Lokales

Von Betongurten und gefährlichen Begegnungen

Gute Nachricht für den Verkehr auf die Schwäbische Alb: Die Ochsenwanger Steige ist ab heute wieder frei. Die Sperrung wurde aufgehoben. Im kommenden April soll die insgesamt rund eine Million Euro teure Sanierung laut Projektleiter Jörg Gärtner vom Straßenbauamt des Landratsamtes fortgesetzt werden.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM/BISSINGEN Noch am vergangenen Montag sammelten sich bunte Blätter an den Betonleitwänden der Baustellenabsicherung auf der Ochsenwanger Steige. Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Die Betonwände sind verschwunden. In dieser Woche wurden auch die Kanten zwischen alter und neuer Fahrbahn abgefräst und im Baustellenbereich gelbe Fahrbahnmarkierungen aufgebracht. Heute und nächste Woche richten die Bauarbeiter die Entwässerungsschächte. Bis zum Abschluss dieser Maßnahme regelt eine Ampel den halbseitig geführten Verkehr auf der Steige. "Die zweite Ampel ist nicht mehr notwendig", erklärt der verantwortliche Projektleiter im Straßenbauamt, Jörg Gärtner.

Während der Bus zwischen Bissingen und Ochsenwang bereits die Steige passieren darf, ist diese für die Brummis noch bis Ende nächster Woche gesperrt. Damit ist der mit 17 Prozent in der oberen Kehre steilste Albanstieg des Landkreises Esslingen ab 27. November für den gesamten Verkehr wieder frei.

In diesem Jahr wurden 800 Meter der insgesamt 4,6 Kilometer langen Bissinger Steige, die im Volksmund als Ochsenwanger Steige firmiert, im oberen, steilen Bereich zunächst auf der talseitigen Fahrspur gerichtet. "Dieser Teil war in einem sehr schlechten Zustand", sagt Jörg Gärtner. Die parallel dazu verlaufenden 800 Meter der Hangseite wird die Baufirma im nächsten Jahr in Angriff nehmen. Der Projektleiter schätzt die Bauzeit auf etwa drei Monate. Dabei wird das Straßenbauamt jedoch auf eine Vollsperrung drängen. Zum einen, weil der Endbelag auf der vollen Straßenbreite angebracht werden muss und zum anderen, weil die Männer vom Straßenbauamt gebrannte Kinder sind. "Wir waren so gutmütig und haben nur halbseitig gesperrt", erinnert sich Jörg Gärtner mit Schrecken an die Folgen. "Sie können vor der Steige so viele Sperrschilder aufstellen, wie sie wollen, die LKW- und Radfahrer sind doch durchgefahren. Das Chaos war perfekt." Die Brummis mussten zum Teil an der oberen Haarnadelkurve vor Ochsenwang an den Schlepphaken genommen werden, und einige leichtsinnige Radler begaben sich in lebensgefährliche Situationen. "Wir sind froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist."

Die Sanierung war rechtzeitig geplant worden, wie Gärtner sagt. Der Kreistag hatte dafür im März grünes Licht gegeben. Nach der Ausschreibung wurden die Arbeiten am 13. Juli vergeben, wobei das Straßenbauamt mit einem alsbaldigen Beginn rechnete. Die Baufirma ließ die Straßenplaner jedoch den ganzen Sommer über hängen und rollte erst am 11. September mit dem Bagger an. Die Verzögerung konnte jedoch mit viel Glück gerade noch rechtzeitig ausgeglichen werden. "Die haben teilweise mit drei Kolonnen auf der Steige gearbeitet", berichtet der Projektleiter, der fast täglich vor Ort war und der nicht nur den Albanstieg bei Bissingen kennt wie seine Westentasche. Jörg Gärtner hat in seiner Laufbahn beim Straßenbauamt etliche Albsteigen, darunter die Hepsisauer und die Gosbacher Steige, saniert.

"Das sind alles alte Straßen, die im Unterbau nicht mit neuen vergleichbar sind." Bergseitig sitzen diese Fahrbahnen auf Fels und zum Tal hin auf Hangschuttschichten, die mit der Zeit durch Witterungseinflüsse und Schwerlastverkehr "wegkriechen". Das heißt, die Fahrbahn setzt sich. Diese Unebenheiten können zwar eine Zeit lang durch Asphalt ausgeglichen werden, doch irgendwann ist mit der Flickschusterei Schluss. Dann muss, je nach Schadensart, entweder ausgekoffert und neu aufgefüllt werden, oder aber der Untergrund wird mit Drahtgitterbehältern, sogenannten Gabionen, verstärkt. Bei der dritten und teuersten Sanierungsart, die ebenfalls auf der Ochsenwanger Steige zum Zuge kam, wurden Injektionslanzen in den Untergrund bis auf den Fels gebohrt und unter hohem Druck ein Zement-Sand-Gemisch eingepresst. Die Zementmilch stieg dann in den Bohrungen hoch und wurde hart. Diese "Anker" bildeten die Basis für die Betongurte darüber, an die anschließend die Leitplanken auf der Talseite befestigt wurden. Ein laufender Meter Injektionslanze plus Betongurt kostet 1 000 Euro, "weshalb wir diese Art der Sanierung auf das Allernotwendigste beschränkt haben", sagt Jörg Gärtner.

Wenn im Sommer 2007 der zweite Teil des ersten Bauabschnitts gerichtet sein wird, ist der obere Bereich der Ochsenwanger Steige saniert. "Die anderen Abschnitte der Steige zwischen Bürgle und Waldrand sowie im unteren Bereich bis zum Naberner Sportgelände sind nicht ganz so schwierig wie dieser erste", blickt Jörg Gärtner in die Zukunft. Doch vor der Sanierung dieser Teilstrecken ist wieder der Kreistag gefragt.