Lokales

Von Katzen bis zu „My Fair Lady“

Der Kulturring hat eine abwechslungsreiche Abonnementreihe für die neue Saison zusammengestellt

Wie immer rechtzeitig vor der heißen Phase vorweihnachtlicher Panikkäufe präsentiert der Kulturring sein Theater- und Konzertprogramm. Unentschlossenen und konsequenten Konsumverweigerern kann damit erfahrungsgemäß immer wieder eine ideale Brücke gebaut werden. Kultur ist schließlich (fast) über jedes Kommerzdenken erhaben, kann dennoch viel Vergnügen bereiten und ist somit ein ideales Geschenk.

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G. Fink / W.-D. TRUPPAT

Kirchheim. Im Theaterabonnement reicht die Palette von Drama, Volksstück, Mysterien- und Schauspiel bis zur Komödie und zum Musical. Den Auftakt der Theatermiete bildet das bekannte Drama „Die Katze auf dem heißen Blechdach“. Tennessee Williams schuf diese Ballade von Liebe, Leid und Vergebung in den frühen Fünfzigerjahren und eroberte mit ihr die Herzen der Menschen im Sturm.

Der Autor führt sein Publikum in die Welt der Südstaaten-High Society: Big Daddy wird 65 und die Familie versammelt sich aus diesem Anlass: Der erfolgreiche Anwalt Cooper mit seiner gebärfreudigen besseren Hälfte, der alkoholsüchtige Nick, dessen Frau nicht ablässt, ihren „Versager“ mit aller Wut zu lieben. Alle wissen, dass es Big Daddys letzter Geburtstag ist – nur nicht das Geburtstagskind, dem die Ärzte die Unheilbarkeit seiner Krankheit verheimlichen. Fröhliche Geburtstagsstimmung versprüht deshalb nur die stets albern trällernde Big Mama. Trotz aller offengelegter Laster und Leidenschaften beschwört das Drama auch die Hoffnung auf Wahrheit und Versöhnung.

„Georg Elser – Allein gegen Hitler“ lautet der Titel des Volksstücks von Dieter de Lazzer und Felix Huby mit dem Theater Lindenhof Dieter de Lazzer und Felix Huby schrieben dieses Stück um den schwäbischen Tüftler, der in einem Alleingang den Versuch unternahm, Adolf Hitler zu beseitigen. Durch einen Zufall entgeht Hitler aber dem in sechswöchiger Nachtarbeit von dem Schreiner gewissenhaft vorbereiteten Attentat.

Die Inszenierung von Christoph Biermeier verbindet eine durchaus anspruchsvolle Geschichtsstunde mit bestem Unterhaltungswert und fesselnden Persönlichkeitsbildern. Das Ensemble des Theaters Lindenhof mit Bernhard Hurm, Berthold Biesinger, Stefan Hallmayer und anderen hat mannigfach Gelegenheit, all seine Qualitäten auszuspielen.

„Jedermann“, das in Schwäbisch Hall immer wieder erfolgreich seine „Treppentauglichkeit“ beweisende Mysterienspiel von Hugo von Hofmannsthal, scheut dabei nicht die publikumswirksame Verbindung von historischem Schaugepränge und schauspielerischer Bravour.

Das schlichte Gleichnis vom Sterben des reichen Mannes hat seit 1920 seinen Repertoireplatz bei den Salzburger Festspielen gehalten und schlüpft mit seinen eindringlichen Knittelversen und seiner farbigen Bildersprache dem heutigen Publikum noch immer unter die Haut. Auch ohne die absolute Bindung an die christliche Wertordnung, die auch der Autor längst verloren hatte, bleibt dem Phänomen des unvermittelten Todes ein gehöriges Maß an Schrecken und dem Hohn des Mammon wächst in heutiger Zeit sogar eine noch gesteigerte Aktualität zu. Das Mittelalter ist also noch immer in uns.

Als Vorlagen für sein Stück griff Hofmannsthal auf das englische Moralstück „Everyman“ von 1509 und auf „Ein Comedi von dem reichen sterbenden Menschen, der Hecastus genannt“ von Hans Sachs zurück.

Edmond Rostards Schauspiel „Cyrano de Bergerac“ ist der ausgewählte Stoff, der als Open-Air in der Kulisse der Festungsmauer des Kirchheimer Schlosses unter freiem Himmel ideale Bedingungen haben könnte – falls das Wetter mitspielt. Cyrano de Bergerac wird für seine Fechtkunst gefürchtet, für seine Dichtkunst bewundert und wegen seiner riesigen Nase verlacht.

Cyrano ist verliebt in Roxane, die ihre Liebe zu dem Kadetten Christian ausgerechnet gegenüber Cyrano eingesteht. Da Christian seine Gefühle nicht in Worte fassen kann, bietet ihm Cyrano an, mit seiner Poesie in die Bresche zu springen. Seine „Auftragsarbeiten“ haben bei Roxane enorme Wirkung. Das junge Paar vermählt sich, doch das Glück ist nur von kürzester Dauer, denn Christian erhält einen Einberufungsbefehl. Cyrano rückt mit ins Feld und kämpft im Namen Christians an der Heimatfront mit seiner Feder weithin um die Liebe Roxanes.

Eine tragische Verwicklung zeichnet sich ab, doch der Stoff ist natürlich viel zu schön für ein plattes Happyend. Außerdem hat die Württembergische Landesbühne Esslingen versprochen, im Marstallgarten nicht mit Theatereffekten, Kostümen und Aufwand zu sparen . . .

Die Komödie „Elling“ von Axel Hellstenius verdankt ihren Siegeszug rund um die Welt dem erfolgreichsten norwegischen Kinofilm aller Zeiten, der 2002 sogar für den Oscar nominiert wurde. Die Handlung ist umwerfend witzig und bietet alles auf, was ein gutes Theaterstück braucht: Spannung, Leichtigkeit, Tempo und geistreiche Dialoge.

Zwei neurotische Helden stehen im Mittelpunkt, aber „Elling“ vermeidet jede platte Anbiederung an das „Klapsmühlen-Metier“. Die beiden sollen wieder in die „normale“ Gesellschaft eingegliedert werden, erhalten eine Wohnung und bekommen den Sozialarbeiter Frank zur Seite gestellt, der sich redlich abmüht. Die Art, mit der in diesem Stück über die Wechselfälle des Lebens und den Zustand der modernen Welt philosophiert wird, birgt einen unwiderstehlichen Charme, hat Witz und zeugt von Intelligenz. Die Probleme und Ängste der Protagonisten berühren letztlich auch die existenziellen Fragen der „Gesunden“.

„My Fair Lady“, das Musical von Frederick Loewe und Alan Jay Lerner, rundet die vielseitige Saison ab. Über 2 000 Aufführungen ohne Unterbrechung erlebte das Stück ab 1956 am Broadway und der Siegeszug des Stücks führte dank der opulenten Verfilmung bald rund um die Welt. In Deutschland brachte die Geschichte der „Rinnsteinpflanze“ Eliza und des Sprachfetischisten Higgins den Durchbruch für das gesamte Genre, das in Windeseile die Gattung Operette aus dem Rennen warf. Präsentiert wird „My Fair Lady“ in einer Neuinszenierung durch das Landestheater Schwaben, das damit einen begeisternden Schlusspunkt setzt und zugleich Theater- und Musikmiete elegant verbindet.

Ganz besonders attraktiv ist auch in diesem Jahr wieder das für jeweils zwei Personen geltende und sehr geschenkgeeignete und nur für Personen im Alter zwischen 14 und 20 Jahren gültige Jugendabonnement. Ausgewählt wurden dafür „Georg Elser – Allein gegen Hitler“, „Jedermann“, die Open-Air Produktion „Cyrano de Bergerac“ und „My Fair Lady“.