Lokales

Vom schmucken Giebel bröckelt der Putz

1692 wurde es nach dem Stadtbrand wieder aufgebaut und erfuhr seither vielfältige Nutzungen: Das Spital war unter anderem Rathaus, Schule, Volksküche und Amtsherberge, ehe die Volkshochschule in seinen Mauern heimisch wurde. 1974 wurde das Fachwerk am Südwestgiebel freigelegt. Doch diese Maßnahme rächt sich nun, denn das Holz ist in beklagenswertem Zustand.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Hochbauamtsleiter Wolfgang Zimmer kann nur ungläubig mit dem Kopf schütteln: "Ich bin seit 30 Jahren Architekt, aber davon wurde ich kalt erwischt", meint er beim Anblick der bröckelnden Fachwerkfassade am Kirchheimer Spital. Eine böse Überraschung für Stadtverwaltung und Gemeinderat erbrachte die Untersuchung des Architekten- und Restauratorenteams Stüber und Raff. "Da kann nichts stehen bleiben", kommentiert Jochen Stüber die Möglichkeiten einer fachgerechten Fassadensanierung.

Dass an die Südwand des Volkshochschulgebäudes die Handwerker ran müssen, war schon 2001 klar. Die dafür vorgesehene Summe von 40 000 Euro für einen neuen Anstrich wurde später auf 90 000 Euro aufgestockt. Doch jetzt steht fest, dass weit mehr nötig sein wird. "Die Mehrzahl der Hölzer ist stark beschädigt", erläutert Zimmer mit Blick auf das Fachwerk. Das ist nämlich nicht aus Eichen-, sondern aus weicherem Nadelholz und somit schlichtweg nicht als Sichtfachwerk geeignet.

1974 wurde das gesamte Gebäude vor dem Abbruch bewahrt. Damals erfolgte die Freilegung des bis dato verputzten Fachwerks. Die Geschosse zwei bis fünf litten seither enorm unter der Witterungsbelastung. Dort müsste das Sichtfachwerk komplett mit Eiche aus dem heimischen Stadtwald ersetzt werden. Im ersten Obergeschoss genügt wohl der Austausch einzelner Hölzer. Marode sind zudem viele Fenster, ferner haben die Fachleute Schädlinge ausgemacht.

Der Technische Ausschuss hat das Gebäude bereits besichtigt. Über die weitere Zukunft des Schmuckstücks im Herzen der Stadt an der Fachwerkstraße entscheidet der Gemeinderat. Zuvor sollen erst noch die anderen Gebäudeseiten begutachtet und eine Konzeption erarbeitet werden, die auch das Innere einschließt.

"Um Passanten vor möglicherweise herabfallenden Putzteilchen zu schützen, werden geeignete Maßnahmen wie die Überdachung des Eingangs ergriffen", kündigte Bürgermeister Günter Riemer einstweilen an. Bis tatsächlich Handwerker fachkundig zur Tat schreiten, werden nämlich noch einige Monate ins Land gehen. Das ist nicht nur von Nachteil: Unter dem Dach des bejahrten Gebäudes hausen nämlich Mauersegler. Die Zugvögel halten sich von April bis September in hiesigen Gefilden auf und sollen sich auch heuer wieder im Spital wohlfühlen.