Lokales

Von der Vielfalt der Kulturen magisch angezogen

"Reisen" kommt wie aus der Pistole geschossen die Antwort von Maike Schantz aus Dettingen auf die Frage, was sie denn am liebsten mache. "Da geht mein ganzes Geld hin", wird gut 8 000 Kilometer von zu Hause entfernt unter der Tropensonne Afrikas humorvoll angemerkt. Seit Anfang Oktober absolviert die 19-Jährige in dem Projekt des deutsch-madagassischen Vereins Ny Hary in dem Städtchen Miarinarivo ein ehrenamtliches Praktikum.

KLAUS HEIMER

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DETTINGEN/MIARINARIVO Bereits lange vor dem Abitur im Juni 2007 am Ludwig-Uhland-Gymnasium in Kirchheim ist die junge Frau auf die Suche nach einer Stelle auf Zeit im Bereich des Indischen Ozeans gegangen. "Ich wollte unbedingt in diese Ecke der Welt. Die Vielfalt der Kulturen, die friedlich nebeneinander leben, hat mich fasziniert und fast magisch angezogen." Bei einem Tag der offenen Tür der Arbeitsgemeinschaft entwicklungspolitischer Gutachter (AGEG) im Frühjahr 2006 in Kirchheim wurden erste Kontakte zu Dr. Dieter Büschelberger von "Ny Hary" geknüpft, dessen Sohn Stefan seit nunmehr drei Jahren auf der viertgrößten Insel der Welt ein Schülerspeisungsprojekt und ein Wohnheim für 75 Jungen und Mädchen betreibt, deren Familien weit weg vom Schulstandort leben und die ohne die württembergische Hilfe keine Chance hätten, den Unterricht zu besuchen.

Nach der Reifeprüfung jobbte Maike Schantz zwei Monate bei Daimler in Stuttgart, hatte Chefs und CD-Roms durch die Gegend gefahren und das verdiente Geld für den viermonatigen Trip in die Heimat von Pfeffer und Vanille erarbeitet.

In Madagaskar hat sich Maike schnell eingelebt. Die herzliche Aufnahme durch Stefan Büschelberger, seine einheimische Ehefrau Yvette und die Kinder haben maßgeblich dazu beigetragen, dass sie sich in der Heimat von Pfeffer und Vanille wohl fühlt. In dem Zentrum "Antseranantsoa" (bedeutet "der sichere Hafen") wurde gerade eine Bücherei mit 1 500 Bänden eingerichtet. "Ich animiere die Kinder, die Nachschlagewerke insbesondere bei den Hausaufgaben auch eifrig zu nutzen. Wichtig ist auch, das wir viel gemeinsam reden in Französisch." Maike Schantz hat in dieser Sprache im Abitur sehr gut abgeschnitten und auch erste Brocken in der zweiten Landessprache Malagasy kommen ihr schon flott über die Lippen.

Darüber hinaus werden derzeit Vorbereitungen für das bevorstehende Christfest getroffen, Dankkarten für die deutschen Vereinsmitglieder, Paten und Sponsoren gestaltet und Lieder und Tänze für die Weihnachtsfeier einstudiert.

Die 19-Jährige kann auf mehrjährige pädagogische Erfahrung zurückblicken: Bei den Sportfreunden Dettingen hat sie in der Schwimmabteilung Kindergruppen erfolgreich trainiert und beim Verein Brückenhaus in Kirchheim bei Ferienprogrammen und Aktionen zu Weltkindertagen mitgewirkt. "Es macht viel Freude, die Fortschritte bei den madagassischen Mädchen und Jungen besonders im sprachlichen Bereich zu sehen. Dabei möchte ich ihnen auch in den nächsten Wochen noch helfen." Spielerisch wird den verschiedenen Altersgruppen Wissen vermittelt. Auch an Wochenenden wird gearbeitet, alles auf Vordermann gebracht. Die Kinder des Heims waschen ihre Kleidung selbst, helfen beim Großreinemachen der Gemeinschaftsräume und nehmen an Fortbildungskursen in den Bereichen Ackerbau, Viehzucht und Gesundheit teil. Die hierbei erworbenen Kenntnisse können sie dann zu Hause ihren Eltern und Geschwistern weiter vermitteln. "Die Eheleute Büschelberger leisten dabei eine Wahnsinnsarbeit, sieben Tage die Woche."

Mitte Dezember haben sich die Eltern von Maike, Martin und Martina Schantz, in Madagaskar angesagt. Natürlich wird das Kirchheimer Projekt besucht, bevor eine touristische Erkundungstour Richtung Süden mit Abstechern in Nationalparks unternommen wird. Ende des Jahres geht es dann noch für einige Tage auf die zu Frankreich gehörende Nachbarinsel La Reunion.

Vor Studienbeginn im April oder Oktober 2008 möchte Maike dann noch für einige Zeit in ein spanischsprachiges Land, um ihre Kenntnisse auch hier weiter zu vertiefen. Studienmäßig sei sie nach allen Richtungen offen, von Medizin bis Sprachen. Halt irgendetwas Internationales. Ihr Studienwunschort stehe allerdings schon fest: Freiburg im Dreiländereck. Man ist von dort schnell in Frankreich, in den Bergen und auch an Baggerseen zum Schwimmen. Neben Schwimmen werden Lesen und natürlich Reisen als weitere Hobbys genannt. Im Rahmen eines Schüleraustauschprogramms war sie bisher einen Monat in den USA. Madagaskar sei für sie der erste lange Aufenthalt fern der Heimat.