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Von Fackelträgern, Glühwein und Posaunenklängen

AICHELBERG In der Dämmerung versammeln sich die ersten Wanderwilligen vor dem Aichelberger Bürgerhaus. Gut ausgerüstet muss man für die Bergbesteigung

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ANJA WEISSINGER

sein: Mütze, Schal und Wintermantel, vor allem aber festes Schuhwerk, damit der matschige Pfad nicht zum Verhängnis wird. Als die Nacht schließlich hereinbricht, setzt sich der Lichterzug langsam in Bewegung. Prozessionsartig und beinahe mystisch schlängeln sich die Flammen in der Dunkelheit den steilen Pfad hinauf und legen sich als Lichterkranz um den schwarzen Berg auf Fremde mag diese alte Aichelberger Tradition vielleicht sogar unheimlich wirken. Die feierlichen Klänge von Posaunen und Trompeten hallen durch die Dunkelheit, locken die Fackelträger bereits auf halber Strecke und erleichtern damit den Aufstieg

Oben auf dem Berg wartet längst das große Höhenfeuer auf die erschöpften und frierenden Wanderer. Die grandiose Aussicht auf das endlose Lichtermeer, das man in sternenklarer Nacht von oben bewundern kann, entschädigt dann für so manche Mühe. Nach besinnlichen Worten von Pfarrer Johannes Hoeltz und einer Begrüßung durch Bürgermeister Martin Eisele kann sich keiner der Fackelträger mehr der weihnachtlichen Stimmung entziehen. Als die Musizierenden dem kalten Blech dann noch ganz warme Melodien wie "Oh du fröhliche" entlocken, bleibt keine Kehle mehr still. Mit heißem Tee und Glühwein können sich die Lichterträger am Ende noch von innen wärmen, und für den Abstieg stärken.

Mit der Wintersonnwende, dem kürzesten Tag im Jahr, endet die dunkle Zeit des Jahres. Ursprünglich lässt sich der Aichelberger Fackelzug auf einen alten heidnischen Brauch zurückführen. Mit Fackeln und großen Feuern wurde, vor allem in nördlicheren Gefilden, das neue Licht begrüßt.

Bereits seit 1980 gibt es den Aichelberger Fackelzug. Die Motivation der Initiatorin Gudrun Keller war jedoch weniger, das Mittwinterfest zu feiern. "Zu Weihnachten soll auch die Gemeinde den Bürgern etwas schenken!" betont sie. Beim Fackelzug zählt für sie das Miteinander und die "herzliche und warme Atmosphäre" Der Lichterzug ist eindeutig ein kleines Highlight im Aichelberger Terminkalender. "Der Fackelzug gehört einfach zum Advent!", bestätigt eine erfahrene Fackelträgerin. Für sie ist es wichtig, "ein bisschen Licht in die sonst so dunkle Zeit zu bringen". Auch Bürgermeister Martin Eisele ist beeindruckt von der "tollen Atmos-phäre", die sich ihm auf dem Gipfel bietet: Lodernde Flammen und glühender Wein sorgen eben für die ganz besondere Stimmung, bei Nacht auf dem Aichelberg.