Lokales

Von alten Katzennamen und Steinzeit-Statuen

RÖMERSTEIN Ein interessantes Buch hat Jürgen Meyer über die Region Neckar-Alb geschrieben. Es ist kein wissenschaftliches Werk, es soll vielmehr als unterhaltsame und leicht verständlich geschriebene Lektüre Lust auf Geschichte und eigene Entdeckungstouren machen. Spannend und interessant ist es deshalb, weil sich der Autor nicht scheut, ungewohnte Thesen aufzustellen. So befasst sich beispielsweise das Kapitel "Steinzeit-Statuen" mit den "Gesichtern" von Felsen. "Hat auch Urach ein ,Mount Rushmore' mit vier riesigen Gesichtsprofilen im Felsgestein?", heißt es in einer Bildunterschrift, auf dem Bild sind in der Tat mit etwas Fantasie vier Köpfe zu erkennen. Mount Ruhsmore ist das monumentalste Kunstwerk Amerikas, das die Köpfe von vier bedeutenden US-Präsidenten zeigt. Dass der Volksmund schon immer Gesichter in Steinen gesehen hat, beweisen zahlreiche Namen wie beispielsweise eine moderene Form "Indianerkopf".

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Auch dem Alblimes ist ein Kapitel gewidmet, wobei der genaue Grenzverlauf über die Alb noch unerforscht im Dunkeln liegt. Möglicherweise lag östlich von Donnstetten eine römische Zivilsiedlung, auf einem Foto hebt sich eine künstliche Linie unter dem Schnee ab. Der Autor vermutet, dass bei Donnstetten die Fernstraße vom Oberrhein-Baar-Neckartal über Köngen auf den Alb-limes stieß. Die Entfernung zum nächsten Kastell Urspring betrug knapp 29 Kilometer, nach Gomadingen waren es rund 23 Kilometer.

Von "mysteriösen Riesenkatzen" ist in dem Buch ebenfalls die Rede. Katzennamen sind uralt: Katzenbach, Katzenberg oder Katzentäle zeugen von einer engen Bindung zwischen Mensch und Tier, der Gedanke liegt nahe, dass am Albrand der vorchristliche Glaube in Flurnamen weiterlebt. Und mancher Bauer feiert heute noch "Heukatz", jenen Tag, an dem der letzte Wagen Heu eingebracht ist.

Das Buch legt nahe: Es gibt wohl kaum eine andere Gegend, die so viele bedeutende, aber zugleich auch geschichtlich rätselhafte Orte vorzuweisen hat wie die Region Neckar-Alb. Ausgehend von deren geografischem Mittelpunkt wurden von dem Autor Jürgen Meyer viele sagenumwobene, kaum bekannte Stätten aufgesucht.

Es geht um die Epochen der Heimatgeschichte, die "Im Schatten der Vergangenheit" liegen. Angefangen in der verblüffend hoch entwickelten Steinzeit bis hin zum kulturellen Tiefpunkt während des Dreißigjährigen Krieges.

Wenige der vorgestellten Plätze sind bekannt sie liegen im Radius von Rottenburg über Römerstein und Riedlingen bis Rottweil und umfassen grob die Landkreise Reutlingen, Tübingen und Zollern-alb.

Das vorliegende Werk ist, wie auch die zwei bisher erschienenen Bände "Archäologische Geheimnisse" und "Rätsel der Geschichte", kein wissenschaftliches Buch, es regt jedoch zum Denken an.

Der Autor Jürgen Meyer, Jahrgang 1964, dokumentiert seit über zwei Jahrzehnten mit der Fotokamera Land und Leute in der Region Neckar-Alb. Der Redakteur ist in Belsen aufgewachsen und lebt dort. Sein Buch will er als Sammlung meist kaum mehr bekannter heimatkundlicher Geschichten verstanden wissen.

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INFODas reich bebilderte Buch "Im Schatten der Vergangenheit Sagenumwobene Stätten zwischen Neckar und Alb" von Jürgen Meyer ist im Verlag Oertel + Spörer, Reutlingen, erschienen; ISBN 3-88627-270-2.