Lokales

Von der Theorie zurück in die Praxis

Er ist zwar bereits vor zwei Monaten in der ehemaligen Reichsstadt angekommen, doch bislang war noch keine Gelegenheit, den neuen Leiter der Esslinger Kriminalpolizei offiziell in sein neues Amt einzuführen. Dies wurde nun nachgeholt. Polizeipräsident Konrad Jelden hieß gestern im Rahmen einer kleinen Feierstunde Karl-Heinz Ortenreiter willkommen.

CLAUS HINTENNACH

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ESSLINGEN Mit Lob für den neuen Kripo-Chef wurde gestern nicht gegeizt. Hans-Dieter Wagner, der ebenfalls noch nicht lange im Amt weilende neue Leiter der Polizeidirektion Esslingen, nannte Ortenreiter einen ausgemachten Profi. Jelden sprach von einem Vollblutkriminalisten mit hoher fachlicher Kompetenz. Und auch der Vertreter des Landkreises, der Erste Landesbeamte Mathias Berg, kam angesichts Ortenreichs eindrucksvollem Lebenslauf ins Staunen. Reichlich Vorschusslorbeeren für den 49-Jährigen, der zuletzt an der Polizeiakademie in Freiburg Führungskräfte ausbildete und nun wieder den Weg in die kriminalistische Praxis suchte.

Karl-Heinz Ortenreiter löste Helmut Mauderer ab, der zum 1. Juli als Leiter der Polizeidirektion Göppingen einen Wechsel und einen Karrieresprung vollzog. Seit August ist der Neue nun in Esslingen. Gut eingelebt habe er sich in dieser Zeit, engagierte und qualifizierte Mitarbeiter habe er vorgefunden. Ortenreiter ist Chef von 143 Kripobeamten in Esslingen und den Außenstellen Nürtingen, Kirchheim und Filderstadt. Ortenreiter, der nicht nur Kripo-Chef sondern auch Wagners Stellvertreter ist, ist zwar mit einigen Ideen und Vorstellungen an den Neckar gezogen. Doch vor deren Umsetzung will er sich erst einmal noch weiter genau in der Dienststelle umschauen und sich ein Bild von der Arbeit und den Strukturen machen. Als Grund für den Wechsel von der Lehre in die Praxis gibt Ortenreiter zwar an, dass er es gerne mit der tatsächlichen Kiriminalität zu tun habe, allerdings gibt er auch zu: Ich wollte wieder näher bei der Familie sein. Seit vier Jahren hat Ortenreiter eine Fern- und Wochenendbeziehung von Freiburg nach Sersheim bei Vaihingen/Enz und zu Ehefrau und den drei Kindern geführt. Das hat nun ein Ende. Esslingen ist doch deutlich näher.

Karl-Heinz Ortenreiter begann seine Karriere im Jahr 1976 in Stuttgart. Angefangen als Kriminalanwärter hat er es heute bis zum Kriminaldirektor gebracht. Seine Erfahrungen sind vielfältig. Der Motorradfahrer und Ex-Handballer war bei der Mordkommission, er hatte da auch in der Soko Hells Angels zu tun, bekämpfte organisierte Kriminalität, griff nach der Wende den sächsischen Kollegen unter die Arme. Und er war auch beim Staatsschutz beschäftigt Jelden bezeichnete ihn gar als Terrorismusexperte , ehe er an die Polizeiakademie wechselte. Der Polizeipräsident ist denn auch gespannt, wie Ortenreiter als Führungskraft, die früher Führungskräfte ausbildete, Theorie und Praxis harmonisch zusammenfügt. Ortenreiter legt denn auch Wert auf Kommunikation, ein Miteinander im Team, Mitarbeitermotivation und eben der Schulung von Führungspersonal. "Ich will niemanden mit meinen Ideen überraschen", sagt er.

Gestern genoss Ortenreiter erst einmal den Tag unter Freunden, ehemaligen und neuen Kollegen, Vertretern von Staatsanwaltschaft und Politik sowie der Familie. Die Freude auf die neue Aufgabe wurde in diesem für ihn ungewohnten Rahmen der Amtsführung noch verstärkt.