Lokales

Von 120er-Nägeln, Blumentöpfen und Weihnachtssternen

Nicht Schulbankdrücken war angesagt, sondern freiwillig malochen auf dem Bau, in der Gärtnerei und im Altenpflegeheim. Für viele Schüler in Weilheim und Lenningen war am gestrigen Aktionstag "Mitmachen Ehrensache", ging es doch darum, das verdiente Geld einem guten Zweck zukommen zu lassen.

RICHARD UMSTADT

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Von Weitem schon weist der gelbe Kran in Dettingens Hauptstraße den Weg. Er steht direkt vor dem Rohbau eines Wohnhauses. Auf dem Gehweg parkt der orangerote Pritschentransporter der Bissinger Firma "Holzbau Braun". Hammerschläge dröhnen vom Dach. Oben auf dem Gerüst reicht Timo Clauß, 14, die Rolle Unterspannbahn an Holzbau-Braun-Mitarbeiter Matthias. Anschließend greift der Achtklässler der Weilheimer Grund- und Hauptschule mit Werksrealschule auf Matthias' Anweisung zum Hammer und haut einen 120er-Nagel ordentlich in den Sparren. Kapo Steffen Mack ist zufrieden: "Da kann man nicht meckern." Der Junge aus Hepsisau in den alten Schaffklamotten seines Vaters grinst. Der Job macht nicht nur Spaß, er bringt auch noch Geld, denn Timo arbeitete gestern, wie seine Klassenkameraden und viele andere Schülerinnen und Schüler im Landkreis für die Aktion "Mitmachen Ehrensache".

Just auf diesen Tag bereiteten sich viele Mädchen und Jungs im ganzen Landkreis Esslingen vor und hielten Ausschau nach einem geeigneten Arbeitsplatz. Auf Seiten der Unternehmen wurde die Aktion nicht nur von der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen unterstützt, auch die IHK und die Kreishandwerkerschaft hatten ihre Mitgliedsbetriebe aufgefordert, den jungen Leuten am Aktionstag zu einem Arbeitsplatz zu verhelfen und waren auf Resonanz gestoßen. "Ich bin seit Anfang an dabei", berichtet Holzbau-Braun-Chef Karl-Heinz Elser. "Es ist nun bereits das vierte Mal."

"Meine Schülerinnen und Schüler sind alle untergekommen", freute sich Jutta Kopper, Klassenlehrerin der Weilheimer 8 a. Seit Jahren engagiert sie sich für das Projekt, "und auch meine neuen Achtklässler ziehen mit, plus einige Neuner." Jutta Kopper bestätigte die positiven Aspekte der Aktion: "Für die Jugendlichen ist "Mitmachen Ehrensache" ein toller Einstieg in die Arbeitswelt. Da könnte für manchen sogar eine Praktikumsstelle rausspringen." Und weil die Schüler ihren Arbeitslohn spenden, erfahren sie zugleich das gute Gefühl, etwas für andere zu tun. So wie Timos Mitschülerinnen Sarah und Katja. Sie halfen in der Neidlinger Gärtnerei Böhm mit, einen halben Tag lang Geranien einzutopfen. Oder wie die vier Jungs aus der 8 a, die bei der Weilheimer Firma Karl Fischer in der Werkstatt und der Waschhalle mit anpackten. Oder wie die Schülerinnen und Schüler der Bissinger Hauptschule, Klasse acht und neun, die ebenfalls für "Mitmachen Ehrensache" in verschiedenen Firmen und in einem Kindergarten arbeiteten. Auch die Klasse 7 a der Grund- und Hauptschule Lenningen jobbte einen halben Tag lang im "Haus im Lenninger Tal". Mit 18 Schülerinnen und Schülern sowie ihrer Klassenlehrerin, Andrea Geltz, waren sie in der Altenpflegeeinrichtung der Evangelischen Kirche zu Gange. Einige der Siebtklässler gingen mit Bewohnerinnen und Bewohnern und einer Mitarbeiterin spazieren. Andere bastelten mit den alten Menschen Weihnachtssterne und spielten Gesellschaftsspiele, und drei Schülerinnen gingen dem Reinigungsteam zur Hand.

"Es waren wertvolle Begegnungen", äußerte sich Andrea Geltz sehr zufrieden über den Aktionstag. Sowohl von Hausdirektor Tobias Lechner und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als auch von den Heimbewohnern habe es nur positive Rückmeldungen gegeben. "Und das ist für unsere Hauptschüler sehr wichtig." Von Bedeutung für die Mädchen und Jungen sei auch gewesen, durch ihren Arbeitseinsatz einen ersten Einblick in den sozialen Bereich erhalten zu haben.

Im vergangenen Jahr nahmen im Landkreis Esslingen rund 420 Jugendliche aus 31 Schulen aller Schulformen, von Ostfildern bis Weilheim, an dieser landesweiten Aktion teil. Dabei wurde an einem einzigen Tag die stolze Summe von über 10 000 Euro erarbeitet, über deren Verteilung die "Botschafterinnen" und "Botschafter" entschieden haben. "Es hat sich bewährt, dass die jungen Leute, die maßgeblich zum Gelingen der Aktion beitragen, über die Verwendung des von ihnen und ihren Mitschülern erarbeiteten Geldes entscheiden", sagte der Geschäftsführer des Kreisjugendrings Esslingen KJR, Kurt Spätling. "Wir werden deshalb auch 2007 wieder so verfahren."

Einen endgültigen Überblick über die Teilnehmerzahl der Schulen und Schüler am Aktionstag im Landkreis besitzt der Kreisjugendring noch nicht. "Es werden uns immer noch Arbeitsverträge nachgemeldet", teilte Steffi Ehrhardt, beim KJR zuständig für "Mitmachen Ehrensache", mit. Sie schätzt jedoch, dass in etwa die Zahl des vergangenen Jahres erreicht werden könnte.