Lokales

Vor 100 Jahren trocknete Owener Hopfen noch auf der Rathausbühne

Von den "Württembergischen Basaltwerken Owen" über den Bierbrauer Jakob Hiller bis hin zum "Hanfanbau" reichte die Bandbreite dessen, was Fritz Nuffer vom Förderkreis "Alt-Owen" am Samstag seinem interessierten Publikum vorstellte. Gewandert wurde dabei vom Schützenhäusle über den Hohenbol und die Hopfengärten zur Tuchbleiche.

ANDREAS VOLZ

Anzeige

OWEN Eine wichtige Frage konnte Fritz Nuffer gleich zu Beginn seiner Führung durch die Owener Geschichte klären: Das "Schützenhäusle", das sich eigentlich nur als Unterstand für Wanderer eignet und keinesfalls an die praktische Ausübung des Schießsports denken lässt, war tatsächlich einmal ein Schützenhaus. Fritz Nuffer zitierte ein Dokument aus dem Jahr 1914, wonach der Schützenverein Owen beim Gemeinderat "um Gestattung der Einrichtung eines Schießstands" nachsuchte. Nuffer selbst erinnert sich als Zeitzeuge daran, noch 1944 an Schießübungen im Schützenhäusle teilgenommen zu haben. Geschossen wurde in Richtung Hohenbol. Inzwischen sind aber auf dem ehemaligen Schussfeld Bäume gewachsen, und der Schützenverein hat sich längst aufgelöst.

Noch kurzlebiger war die Zeit des Basaltabbaus in Owen: Über die genauen Anfänge ist nur wenig bekannt. 1932 aber hat sich ein Tiefbauunternehmer aus Cannstatt stark für das vulkanische Schottermaterial interessiert, das am Hohenbol abzubauen war. Es gab Pläne, das Gestein von dort oben per Seilbahn in die Stadt zu transportieren. Probebohrungen sollten Aufschluss geben über Lage und Mächtigkeit des Basalts und des Basalttuffs. Im Herbst 1932 wurde ein Pachtvertrag unterzeichnet, und die Zeitgenossen fürchteten bereits die Zerstörung der Landschaft durch die "Württembergischen Basaltwerke Owen".

Doch es sollte anders kommen, wie Fritz Nuffer weiter berichtete: "Der Unternehmer hat wohl Bauchweh bekommen und das Vorhaben im Januar 1933 ganz eingestellt." Als Grund dafür vermutet er, dass der Basalt nicht in Reinform abzubauen war. Vor Ort am Hohenbol, wo eine Informationstafel der baden-württembergischen Naturschutzverwaltung sowohl auf den Vulkanismus als auch auf den Versuch des Basaltabbaus aufmerksam macht, zeigte sich auch für das ungeübte Auge deutlich, dass gleich neben dem Basalt völlig anderes Gestein zum Vorschein kommt. Der Abbau im großen Stil dürfte sich also bei dem relativ geringen Vorkommen nicht wirklich gelohnt haben.

Zu einem ganz anderen Schluss kam "der Nuffers Fritz", als die Gruppe auf dem Weiterweg in Richtung Bölle an den ehemaligen "Hopfengärten" Station machte: "Der Hopfenanbau muss sich gelohnt haben." Etwa 100 Jahre lang wuchs der Hopfen auf Owener Gemarkung. Der älteste Nachweis, den Fritz Nuffer dafür gefunden hat, stammt vom Februar 1839: Per Zeitungsinserat werden Käufer für Owener Hopfen gesucht. Abnehmer gab es unter den Kirchheimer Brauereien, ab 1887 für kurze Zeit auch in Owen selbst. Jakob Hiller hatte erst ein Jahr zuvor das Gasthaus Adler übernommen und dort zugleich eine Brauerei eingerichtet.

Diese Brauerei war allerdings auch nur eine kurzlebige Einrichtung in Owen. Der jüngste Hinweis auf den Hopfenanbau, den Fritz Nuffer ausfindig machen konnte, datiert nämlich schon aus dem Jahr 1906: Er belegt, dass noch 1905 auf der Bühne des Owener Rathauses Hopfen getrocknet wurde. Wie sehr der Hopfen zur Lebenswirklichkeit gehörte, zeigte Fritz Nuffer anhand der Lebenserinnerungen, die ein alter Owener in der Zeit des Zweiten Weltkriegs geschrieben hat. Als Kind habe dieser Geld verdient beim "Hopfenzopfen". Weil nur die Dolden des Hopfens verwertbar sind, wurde eben sorgfältig "gezupft" und nicht einfach nur "gerupft", machte Nuffer auf einen feinen Unterschied aufmerksam.

Bei einer anderen wichtigen Kulturpflanze kam es dagegen auf das "Rupfen" an, weil die Fasern bis in die Wurzeln hinunterreichen: Auf der Tuchbleiche kam Fritz Nuffer auf den Flachs zu sprechen. Weil das Wort "Hanf" den Schwaben leichter über die Zunge gehe als "Flachs", gebe es in Owen aber keine "Flachsgärten", sondern "Hanfgärten". Detailliert beschrieb Nuffer die einzelnen Arbeitsgänge der Flachsbearbeitung und demonstrierte sie auch anhand historischer Arbeitsgeräte. So wurde der Flachs unter anderem "geriffelt", um die Samenkapseln zu entfernen. Die Samen brauchte man einerseits für die nächste Saat, andererseits zum Herstellen von Leinöl.

Wenn nach unzähligen Arbeitsgängen das Tuch schießlich fertig war, hatte es noch einen Schönheitsfehler: Es war unansehnlich grau. Daher wurden die Tücher auf der Tuchbleiche ausgelegt und benetzt. Die Sonne sorgte dafür, dass der Stoff schließlich doch noch zum "schneeigen Lein" werden konnte, wie Friedrich Schiller es vor über 200 Jahren formuliert hat. Auf der Tuchbleiche gab es allerdings noch zwei Gefahren, über die Schiller nicht geschrieben hat: Weil die Tücher eventuell gestohlen worden wären, wurden sie abends eingesammelt und über Nacht weggeschlossen, berichtete Fritz Nuffer. Die andere Gefahr drohte tagsüber aus der Luft. Vögel mussten in Schach gehalten werden, damit sie nicht das frisch gebleichte Weiß sofort wieder beschmutzten.