Lokales

Von der Mautflucht und dem"Forfour-Effekt"

KIRCHHEIM Einer Statistik, die er nicht selbst gefälscht habe, traue er nicht, soll Winston Churchill einst geäußert haben. Ähnlich misstrau-

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IRENE STRIFLER

isch im Hinblick auf brisantes Zahlenmaterial sind längst die Ötlinger, allen voran Ortsvorsteher Hermann Kik. Dabei will er sich und die Seinen keinesfalls mit Verweisen auf verzerrte persönliche Wahrnehmung abspeisen lassen. Doch laut aktueller Verkehrszählung (der Teckbote berichtete gestern) rauschen nicht mehr Lkws als vor Einführung der Mautpflicht auf Autobahnen durch den Ort. Ein Ergebnis, das so manchen verwundert und auch im Technischen Ausschuss der Stadt für Diskussionen sorgte.

In Ötlingen mehrt sich die Zahl derer, die zwar nicht an den nackten Zahlen, wohl aber an den Hintergründen zweifeln. Für sie brach Kik erwartungsgemäß eine Lanze. So fragte der kämpferische Ortsvorsteher voll Ironie, weswegen just am Tag der Zählung keine der Speditionen aus der Region auf der L 1200 anzutreffen gewesen sei. Hatten sich die Fahrer gar angesichts der unübersehbar unter bunten Schirmen am Straßenrand postierten Zähler per Funk verständigt? Der Öbi-Vertreter und seine engagierten Ötlinger setzen nun auf weitere Zählaktionen, diesmal mit Tarnung.

Andere im Rund nahmen die Ergebnisse gelassen auf. Vom erfreulichen Nebeneffekt, dass eine erkleckliche Anzahl von Radfahrern auf dem Radweg neben der Hauptstraße gezählt wurden, sprach Grünen-Fraktionsvorsitzender Christoph Tangl. Die Zunahme der Lkws verwies er angesichts des Zahlenmaterials in den Bereich der subjektiven Wahrnehmung und illustrierte dies mit einem Vergleich: Ein Freund habe sich unlängst einen Forfour gekauft, und seither erspähe er allerorten diese Vehikel. Den "Forfour-Effekt" bestätigte in fraktionsübergreifender Übereinstimmung CDU-Vertreter Mathias Waggershauser.

Von subjektivem Gefühl will jedoch Hermann Kik nichts wissen. Er wehrte sich vehement dagegen, den Bürgern eine falsche Wahrnehmung zu unterstellen. Eine Verfahrensweise, die seiner Meinung nach nur dazu gut ist, die weitverbreitete Politikverdrossenheit zu fördern. Inhaltliche Rückendeckung bekam Kik von Wolfgang Lipp (Freie Wähler), der das Phänomen der Mautflucht generell aus seiner Warte als Tankstellenbetreiber bestätigte. Was Kirchheim speziell anbelangt, hält Lipp eine Verkehrszählung erst im kommenden Jahr für sinnvoll. Zu verzerrend seien die Einflüsse der zahlreichen Baustellen in und um die Stadt, speziell in Richtung Freitagshof.

Momentan ist jedenfalls kaum mit weiteren erhellenden Erkenntnissen zu rechnen. "Warten wir die Aussagen des Landes ab", meinte Bürgermeister Riemer. In Planung ist allerdings schon eine Verkehrszählung für den Bereich Jesingen/Weilheim/Holzmaden.

Aufgeschnappt"Da darf man nicht mit dem Chef reden, da muss man mit den Fahrern reden!" Ötlingens Ortsvorsteher Hermann Kik zum Thema Mautflucht der Speditionen.