Lokales

Von Mausefallen, Hühnern, Banken und leckeren Tropfen

Auf einer dreitägigen Reise waren die Owener Landfrauen. Es begann mit einem kurzen Aufenthalt in Trier, von dort ging es weiter in die Eifel. Sie besuchten Luxemburg und besichtigen einen Hühnerhof sowie eine Glockengießerei.

OWEN Erstes Städteziel der dreitägigen Lehrfahrt war Trier, älteste Stadt Deutschlands, die gleich zur Stadtrundfahrt einlud. Die Fülle der historischen Bauwerke, wie beispielsweise die Porta Nigra, das Amphitheater, die Kaiserthermen und das kurfürstliche Palais jeweils mit den geschichtlichen Daten begeisterte die Gruppe wie auch die Konstantin-Basilika, die von den Maßen so gewaltig ist, dass die Porta Nigra darin Platz hätte. Weiter ging es zum kurfürstlichen Palais, dem Dom und dem nahegelegenen Marktplatz, ehe die Fahrt nach Mesenich zum Johannishof führte. Der Familienbetrieb hat drei Betriebszweige, zum einen das Weingut, weiter eine Weinstube mit Weincafé und zuletzt eine Pension mit Urlaub auf dem Winzerhof.

Anzeige

Landfrauen aus Mesenich und Umgebung haben sich im gemütlichen Café eingefunden, um sich bei leckeren selbst gebackenen Torten und Kuchen mit den Owener Landfrauen ausgetauscht. Die Junior-Chefin gab einen kurzen Überblick über das fünf Hektar große Weingut. Überwiegend wird in der Gegend Weißwein angebaut, speziell Riesling, Elbling und Kerner. Doch seit 1989, seit an der Mosel auch Rotwein angebaut werden darf, verfügt auch der Johannishof über rote Sorten wie Spätburgunder und Dornfelder.

Abgerundet wird das Angebot mit Winzersekt, Weinberglikör und Weingelee. Familie Ries vermarktet alle erzeugten Produkte selbst. Im Weincafé finden sich nur eigene Produkte oder von regionalen Erzeugern aus heimischer Produktion. Selbst die 89-jährige Oma hilft noch tatkräftig mit Kuchenbacken mit.

Gestärkt und mit vielen neuen Eindrücken ging die Fahrt weiter nach Kyllburg, in das Quartier in der Landvolkshochschule. Kyllburg ist mit 1 178 Einwohnern die kleinste Stadt in Rheinland-Pfalz und liegt malerisch auf einem schmalen Bergsporn, der in einer Schleife von dem kleinen Fluss Kyll umflossen wird. Auf dem Plateau des Bergsporns befindet sich das vor über 725 Jahren erbaute Wahrzeichen, die gotische Stiftskirche. Direkt neben dieser Kirche befindet sich die Landvolkshochschule. Am Abend informierte der Leiter in einem Diavortrag über die Eifel.

Am folgenden Tag stand eine Eifelrundfahrt auf dem Programm. Begleitet von Landvolkshochschulleiter Mayer ging es zuerst nach Neroth, zu der Besonderheit des Ortes dem Mausefallenmuseum, das in der denkmalgeschützten Schule aus dem Jahre 1842 untergebracht ist. Dieses gilt als eines der seltensten der Welt. Die Landfrauen erfuhren in einem Film, wie der Nerother Bürger Theodor Kläs in den 1830er-Jahren sein Wissen um die Drahtflechttechnik weitergab. Ursprünglich war die Drahtwarenherstellung dort kein ansässiges Gewerbe. Die extreme wirtschaftliche Notlage der Bewohner veranlasste den Lehrer Kläs eine Reise zu "Industriezwecken" zu unternehmen.

In der Slowakei erlernte er das Drahtbinden, kam 1832 zurück nach Neroth und lehrte den Einwohnern im Dorf das Drahtbinden. Die Drahtflechterei war Nebenerwerb zur Landwirtschaft und alle Familienmitglieder produzierten in Heimarbeit. Das typische Produkt war die Drahtmausefalle, doch auch andere nützliche Drahtwaren, wie Kuchengitter und Topfuntersetzer wurden hergestellt. Die Familienväter gingen als Hausierer auf Reisen, um die Drahtwaren zu vertreiben. Ab 1960 wurde das Drahtwarengeschäft unrentabel, da Industriebetriebe die Artikel als Massenware günstiger herstellen konnten, und 1979 schloss der letzte Drahtwarenbetrieb in Neroth.

Nach diesem beeindruckenden Museumsbesuch ging die Fahrt weiter über eine Maarlandschaft, vorbei an den Dauner Maaren, mit über 50 Meter tiefen Seen, zur Eifeler Glockengießerei nach Brockscheid. Im Jahre 1840 wurde der erste Ofen aufgemauert und in Betrieb genommen. Bei einer Besichtigung in der Gießerei erfuhren die Teilnehmerinnen, wie aus Lehm und Rindertalg in einer Grube über den Glockenkern eine Glockengussform entsteht und dieser Prozess bis zum eigentlichen Gusstag, je nach Glockengröße, zwischen eineinhalb und vier Monate beträgt.

Nach einer kurzen Mittagspause in Eckfeld in der Stube des Bauernhofes zeigte die Bäuerin die Betriebs- und Stallgebäude des Landwirtschaftsbetriebs mit 200 Hektar Nutzfläche. Dazu gehören noch ein dreireihigerBoxenlaufstall mit 68 Milchkühen mit einer Milchleistung von über 10 000 Kilogramm sowie zwei Offenställe für das Jungvieh. Zum Abschluss lud die Bäuerin die Owener Landfrauen zu einer Tasse Kaffee ein.

Dann stand auch schon die nächste Station auf dem Programm, der Geflügelhof Janshen in Ellscheid. Bereits beim Eintreten in das Gelände wurden die Besucherinnen von allerlei Federvieh begrüßt. Karl-Heinz Janshen führte die Landfrauen durch den Hof. Seit 1990 gibt es für die 10 000 Hühner nur noch die Boden- und Freilandhaltung. Eine moderne Technik, wie computergesteuerte Fütterung und Wasserzufuhr zeigt eine moderne Tierhaltung, der 30 Hektar Ackerland zur Futterversorgung zur Verfügung stehen.

Die Eier werden in Direktvermarktung verkauft. Ein eigenes Schlachthaus steht für das Schlachtgeflügel wie Hühner, Puten, Gänse und Enten zur Verfügung, für das Sohn Mario zuständig ist. Weiter werden hausgemachte Eiernudeln produziert, die sich im Hofladen in einer umfangreiche Produktpalette hochwertiger eigener Erzeugnisse wieder finden. Ein Landgasthof mit den Produkten des Hofes rundet das umfassende Angebot ab. Die Geflügelspezialitäten ließen sich die Landfrauen beim Abendessen in dem hell und freundlich gestalteten Restaurant schmecken. Auf der Rückfahrt nach Kyllburg gab es noch einen kleinen Abstecher nach Bitburg, einer Kreisstadt mit 14 000 Einwohner.

Am dritten und letzten Tag stand eine Fahrt nach Luxemburg auf dem Programm. In Begleitung einer Reiseleiterin ging die Fahrt durch das Nims-Tal, einem Tal mit vielen Streuobstwiesen, nach Echternach einer mittelalterlichen Kleinstadt mit 4 000 Einwohnern. Eine Besichtigung des Echternacher Doms und der Krypta unter dem Altarraum mit den Gebeinen des heiligen Williport durfte nicht fehlen. Weiter ging die Fahrt durch ein idyllisches Tal der Luxemburger Schweiz, das mit Felsen und Schluchten zur Erlebiswanderung einlud, nach Berndorf. Von dort erreichten die Landfrauen die Hauptstadt Luxemburg. Eine Fahrt über den Kirchberg mit den Gebäuden der Banken, von denen es insgesamt 200 nationale und internationale in der Stadt gibt, vorbei am Spiegelgebäude der Europakommission und der Europaschule erreichte der Bus die Innenstadt. Eine Stadtführung durch das Zentrum von Luxemburg, mit Besichtigung der Kathedrale, vorbei am großherzoglichen Palais, dem Regierungssitz mit Außenministerium, schloss die Führung ab. Die Heimreise führte über Saarlouis, Saarbrücken und den Pfälzer Wald zurück nach Owen.

bs