Lokales

Von Stürmen bis zur veränderten Fauna

Das Naturschutzzentrum in Schopfloch öffnet bis Februar seine Türen für eine Ausstellung zum Klimawandel. Besonderer Wert wird dabei auf die Nähe zu regionalen Veränderungen gelegt.

BERENIKE NORDMANN

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LENNINGEN Klimawandel ist ein Thema, das nicht nur Meteorologen oder Umweltschützer betrifft, sondern jeden einzelnen Bürger. Durch Unwetter, Hochwasser oder orkanartige Stürme wurden in den vergangenen Jahren viele Menschen geschädigt. Mit der Sonderausstellung "Klimawandel" möchte das Naturschutzzentrum Schopfloch Albwanderern und anderen Interessierten das Thema aus einer globalen Sicht vorstellen und einen regionalen Bezug herstellen.

Auf der Alb ist der Klimawandel schon an vielen Stellen erkennbar. Abgesehen von offensichtlichen Veränderungen wie zum Beispiel die extrem heißen Tage im Juni oder ein regnerischer August in diesem Jahr sind aber auch Vögel betroffen. Forscher stellten besonders bei diesen Tieren ein verändertes Zugverhalten und eine Verlagerung der Brut- und Nistareale fest. Am Beispiel der Mehlschwalbe haben Ornithologen festgestellt, dass der Vogel in den letzten dreißig Jahren seine durchschnittliche Rückkehr um zehn Tage vorverlegt hat. So kommen die Schwalben schon am 30. März und nicht mehr am 9. April ins Land zurück.

Auch anhand von Insekten und Schädlingen lässt sich eine Wandel im Klima feststellen. "Das Taubenschwänzchen, ein Schwärmer, wurde im Jahrhundertsommer auf jedem Balkon bemerkt," berichtete Dr. Barbara Karwatzki, die die Ausstellung vorstellte. Das Verhalten der Tiere wird durch eine steigende Jahresdurchschnittstemperatur und zurückgehende Frosttage im Jahr beeinflusst. So gibt es dreißig Frosttage weniger und zwanzig Tage mehr, an denen es im Sommer warm ist. Dadurch breiten sich wärmeliebende Tiere in Baden-Württemberg aus, deren Brutplätze sonst für andere Gegenden typisch waren. Der Bienenfresser, der ursprünglich in Südeuropa nistete, ist ein solcher Fall. Das Tier wurde schon in einem Reutlinger Naturschutzgebiet und am Randecker Maar beobachtet. Aber auch Schädlinge wie Schwammspinner und Borkenkäfer nehmen durch für sie optimale Bedingungen zu.

"Das Thema ist sehr komplex. Wir können nur kleine Aspekte vorstellen und Themen anreißen. Aber wir möchten mit der Ausstellung darauf aufmerksam machen, dass die Folgen des Klimawandels auch in unserer Region sichtbar sind," erklärte Wolfgang Lissak vom Naturschutzzentrum. Besucher können anhand von Gesteinsproben aus Baden-Württemberg, die aus verschiedenen Erdzeitaltern stammen, nachvollziehen, wie man durch Kohlenstoffdioxid-Messungen Klimaschwankungen erkennen kann. Die Ausstellung wird multimedial ergänzt durch kurze Informationsfilme, die auf den Klimawandel in der Region hinweisen und das Thema auch in seinen einzelnen Aspekten kurz anreißen.

Die Ausstellung fand im vergangenen Jahr in Reutlingen mit Unterstützung des Deutschen Alpvereins statt. In dessen Interesse lag es, durch Öffentlichkeitsarbeit die Bevölkerung auf die derzeitige Umweltsituation hinzuweisen. "Es ist mir wichtig, nicht mit erhobenem Zeigefinger auf die Problematik hinzuweisen. Jeder sollte selbst seine eigenen Schlussfolgerungen aus der Ausstellung ziehen," betonte Dr. Barbara Karwatzki.

Klimawandel gab es schon immer. Der Unterschied ist heute jedoch, dass dieser Klimawandel hausgemacht ist, beeinflusst durch demografische Veränderungen, Städtewachstum und Industrialisierung der Gesellschaft. Auch die zunehmende Tierproduktion und verstärkter Reisanbau spielen eine Rolle. Durch beide Faktoren wird Methan in die Atmosphäre abgesondert. Der Stoff ist ein Gas, dessen Mengen in den letzten 250 Jahren um 145 Prozent zugenommen haben.

"Um den Klimawandel in den Griff zu bekommen, werden zwei Generationen nicht ausreichen," prognostizierte Dr. Barbara Karwatzki. Eine Zeitspanne von mindestens siebzig bis hundert Jahren ist notwendig, um Ergebnisse zu erzielen.

Da das Naturschutzzentrum Ausstellungsstücke zeigt, wie betroffene heimische Vögel, vom Sturm beschädigte Baumstümpfe und Gesteinsproben aus dem Bundesland, ist die Exposition sehr nah an der Region. "Auch für Schulklassen ist die Ausstellung interessant," ist Geschäftsführer Dr. Wohnhas überzeugt.