Lokales

Von wegen "Lindenkiller": Sicherheit geht vor

Die großen Linden in Wellingen werden immer weniger. Nachdem das Naturdenkmal am Kirchle schon vergangene Woche gefällt werden musste, ereilt die Lutherlinde bei den Kriegsgräbern in nächster Zeit dasselbe Schicksal. Einzig die Kreuzsteinlinde darf eines natürlichen Todes sterben.

IRIS HÄFNER

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NOTZINGEN Notzingens Bürgermeister Jochen Flogaus hat schon die Befürchtung, dass er als "der Lindenkiller" in die Analen der Bodenbachgemeinde eingehen wird. Der Gemeinderat musste sich jedoch Sachzwängen beugen: Aus Gründen der Verkehrssicherheit entschied sich das Gremium nach langen Diskussionen für die Fällung der Linde am Wellinger Kirchle. Nun folgt also auch noch die Lutherlinde bei den Kriegsgräbern ebenfalls aus Sicherheitsgründen. Schon im Juli haben die Räte beschlossen, dass sowohl die Lutherlinde als auch die Kreuzsteinlinde auf ihre Vitalität hin untersucht werden sollen. "Von Fällung war zu diesem Zeitpunkt keine Rede", erinnerte Jochen Flogaus. Mitte Januar gab es dann schließlich einen Ortstermin.

Die Kreuzsteinlinde, die neben der Kreisstraße in Richtung Roßwälden steht, ist eine Besonderheit. Der Forstingenieur, der das Gutachten erstellte, hat laut Jochen Flogaus selten solch eine Linde in diesem Ausmaß gesehen. Der Fachmann vermutet, dass es sich bei dem Baum ursprünglich um zwei Linden gehandelt hat und er aus diesem Grund so ausladend ist. Mit 180 bis 200 Jahren dürfte sie die älteste Linde auf Notzinger Markung sein.

Zwar ist die Linde schon vor Jahren saniert worden, trotzdem ist ein großer Ast abgebrochen. Nichtsdestotrotz ist der große Baum ein Refugium für Fledermäuse, Spechte und andere Tiere. Weitere Sanierungen hält der Fachmann für nicht sinnvoll. "Die Linde sterben lassen", lautet sein Rat. Der natürliche Prozess soll auf dem Privatgrundstück seinen Lauf nehmen, ein Sicherheitsproblem besteht an diesem Standort nicht. Die Lagerung von Baumaterialien oder Fahrzeugen ist jedoch ab sofort verboten, der Pächter ist darüber bereits informiert.

Anders stellt sich die Situation bei der Lutherlinde dar. Die Äste sind nicht mehr bruchsicher und müssten allesamt abgesägt werden, weil unter dem Baum Bänke stehen. Außerdem findet dort auch die Sonnwendfeier statt. "Der Habitus Altbaum wäre bei diesem Aussehen nicht mehr gegeben", zitierte Jochen Flogaus den Forstingenieur und riet, den Baum "bodeneben" abzusägen. Der Stamm sollte nach seiner Ansicht mit einer Hinweistafel an Ort und Stelle liegen bleiben. Wie an der Kreuzsteinlinde wächst auch hier schon eine Linde nach.

"Wenigstens haben wir noch eine große Linde", brachte es Eduard Bosch auf den Punkt. Er sprach sich aus Sicherheitsgründen für die Fällung der Linde aus, da zum einen ein junger Baum schon steht und zum andern ein Stammtorso nichts gleichsehen würde. "Wie ein Marterpfahl", warf Erhard Reichle diesbezüglich ein. Herbert Hiller sprach den Bürgermeister vom Vorwurf des "Lindenkillers" frei. "Jeder Einzelne von uns hier im Gremium hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, die Linden zu fällen", stellte er klar. Sicherheit gehe aber in beiden Fällen ganz eindeutig vor.