Lokales

Vom Stichel zur modernen Laserschweißmaschine

Was nach Feierabend im elterlichen Haus begann, entwickelte sich mit Risikobereitschaft und Einsatzfreude des Gründers zu einer unternehmerischen Erfolgsgeschichte: Die Bissinger Firma Reichle CNC-Graviertechnik kann heuer auf eine 25-jährige Firmengeschichte zurückblicken.

RICHARD UMSTADT

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BISSINGEN Bereits lange vor der Firmengründung griff Volker Reichle auch noch nach Feierabend im elterlichen Haus in Brucken zum Stichel, um Handgravuren anzubieten und zu fertigen. Nach dem Umzug des Ehepaars nach Jesingen funktionierten Ella und Volker Reichle kurzerhand das Wohnzimmer zum Schauraum für die Kunden um. Mit der Zeit nahmen Arbeit und die Zahl der Kunden zu, die erste manuelle Graviermaschine wurde angeschafft, um auch Formwerkzeuge gravieren zu können. 1976 erfolgte der Umzug nach Bissingen in eine Doppelhaushälfte in der Fabrikstraße. Die Waschküche wurde schalldicht ausgekleidet, die Graviermaschine hineingestellt und nebenberuflich weitergearbeitet bis spät in die Nacht. Freilich konnte mit der Zeit die immer größer werdenden Aufträge nicht mehr nur nach Feierabend erledigt werden. Der Sprung ins kalte Wasser war für Ella und Volker Reichle unvermeidbar, die Betriebsgründung stand an. Und damit auch die Erweiterung der Arbeitsstätte. Die Terrasse wurde unterkellert und ein Verkaufsraum dazugebaut. Die Gravuren in Zinn boomten und "Reichle Gravieratelier" stellte den ersten Mitarbeiter ein. Weitere Aushilfskräfte sollten folgen und die noch etwas holprige Werbung für die Gewerbeschau in Weilheim entwickelte sich zu einer zielorientierten und professionellen Marketingstrategie. Der Name "Reichle Gravieratelier" wurde immer bekannter, auch über die schwäbischen Landesgrenzen hinaus.

Um mit der technischen Entwicklung Stand zu halten, kaufte Volker Reichle eine CNC-Graviermaschine. Mit durchschlagendem Erfolg. Er war damit anfangs alleiniger Anbieter im hiesigen Umkreis, weshalb die Auftragslage steil nach oben ging. Weitere CNC-Maschinen kamen hinzu und die Räume wurden wieder einmal viel zu klein. Der größte Teil des Gartens am Haus in der Bissinger Fabrikstraße wurde geopfert für Büro, Verkaufs- und Empfangsräume sowie Aufenthaltsraum und die neue CNC-Abteilung.

Mit dem Erweiterungsbau änderte sich auch der Firmennamen und aus dem Gravieratelier wurde die "Reichle CNC-Graviertechnik".

Doch Volker Reichle entschied sich nicht nur für einen neuen Firmennamen, sondern machte sich in einem Bereich einen guten Namen, der selbst in Zeiten eines nationalen Paktes zwischen Regierung, Arbeitgebern und Gewerkschaften nicht aus den Schlagzeilen kommt der Lehrlingsausbildung. Gleich Reichles erster Azubi, Markus Weil, startete von 0 auf 100 durch und wurde Bundessieger im Gravurhandwerk. Volker Reichle wollte diesen Erfolg, der für die Ausbildung in seinem Hause sprach, fortsetzen und schuf Platz für weitere Lehrstellen. Und siehe da, auch Michael Herberth, Stefan Schipfer, Simone Reichart und Patrick-Rene Pretsch sowie Daniela Weber erklommen die Siegertreppchen bei den Landes- und Bundeswettbewerbe der Auszubildenden im Gravurhandwerk. Dafür erhielten nicht nur die erfolgreichen Gesellen ihre verdiente Auszeichnung. Die Handwerkskammer Region Stuttgart ehrte ebenso den "Top-Ausbilder" Volker Reichle. "Woher sollen denn die Fachkräfte herkommen, wenn wir sie nicht ausbilden. Der Bedarf ist doch da", lautet Reichles Credo.

Der Mitarbeiterstamm hatte sich durch die ehemaligen "Stifte", die alle übernommen wurden, erweitert und die Firma investierte in neue Maschinen. Dies hatte zur Folge, dass die Räumlichkeiten aus allen Nähten zu platzen drohten. Wie es der Zufall wollte, wurde in einem Nachbargebäude eine Halle frei, in die Reichle CNC-Graviertechnik einzog und die zunächst als Material- und Schilderlager sowie als Montageraum diente. Dann schaffte Volker Reichle kurzerhand eine Laserschweißmaschine an. Die Gewissensfrage, ob dies wohl die richtige Entscheidung war, beantworteten die Kunden mit einem klaren "Ja". Heute, nach einem erneuten Umzug in die Stahlbrunnstraße und damit ins Bissinger Gewerbegebiet, stehen sechs Laserschweißgeräte in der entsprechenden Abteilung. Ein Vorteil der Räumlichkeiten in der Stahlbrunnstraße ist die Ebenerdigkeit: Das Unternehmen ist nicht mehr auf 300 Kilogramm schwere Formen beschränkt, die Produktpalette konnte erweitert werden. Formschleifarbeiten, Polieren, Ätzen, exklusive Schilder anfertigen, Lasergravuren und vieles mehr bietet Reichle CNC-Gravurtechnik an. Inzwischen beschäftigt Volker Reichle hoch motivierte 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter auch seine Sprösslinge Marco und Marina.

Die Firma Reichle ist Zulieferer für die Automobilindustrie, die Spielzeugindustrie, die Druckindustrie und viele andere Branchen.