Lokales

Von Flickwerk und aus dem Dornröschenschlaf erweckten Spielplätzen

Bei der jüngsten Sitzung des Lenninger Gemeinderats standen die Haushaltsreden der fünf Wählervereinigungen im Mittelpunkt. Dabei brachten die Gemeinderäte einige neue Ideen mit ins Spiel.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Den Reigen der Stellungnahmen eröffnete die Bürgerliche Wählervereinigung (BWV), da Bürgermeister Michael Schlecht anhand des Wahlerfolgs die Reihenfolge der Reden festlegte. "Für die Schulen wird von der Verwaltung vorgeschlagen, das Schulbudget zu erhöhen. Dies sollte in diesem Jahr im Zusammenhang mit dem Abmangel von rund 320 000 Euro nochmals zurückgestellt werden", erklärte Roland Sailer (BWV). Die Fertigstellung von Grundschule, Pausen- und Spielplätzen an Schulen sowie laufende und immer höher werdende Kosten der Ganztagsschule würden jetzt schon eine beachtliche Summe verschlingen, so seine Argumentation. Mit Augenmaß seien die Spiel- und Bewegungsflächen in Schulen und Kindergärten vorrangig zu behandeln. "Als dringlich sind auch die Hochwasserschutzmaßnahmen anzusehen. Sie sind umgehend und ohne weitere Zeit zu verlieren zu planen. Allerdings sind die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde zu berücksichtigen", erklärte Roland Sailer weiter. Den Spielplatz im Buch für 150 000 Euro lehnt die BWV für dieses Jahr ab und möchte das Augenmerk mehr auf innerörtliche Spielplätze richten dieser Ansicht sind übrigens alle Lenninger Wählervereinigungen.

"Trotz sprudelnder Haushaltseinnahmen der Kommunen haben wir wieder einmal eine negative Zuführung zum Vermögenshaushalt", kritisierte Wolfgang Tröscher im Namen der Allgemeinen Wählervereinigung (AWV). Eine schwache Gewerbesteuer und eine Flächengemeinde, die viele Aufgaben zu erfüllen hat, sind dafür die bekannten Gründe. Das vorgesehene Gutachten über die Struktur des Bauhofes betrachtet die AWV kritisch. Nicht zufrieden ist sie mit der Vorgehensweise beim Hochwasserschutz. Wie bereits schon in seiner Rede im vergangenen Jahr, forderte Wolfgang Tröscher eine unverzügliche Umsetzung. An der grundsätzlichen Bereitschaft für die Mehrzweckhalle in Unterlenningen hält er fest, um aber eine Entscheidung über den gewünschten Sporthallenanbau treffen zu können, bleibt seiner Ansicht nach das Ergebnis der Klausurtagung abzuwarten. Ferner wünscht sich die AWV, dass die Gemeindestraßen am Stück ausgebessert werden sollen und nicht als "Flickwerk".

"Der frühkindlichen und vorschulischen Erziehung, einschließlich dem Sprachvermögen, wird eine Schlüsselfunktion zugeschrieben, nämlich für den Zugang und die gerechte Teilhabe an unserer Gesellschaft. Jeder eingesetzte Euro wird hier besser verzinst als auf einem Wertpapierkonto", sagte Inge Kodera von der Freien Frauenliste. Daher spricht sie sich klar gegen ein Sparen an Kindergärten, Schulen, Kultur, Sozialem sowie Sport und Erholung aus. Sie unterstützt auch den Antrag der Hauptschule, die Stundenzahl der Sekretärin aufzustocken. "Hallen und Plätze sind ein Muss für Lenningen", so ihre Einschätzung. Die Kapazitäten seien für einen motivierenden, effektiven Trainingsbetrieb nicht ausreichend. Zudem sei Vielfalt gefragt. "Dazu gehört auch die Musikschule. Seit Jahren sucht sie eine passende Heimat", sagte Inge Kodera weiter. Sie stellte daher den Antrag, bei der Aufstellung des Raumprogramms für die Turn- und Festhalle Unterlenningen die Musikschule mitzubeteiligen. "Die Spielplätze werden aus dem Dornröschenschlaf aufgeweckt", erklärte sie ferner und freut sich über die regen Elterngruppen, die diesen Prozess mit Interesse und Engagement begleiten werden.

"Heute wissen wir, dass bedeutungsvoll gestaltete und anregungsreiche Räume und Umwelten die Entwicklungsprozesse von Kindern und Jugendlichen herausfordern und unterstützen. Wir unterstützen daher nachdrücklich den Investitionsrahmen im Entwurf bezüglich der Spiel- und Bewegungsfreiflächen", sagte Georg Zwingmann von der Lenninger Grünen Alternativen Liste. Allerdings soll der Spielplatz "Im Buch" auf 2011 verschoben werden, zugunsten einer kurzfristigen Realisierung von guten Spielplätzen in allen Ortsteilen, um dadurch die Aufenthalts- und Treffpunktqualität zu verbessern. Er befürwortete ausdrücklich den geplanten Arbeitskreis einschließlich der Initiative "Frizle". Damit die Einführung des Orientierungsplans gelingt, beantragte er den Grundsatzbeschluss für die Schaffung der Fachberatungsstelle Kindertagesbetreuung. Er ist für die Erhöhung des Schulbudgets und stellte ferner den Antrag für eine Klausurtagung zum Thema Energieeinsparung.

Dieter Beuttel von den Unabhängigen Bürgern Lenningen (UBL) sprach sich für eine optimale Hallensituation in Unterlenningen aus. Er forderte umgehend ein planerisches, ganzheitliches Konzept. "Nachdem Bedarfsermittlungen der Sportvereine vorliegen und entsprechende Planungen mittelfristig vorgenommen werden sollten, kann dies trotzdem momentan kein Thema der jetzigen Haushaltsberatung sein", sagte er bezüglich einer Ballsporthalle. Den wiederholten Anträgen der Schulen, die Sekretärinnenstunden zu erhöhen, stimmte er zu. Wie schon in seinen vergangenen Haushaltsreden plädierte Dieter Beuttel für eine schnelle Zusammenführung der Verwaltungsstandorte Ober- und Unterlenningen. "Ich beantrage deshalb erneut, dieses Vorhaben vorzuziehen und im Haushaltsplanentwurf spätestens für das Jahr 2010 aufzunehmen", erklärte er.