Lokales

Von Flößern, Lauten und Geigen

KIRCHHEIM Bei der Ankunft in Füssen wartete bereits ein Stadtführer, der der Seniorengruppe die Altstadt zeigte. Er plauderte über die Vergangenheit und die Entstehung der Stadt. Er sprach hochdeutsch mit alemannischem Akzent. Die Verwunderung der Zuhörer blieb ihm nicht verborgen und so gab er auch gleich die Erklärung dazu ab. Das Ostallgäu wurde von Alemannen besiedelt und gehört heute noch zu Bayerisch Schwaben.

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Füssen hat 13 000 Einwohner, aber einen großen Bekanntheitsgrad und ist Anziehungspunkt für Gäste aus aller Welt. Auch die Römer waren einst hier. Die mittelalterliche Altstadt war von einer Stadtmauer umgeben. Diese wurde später nach Osten erweitert, die Sankt-Sebastians-Kirche und der alte Friedhof wurden mit einbezogen. Ein massiver Pulverturm aus dieser Zeit ist noch erhalten. Auch das 1628 gegründete Franziskanerkloster war innerhalb der erweiterten Stadtmauer. Zurzeit leben noch fünf Patres in diesem Kloster.



Von der Anhöhe des Franziskanerplatzes aus ergibt sich ein schöner Ausblick auf das Hohe Schloss und das Kloster Sankt Mang. Im Hohen Schloss ist die Stadtverwaltung untergebracht und das höchstgelegene Amtsgericht Deutschlands. Das Kloster Sankt Mang wurde säkularisiert und gehört seit 1909 der Stadt. Unterhalb des Franziskanerklosters befindet sich das Bleichertor, das einzige noch vollständig erhaltene Stadttor. Das außerhalb folgende Ufergelände war die Stadtbleiche. Auf sonnigen Halden wurde seinerzeit die Allgäuer Leinwand gebleicht. Eine einstmals florierende mechanische Seilerei existiert auch heute noch, aber als eine der wenigen Leinwebereien in Deutschland.



Die ersten Gewerbetreibenden in

































Füssen waren die Flößer. Die gleichnamige Gasse erinnert noch daran. Sie beluden ihre Flöße mit Waren verschiedenster Art und transportierten neben Holz insbesondere Salz und Wein nach Norden. Der Wassertransport war billiger und schneller als der Landweg. Die Spitalkirche neben der Lechbrücke war die Kirche der Flößer.



Ein hoch entwickeltes Gewerbe in Füssen war die Herstellung von Lauten. Der Bau dieser Instrumente war reines Kunsthandwerk, das sich in Füssen zu seiner vollen Blüte entfaltete. Die Füssener Meister brachten ihre Instrumente in alle Welt, besonders in die großen Hauptstädte Europas. Der Lautenmacher-Brunnen mit dem Standbild eines Lautenmachers beim Brotmarkt steht zu Ehren dieses Handwerks. Auch mit dem Geigenbau kamen die Instrumentenmacher aus Füssen später zu Ruhm und Ansehen.



Nach dem Stadtrundgang wurde der Lechfall besucht. Gewissermaßen als Abschied vom Gebirge stürzt sich der Lech mit Vehemenz durch den engen Schlund des Lussaltenfelsens. Ein schmaler Steg führt über die Schlucht. Hier hat man einen herrlichen Blick in die dampfende Gischt. Unvergesslich auch das tosende Geräusch des stürzenden Wassers. Danach brachte der Bus die Ausflügler nach Dietringen am Forggensee in ein Hotel mit Seeblick. Der Forggensee ist ein Stausee, in dem der Lech aufgestaut wird. Er besteht seit 1954. Den Nachmittag verbrachten die Kirchheimer Senioren auf eigene Faust am Hopfensee mit Spaziergängen. Mit der Heimfahrt ging der seniorengerechte, von Wanderfreundin Hartmann organisierte und begleitete Tagesausflug zu Ende.