Lokales

Von Liebhabersorten und Schnapsbirnen

Zum zweiten Mal öffnete Familie Kerner aus Dettingen die Türen zu ihren Obstanlagen für interessierte Besucher. Das Fest fand im Rahmen der "Gläsernen Produktion" in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsamt des Landkreis Esslingen statt.

BERENIKE NORDMANN

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DETTINGEN Nach einem Gottesdienst informierte Obstbaumeister Körner aus Köngen die Besucher des Festes bei einer Führung durch einen Teil des Obstbaumbestandes zum Anbau im eigenen Garten, Schädlingsbekämpfung und Veredelung. Die Obstanlage befindet sich auf einer rund zwei Hektar großen Wiese. Unter anderem kann man dort Zwetschgen, Mirabellen, Birnen, Kirschen und Äpfel ernten. Die sechs verschiedenen Apfelbaumsorten machen den größten Teil aus.

Körner erläuterte, dass die Bäume, die auf dieser Wiese wachsen, durch verschiedene Unterlagen und Veredelungen klein gehalten werden. Den Besuchern wurde erklärt, worauf es bei der Veredelung und dem Zuschneiden ankommt. "Der Obstbaum wird klein und mit kurzen Trieben gehalten", weiß Körner. Für eine gute Produktion ist es wichtig, dass auch die Blätter des Baumes gesund sind.

Bäume müssen sozusagen "erzogen" werden. Dies fängt schon im ersten Jahr an, indem man im Sommerschnitt bestimmte Triebe entfernt. Damit der Baum jedoch nicht von neuem an dieser Stelle treibt oder gar von Grauschimmel befallen wird, muss der Astring sauber entfernt werden, damit die Wunde schnell zuwächst.

Anschließend wurden die Besucher über das Nachpflanzen von neuen Obstbäumen informiert. Besteht der Wunsch, einen neuen Baum einzupflanzen, so sollte man auf keinen Fall den Boden ausbessern. "Einfach nur den alten Baum heraus reißen und den neuen pflanzen. Alles andere ist Unsinn", so der Experte.

Ein Baum, der als "Liebhabersorte" bezeichnet wird, da sie viel Zuwendung benötigt, ist der Apfel Rubinette. "Die Frucht ist sehr gut im Geschmack. Allerdings ist der Baum kleinfruchtig und muss konsequent ausgedünnt werden", so Körner. Ähnlich ist es bei Jonagold, dessen Früchtezahl begrenzt werden muss, da bei zu vielen Früchten das Blatt-Frucht-Verhältnis nicht mehr stimmt und der Apfel damit keine gute Färbung erhält.

Nach dem Lerngang durch die Apfelbäume ging es weiter zu den Birnen. Ein Teil von ihnen wird als Tafelbirnen verwendet. Williamsbirnen sind speziell für Schnaps bestimmt.

Da der Obstanbau von Familie Kerner mit einem Qualitätszeichen ausgezeichnet wird, das integrierten und kontrollierten Anbau bestätigt, war es für die Zuhörer interessant zu erfahren, wie oft und mit welchen Mitteln die Obstbäume gespritzt werden. Es werden keine salzhaltigen und schwermetallige Mittel verwendet. Um die Richtlinien einzuhalten, die das Qualitätssigel vorschreibt, werden chemische und biologische Mittel kombiniert und nur nach dem Befall von Schädlingen und vorhergehender Kontrolle eingesetzt. So wird bei Raupen zum Beispiel ein Mittel verwendet, das in deren Wachstumssystem eingreift und das Häuten des Tieres verhindert. Das Spritzmittel ist ungiftig und schont Nützlinge. Da nicht-schädliche Fungizide verwendet werden, kann man also gut einen Apfel direkt vom Baum essen.

Es ist seit einiger Zeit auch üblich, Kirschbäume, wie Apfel- und Birnbäume, durch Veredelung und Einschnürung klein zu halten. Diese Methode erleichtert die Ernte, weil kaum mehr eine Leiter gebraucht wird. Angepflanzt werden Süß-, Brenn- und Sauerkirschen.

Neben dem Landwirtschaftsamt, das über den Pflanzenschutz informierte, war auch die Fruchtsaft-Kelterei Blankenhorn aus Dettingen vertreten. Die Mosterei ist Mitglied der Dettinger Apfelbörse, die es beispielsweise Familien, welche keine eigene Obstwiese besitzen, ermöglicht, auf Streuobstwiesen Äpfel aufzulesen.

An einem weiteren Stand informierte die Imkerin Rose Stepan. Ihr Honig stammt unter anderem aus den Bienenkästen, die im Frühjahr auf der Wiese von Familie Kerner stehen.

Im Zelt nebenan konnten die Besucher aus einem beeindruckenden Angebot von Likören, Schnäpsen und Marmeladen aus dem Kernerschen Anbau erwerben.

Für die Destillation werden die Früchte aus dem Intensivobstanbau verwendet. "Einen hervorragenden Schnaps erhält man aus der Wahlschen Schnapsbirne", weiß Ursula Kerner. Sie leitet den Nebenerwerbsbetrieb und betreibt die Brennerei. Die angebotenen Waren auf dem Fest sind grundsätzlich im familieneigenen Hofladen erhältlich. Die Destillerie gibt es seit 1993. Die Brennerei war ein Grund für die Obstanlage, da aus den Streuobstwiesen nicht allein die Destillate gemacht werden konnten. Die Äpfel, die aus dem Intensivobstbau gewonnen werden, gehen in den Frischmarkt, in den Hofladen und werden an andere Läden geliefert. "In der Regel machen wir zwei Pflückgänge für den Tafel- und Frischmarkt", erklärte Ursula Kerner. Was verhagelt ist und beim dritten Gang im Herbst geerntet wird, ist für die Brennerei bestimmt.

In den folgenden Wochen wird sich die Obstbauerin um die Ernte von Mirabellen und Zwetschgen kümmern müssen. Danach werden Williamsbirnen und Elstar reif. Neben der Arbeit in der Destillerie ist sie Geschäftsführerin des Kreisverbandes der Obst- und Gartenbauvereine Nürtingen. Deshalb ist sie ständig unterwegs, unter anderem auf Schulungen zum Thema Spritzmittel.

Mit ihren knapp vier Hektar Streuobstwiesen und zwei Hektar, auf denen Intensivobstbau betrieben wird, ist der Bestand von Familie Kerner ein Teil der 43 800 Obstbäume, die auf der Dettinger Markung stehen. Für die jährliche Zählung ist Gerhard Bauer zuständig, der seit 1988 dokumentiert, welche Bäume abgehen und wo neu gepflanzt wurde.