Lokales

Von Maaren, Burgen und einer alten Weisheit

Ganz am Beginn der schon traditionell in den Pfingstferien stattfindenden Familienfreizeit der Zweigvereins Teck des Mährisch-Schlesischen Sudetengebirgsvereins stand die alte Weisheit, wonach es für das Wandern kein schlechtes Wetter gibt, sondern nur unpassende Kleidung.

KIRCHHEIM Zu lösen war aber in diesem Jahr auch das Problem, wie man 28 Kinder und Erwachsene in einem Haus unterbringt, das eigentlich nur 19 Betten anbietet. Das schlechte Wetter verzog sich aber, nachdem ihm lediglich am total verregneten ersten Tag ein wenig Beachtung geschenkt wurde, die übrigen Tage war das Wetter eigentlich recht schön, wenn auch "eifelmäßig" kühl und wenig frühsommerlich. Auch das Quartierproblem wurde mit ein wenig Improvisationstalent und mitgebrachten Matratzen zur allgemeinen Zufriedenheit gelöst.

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Bereits am Pfingstsonntag setzte sich dann die Kolonne in Bewegung. Ziel waren das Orchideenhaus und der Alpengarten Schronen in Daleiden. Was im Eingangsbereich noch aussieht wie ein Blumengeschäft, entfaltet sich in der Folge auf einer Fläche von rund 600 Quadratmeter als eindrucksvolle farbenprächtige Orchideenschau. Wunderschön und eindrucksvoll angelegt auch der Alpengarten im Freien mit der auf einer Fläche von rund 1500 Quadratmeter aufgebauten Gebirgsflora.

Nach Brockscheid in die Eifeler Glockengießerei Mark ging es am nächsten Tag. Seit 1620 ist das Glockengießen Tradition in dieser Familie, seit 1840 mit festem Sitz in Brockscheid. Allerdings werden heute nicht mehr nur Bronzeglocken gegossen, sondern auch kleine Glöckchen aus Messing und Bronze und alle Arten von Bronzekunstguss, sowie Ofenplatten aus Bronze und Eisen. Die Herstellung einer Glocke ist ausschließlich Handarbeit und erfordert eine ganze Reihe komplizierter Arbeitsschritte. Nur drei Mal jährlich werden die Glocken gegossen, wobei die schwerste in Brockscheid gegossene Glocke 7,5 Tonnen wiegt.

Nächstes Ziel an diesem Tag war das Meerfelder Maar in der Nähe von Mansfeld. Es hat mit rund 1500 Meter und einer Fläche von rund 24,8 Hektar den größten Maarkessel der Vulkaneifel man schätzt dessen Alter auf rund 29 000 Jahre. Die Entstehung der Maare wird zurückgeführt auf Wasserdampfexplosionen, die beim Kontakt von aufsteigendem Magma mit Grundwasser stattfinden. Im Vulkanfeld der Westeifel sind 68 Maare bekannt, von denen aber nur noch acht mit Wasser gefüllt sind. Alle übrigen sind so genannte Trockenmaare. Unterschieden werden Schlackenvulkane, die über dem Niveau der Hochfläche der Vulkaneifel liegen und sich mit Regenwasser gefüllt haben, also Kraterseen darstellen und die Maare, die unter dem Niveau der Hochfläche liegen und sich mit Grundwasser gefüllt haben. Das Meerfelder Maar gehört also zu den letzteren. Auf einem gemütlichen Wanderweg wurde das Maar umrundet, dann ging es weiter zur nächsten Station, dem "Wallenden Born" bei Wallenborn. Der Name des einzigartigen Naturschauspiels gab dem Ort seinen Namen. Beim "Wallenden Born", von den Einheimischen liebevoll der "Brubbel" genannt, handelt es sich um ein in Europa einzigartiges Naturschauspiel, einen kalten Geysir. Ungefähr alle 30 Minuten wallt das bis dahin ruhige Wasser stark auf und steigt dann bis zu drei Meter in die Höhe. Nach einigen Minuten hat sich das Wasser wieder beruhigt, auch der schwefelhaltige Gestank des "Sauerbrunnens" hat sich wieder verzogen, und nach einer halben Stunde beginnt das Schauspiel von vorne. Hervorgerufen wird dies durch sich im Boden ansammelnde kohlensäurehaltige Gase, die unter dem Wasser einen gewaltigen Druck aufbauen, der dann durch die Wasseroberfläche nach oben explodiert und die Fontäne mit sich in die Höhe reißt.

Beim mineralhaltigen Wasser blieb die Gruppe auch am folgenden Tag. Ein Besuch beim "Gerolsteiner Sprudel" war vereinbart. Nur noch wenige Menschen sind dort in den Produktionshallen zu sehen, die meisten Prozesse von der Flaschenreinigung über die Befüllung, die Etikettierung und das Füllen der Kästen - laufen automatisch ab. An einem normalen Tag, so hörten wir, verlassen rund 350 große Lastwagen mit Mineralwasser das Werk. Dennoch wird sorgsam darauf geachtet, dass nicht mehr Wasser aus den Quellen entnommen wird als natürlich nachkommt der Weg des Regenwassers von der Oberfläche bis zur Quelle, auf dem es dann auch die Mineralien aufnimmt, dauert immerhin zwischen 30 und 50 Jahren!

Dann ging es wieder ins Freie und hinauf zur Kasselburg bei Gerolstein. Die Wolfsschlucht in den Wäldern rund um die Kasselburg dient dem größten Wolfsrudel Westeuropas als Lebensraum. Attraktion ist ein erhöhter, eingezäunter Erlebnisweg durch das Wolfsgehege mit Kanzeln und Tribünen, von denen aus der Besucher einen freien Blick und unmittelbaren Kontakt zu den Tieren hat. Leider nahmen sich die Tiere offensichtlich einen Ruhetag, denn zwar gab es reichlich possierliche Meerschweinchen und Ziegen zu sehen, aber die Wildschweine bis auf einen neugierigen Keiler und vor allem die Wölfe machten sich an diesem Tag rar. Schließlich aber entdeckten wir das Wolfsrudel dann doch noch, wie es an den Burgmauern aufmerksam unsere Gruppe im Auge behielt. Auch wegen der zahlreichen Greifvögel in den Volieren und natürlich der Besteigung des Burgturms hielt sich die Enttäuschung in Grenzen.

Bereits beim Besuch des Meerfelder Maars hatte die kleine Stadt Manderscheid mit ihren beiden Burgen einen so starken Eindruck hinterlassen, dass man sich entschloss, am letzten Ausflugstag dorthin zu fahren. Die geschichtlichen Wurzeln der heutigen Verbandsgemeinde Manderscheid bildeten das Kurfürstentum Trier und das Herzogtum Luxemburg. Die beiden Manderscheider Burgen symbolisierten die beiden Machtblöcke im hiesigen Raum. Die Oberburg war kurtrierische Landesburg und die Niederburg Domizil der Herren von Manderscheid im Luxemburger Hoheitsgebiet. Aus den großen königlichen Besitzungen im Bitburg-Gau wurden von den deutschen Königen und Kaisern ganze Gebiete an die verschiedenen Klöster verschenkt. Die Oberburg gehört heute der Gemeinde Manderscheid, die die Ruine 1921 ausbessern ließ. Auf der Niederburg, 1899 vom Eifelverein erworben, wurden kostspielige Erhaltungsarbeiten vorgenommen, die regelmäßig fortgesetzt werden müssen.

Letzter fester Programmpunkt war eine kleine Wanderung um das Weinfelder Maar bei Daun, auch "Totenmaar" genannt, ein Naturschutzgebiet mit einem Durchmesser von 521 Meter, einer gesamten Fläche von 16,8 Hektar und einer Tiefe von immerhin 51 Meter. Seinen Beinamen "Totenmaar" erhielt das Weinfelder Maar wegen der nahe gelegenen Kapelle mit einem Friedhof. Die ehemalige Pfarrkirche von Weinfeld ist die landschaftsprägende Kirche des an der Pest im 16. Jahrhundert untergegangenen gleichnamigen Dorfes. Nachdem das Wanderheim Vulkaneifel des MSSGV wieder in einen Zustand gebracht war, der den nächsten Gästen den problemlosen Einzug ermöglicht, wurde der Heimweg angetreten.

gb