Trockenheit oder wegen ihres Alters morsch gewordene Bäume müssen gefällt werden, damit sie nicht zur Gefahr für Spaziergänger werden. In einem anderen Gebiet des Beurener Forst wird derzeit ein Nussbaumwäldchen angelegt. Die Idee entstand, nachdem entdeckt wurde, dass sich, wohl durch Vögel, bereits einige Nussbäume angesiedelt hatten.

Bei all diesen Arbeiten packen die jungen Tschechen mit an, und Richard Höhn, der großen Wert auf verantwortungsvolles, weitgehend selbstständiges Arbeiten legt, zeigt sich sehr zufrieden mit ihnen. Von Vorteil dabei ist, dass sowohl das Ausrüstungsniveau in Tschechien mit dem hiesigen vergleichbar ist als auch, dass Waldbau und Holzernte auf ähnliche Weise erfolgen.

Die Heimat der Schüler unterscheidet sich geologisch sehr von der schwäbischen Landschaft am Albtrauf. Das Riesengebirge mit der weithin bekannten 1603 Meter hohen Schneekoppe wird auch als Arktis Europas bezeichnet, da es im Norden mit Karen und Blockmeeren Spuren eiszeitlicher Vergletscherung zeigt. Die Kammregion weist bei zirka 1250 Metern eine waldlose, mit Krüppelholz übersäte Weidehochfläche auf, während die unterhalb liegenden steileren Flanken überwiegend mit Fichten dicht bewaldet sind welch ein Unterschied zu der lieblichen Beurener Umgebung.

Die Kommunikation zwischen deutschen und tschechischen Forstarbeitern funktioniert gut. Verständigungsprobleme gibt es kaum, wenn erst einmal die anfängliche Scheu überwunden ist, da die Tschechen in ihrer Schule eine Deutsch-Klasse besuchen und von einer engagierten Lehrerin gut vorbereitet werden. Die Schule, in der die Ausbildung mit der einer deutschen Fachhochschule vergleichbar ist, in der aber auch in der Abschlussklasse die Möglichkeit besteht, die Abiturprüfung abzulegen, wird als Internat geführt und finanziert sich überwiegend über die Internatsgebühren. Der Tagesablauf in der Schule sieht vormittags Regelunterricht vor, während nachmittags die Ausbildung im Wald erfolgt.

In Beuren werden die jungen Tschechen, die in einem Haus der Gemeinde untergebracht sind, von Albert Ege betreut. Bei solch guter Organisation und Integration kann eigentlich nichts mehr schief gehen, sodass die Schüler mit vielen neuen Erfahrungen und positiven Eindrücke nach Hause zurückkehren.