Lokales

Von Teufelsaustreibungen und einem drohenden Fluch

Angebliche Heilerin wegen gewerblichen Betrugs angeklagt – Friseurin mit hohen Honorarzahlungen in Ruin getrieben

Mit angeblich übernatürlichen Heilkräften soll eine Wahrsagerin aus dem Rheinland im vergangenen Sommer die Betreiberin von Friseurgeschäften in Denkendorf und Wendlingen in den finanziellen Ruin getrieben haben.

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Bernd Winckler

Denkendorf/Wendlingen. Die 35-Jährige habe der Frau weisgemacht, dass eines ihrer Kinder vom Teufel besessen sei und nur sie es heilen könne. Dafür soll sie auf betrügerische Weise und mit Drohungen bei dem Opfer über 50 000 Euro kassiert haben und muss sich jetzt vor einer Strafkammer am Landgericht Stuttgart dafür verantworten. Die Anklage lautet: gewerblicher Betrug in 92 Fällen.

Die wegen Betrugs bereits mehrfach vorbestrafte 35-jährige Frau muss sich nun unter anderem wegen Betrügereien von Juli 2007 bis Juli 2008 zu Lasten einer Denkendorfer Friseurin verantworten. In der Vergangenheit hat sie Kunden, die sich in einer Lebenskrise befanden oder unter Existenzängsten litten, ihre angebliche Begabung – übernatürliche Kräfte – gegen Bezahlung angeboten.

Laut dem aktuellen Vorwurf habe die 35-Jährige ihre hellseherischen Dienste der Denkendorfer Friseurin angeboten und ihr klargemacht, dass eines ihrer Kinder vom Teufel besessen sei und schwer krank werden könne, wenn sie nicht gegen hohe Honorarzahlungen die Behandlung übernehme. Dabei soll die Angeklagte auch nicht vor Schreckensmeldungen und Drohungen haltgemacht haben. Unter anderem würde eine schwere Krankheit auf alle Familienmitglieder übergreifen.

Sie habe dem Opfer vorgeschwindelt, dass deren Kinder in große Gefahr kämen, falls sie ihr nicht Geld zahle, um sie von deren drohendem „Fluch“ zu befreien. Das Opfer kündigte daraufhin eine Lebensversicherung und gab der selbsternannten Wahrsagerin im Laufe mehrerer Sitzungen in Teilbeträgen zwischen 800 und 8000 Euro. Insgesamt belief sich die Summe auf über 50 000 Euro.

Als die Friseurin kein Geld mehr zur Zahlung an die Angeklagte besaß, habe sie zusätzlich bei ihrer Hausbank ein Darlehen aufgenommen und auch dieses Geld an die Angeklagte ausgehändigt. Dadurch, so die Anklage, hätten die „übernatürlichen Kräfte“ der Beschuldigten das Opfer selbst in große wirtschaftliche Not getrieben. Letztlich musste die Frau ihre Friseurläden in Denkendorf und Wendlingen schließen. Die angeblich erkrankten Kindern konnte indes die Wahrsagerin nicht heilen, wobei den Stuttgarter Richtern im Laufe des Prozesses vermutlich klarwerden wird, dass es überhaupt keine Krankheiten zu heilen gab.

Auch der Lebenspartner der Friseurin wurde laut Anklage von der 35-jährigen Frau um rund 30 000 Euro erleichtert und eine Reisebüro-Besitzerin in Waldenbuch soll für die angebliche Austreibung des Teufels bei ihrer Tochter runde 110 000 Euro bezahlt haben.

Vor der 18. Großen Strafkammer des Landgerichts Stuttgart ist die 35-Jährige, die aus einer jugoslawischen Roma-Familie stammt, jetzt teilweise geständig. Sie gibt an, dass sie übernatürliche Kräfte bereits in ihrer Jugendzeit an sich festgestellt habe und mit 15 Jahren schon Geld mit der Kunst des Handlesens verdient habe. Am 29. Juli vergangenen Jahres wurde sie von der Polizei in Köln aus ihrem dort geparkten Wohnmobil geholt und verhaftet. Sie lebe jetzt von Sozialhilfe, sagte sie den Richtern.

Allerdings gab sie am gestrigen ersten Prozesstag auch kleinlaut zu, dass sie zwei Wohnmobile besitze, dazu noch einen Mercedes Sportwagen „SL“ und einen Geländewagen älteren Baujahres. Das Gericht hat für die Beweisaufnahme mehrere Prozesstage terminiert. Ein Urteil soll erst Ende nächsten Monats gesprochen werden.